Warum eine gute Heilpraktikerausbildung nicht nur 3 Monate dauern kann – ein Kommentar

Warum eine gute Heilpraktikerausbildung nicht nur 3 Monate dauern kann – ein Kommentar

Wer sich für den Beruf der Heilpraktikerin oder des Heilpraktikers interessiert, hat meistens den Wunsch, Menschen zu helfen und Teil von Heilung oder Linderung zu werden. Es geht um therapeutische Begleitung, um Behandlung von oftmals chronischen Leiden und um eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen. Hierfür sind fundierte Kenntnisse erforderlich. Und darüber hinaus ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und praktischer Erfahrung.

Bildungstand und Ausbildung von Heilpraktiker*innen

Nicht wenige erlangen die Heilerlaubnis nach Aktenlage – das bedeutet, sie haben ein abgeschlossenes Psychologiestudium (Master oder Diplom) und erhalten die Erlaubnis ohne die üblichen Prüfungen durch das Gesundheitsamt.

Zur Vorbildung von Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern gibt es folgende Zahlen: Laut dem Fachverband Deutscher Heilpraktiker haben 58 Prozent die Hochschulreife, 38 Prozent einen mittleren Schulabschluss und mehrheitlich wurde zuvor eine andere Ausbildung absolviert. 31 Prozent der Heilpraktiker*innen haben einen Hochschulabschluss (Bachelor, Master, Diplom) und 63 Prozent einen Ausbildungsberuf erlernt.

Basierend auf dem dargestellten Interesse an Bildung ist eine intensive fachliche Ausbildung für die meisten Heilpraktiker*innen selbstverständlich. Dennoch gibt es Angebote kurzer Ausbildungen wie etwa binnen weniger Monate. Wie passt das zusammen? Vermutlich gar nicht. Es handelt sich hierbei vielmehr um Crashkurse zur Prüfungsvorbereitung. Von einer wirklichen Ausbildung, die zu etwas wie Diagnostik oder Behandlung befähigt, kann hier nicht die Rede sein. Vielleicht können solche Vorbereitungen als Basis verstanden werden, zu der weitere Ausbildungen absolviert werden, um am Ende verantwortungsbewusst behandeln zu können?

Eine anspruchsvolle Tätigkeit braucht ein gutes Fundament

Im Bereich der Naturheilkunde sowie im Fachbereich Psychotherapie ist es unerlässlich, persönliche Erfahrungen in einem fachkundigen Setting zu sammeln. Dies können probatorische Gespräche in ausreichender Zahl sein, Gespräche im Rollenspiel oder auch Gespräche mit videobasiertem Feedback durch eine Fachperson.

In der psychotherapeutischen Ausbildung sollte zudem auf einen hohen Anteil Selbsterfahrung Wert gelegt werden. Es ist für eine professionelle und wirksame Psychotherapie maßgeblich wichtig, sich selbst zu kennen, eigene Konfliktpotentiale zu bearbeiten und vor allem eine hohe Bereitschaft zur Selbstreflexion aufzuweisen. Die Selbsterfahrung kann Teil einer Heilpraktiker-Ausbildung sein oder zusätzlich absolviert werden. Fortlaufend sollte sie jedoch ein Anteil der gesamten Arbeit sein – besonders im Bereich der Psychotherapie. Ebenso ist es wichtig, regelmäßig Supervision in Anspruch zu nehmen – denn das Supervidieren hilft dabei, sich selbst gesund abzugrenzen, neue Lösungsansätze zu finden und sich selbst im Zusammenhang seiner Tätigkeit zu reflektieren.

Eine Kurzausbildung in einem solchen Bereich wird der anspruchsvollen Aufgabe der heilpraktischen Arbeit schlichtweg nicht gerecht. Etwas direkt ausgedrückt: Würde man sein Auto zur Reparatur jemandem anvertrauen, der nur drei Monate lang ausgebildet wurde? Wieso sollte man mit seiner Gesundheit – körperlich und psychisch – anders verfahren?

Sicherheit und viel Freude am Tun

Gut ausgebildet zu sein sorgt für ein selbstbewusstes und verantwortungsvolles Handeln. Diese Sicherheit kommt nicht nur den Klientinnen und Klienten zugute, sondern eben auch den praktizierenden Heilpraktiker*innen. Sie bewegen sich in einem rechtlich sicheren Rahmen – denn bei einer juristischen Prüfung im Falle einer eventuellen Schadensersatzprüfung werden entsprechend fundierte Ausbildungen und Erfahrungen erwartet. Und natürlich ist der Wunsch, Menschen zu unterstützen und Linderung oder Heilung von Erkrankungen zu begleiten nicht vereinbar damit, sich dies im Schnellverfahren aneignen zu wollen. Die Sorgfaltspflicht der Heilpraktiker*innen beginnt in diesem Sinne schon vor der eigentlichen Arbeit.

Der Beruf der Heilpraktikerin oder des Heilpraktikers ist ein wichtiger und sehr geschätzter Anteil an den Gesundheitsberufen in Deutschland. Die Tätigkeit in diesem Bereich ist sehr geschätzt – wie 2020 eine Umfrage der Hochschule Fresenius zum Thema Patientenzufriedenheit zeigte. Heilpraktiker*innen nehmen sich viel Zeit für ihre Patient*innen, klären ausführlich auf, erklären Behandlungsschritte und die Patient*innen fühlen sich ernstgenommen.

Dieser Wertschätzung und dem Vertrauen liegt im Sinne der Patient*innen eine gute Ausbildung zu Grunde, damit die Linderung und Heilung von Erkrankungen in guten Händen ist.

Dieser Artikel wurde von Saskia Epler für die Deutsche Heilpraktikerschule Mülheim / Ruhr verfasst.

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