Naturheilkunde-Lexikon

Naturheilkunde Lexikon

Naturheilkunde-Lexikon

Das Naturheilkunde-Lexikon der Deutschen Heilpraktikerschule fasst alle wichtigen Begriffe der Naturheilkunde zusammen. Sowohl naturheilkundliche Therapieverfahren als auch natürliche Wirkstoffe der Natur und komplementäre Verfahren werden vorgestellt. Wenn es einen Begriff gibt, den wir noch ergänzen sollen, schreiben Sie uns gern einen Kommentar!

A

Der Aderlass gehört zu den ältesten Heilmethoden. Das Ausleitungsverfahren wird laut Überlieferung bereits seit 3000 v. Chr. mit Erfolg in der indischen Medizin angewendet. In der Antike empfahl Hippokrates den Aderlass als eines der wichtigsten konstitutionsverbessernden Therapien. Ausgangspunkt des Aderlass bildet die Lehre der vier Körpersäfte (Blut, Schleim, Galle und Luft). Hier wurde davon ausgegangen, dass eine fehlerhafte Zusammensetzung der Körpersäfte (Dyskrasie) sowie eine vorhandene Blutfülle (Plethora) Ursache für Erkrankungen sein können.

Mehr dazu erfahren Sie im Blog.

Arnika ist in der naturheilkundlichen Medizin noch gar nicht so lange präsent. Sie wird erst seit dem 18. Jahrhundert genutzt und zählt deshalb zu den „jungen“ Heilpflanzen. Arnika wird in der Medizin nur zur äußeren Anwendung genutzt, da das Gift der Pflanze teilweise ungewünschte allergische Reaktionen auslösen kann. Lesen Sie mehr über die Verwendung und Wirkung von Arnika in unserem Blog.

Bernhard Aschner (1883–1960) erforschte in den 1920- bis 1930er-Jahren die noch heute gültigen und angewandten Indikationen. Aschner prägte erfolgreich das moderne Verständnis der Ausleitungsverfahren und eröffnete ihnen damit den (Wieder-)eintritt in die Naturheilkunde. Er gilt als Begründer der sog. Konstitutionstherapie, seine 1908 erstmals erschienenen Werke werden bis heute in aktualisierten Auflagen herausgegeben.

Aschners Formen verbanden externe Methoden mit inneren Anwendungen als ein Gesamtkonzept einer Konstitutionstherapie. Die Aschnerverfahren dringen tief in die Kausalität einer gestörten Selbstregulation des Organismus ein, da sie am Grundsystem (Pischinger-Raum) zwischen den Zellen ansetzen. Dadurch wirken sie regulativ und nicht unterdrückend. Andere Naturheilverfahren werden oft erst danach wieder wirksam.

Mehr Informationen zu Bernhard Aschner finden Sie in unserem Blog.

Unter dem Namen Tragant tummeln sich insgesamt etwa 2.000 bekannte Unterarten darunter so spannende Kräuter wie der Astragalus mongholicus, welcher traditionell in der chinesischen Medizin als Stärkungsmittel verwendet wird. Dabei kommt vor allem die gelbe Wurzel zur Anwendung. Sie wird geschnitten, gewaschen und in der Sonne getrocknet. Üblicherweise werden die so verarbeiteten Wurzeln in Form von Tees, Suppen oder Extrakten kombiniert mit weiteren Heilpflanzen eingenommen. Mehr Informationen zur Anwendung und Wirkung finden Sie in unserem Blog.

B

Bärlauch (Allium ursinum) enthält die gleichen Wirkstoffe wie Knoblauch. Seine wichtigsten Inhaltsstoffe sind schwefelhaltige ätherische Öle, Senfölglycoside, Vitamin C und zahlreiche Mineralstoffe. Durch das Zerreiben, Zerschneiden und Verarbeiten, werden die Zellen des Bärlauchs beschädigt. Dabei verwandelt sich das ätherische Öl Alliin in die für den Knoblauchgeruch verantwortliche Alkylsulfensäure. Diese wiederum zerfällt dann in weitere Bestanteile, die allesamt desinfizierend, blutgefäßreinigend und atemwegsbefreiend wirken.

Bärlauch wirkt verdauungsfördern und stoffwechselanregend, er vertreibt die Frühjahrsmüdigkeit – hier wirken die scharf schmeckenden Senfölglykoside als natürlicher Muntermacher. Vitamin C und der hohe Gehalt an pflanzlichem Eisen fördern die Blutbildung und können so einem Eisenmangel entgegenwirken. Zudem enthält Bärlauch Magnesium, Mangan und weitere Mineralstoffe, die für einen gesunden Körper notwendig sind.

Lesen mehr über Bärlauch in unserem Blog.

Das Baunscheidtverfahren ist ein Hautableitungsverfahren, bei dem über eine großflächige Reizung ein künstlicher Heilausschlag produziert wird. Dabei wird durch vorherige Perforation (Stichelung) der Haut und anschließende Behandlung mit reizenden Ölen eine lokale Entzündung herbeigeführt.

Mit dieser Komplementärmethode werden vor allem bei chronischen Entzündungen, Schmerz- und Reizzuständen sowie Verkrampfungen recht gute Erfolge erzielt. Entwickelt wurde dieses Verfahren zu Ende des 19. Jahrhunderts. Entdecker dieser Methode ist der Mechaniker und Erfinder Carl Baunscheidt.

Erfahren Sie mehr über dieses Verfahren in unserem Blog.

Die Birke ist so markant, dass selbst schon kleine Kinder sie von anderen Bäumen unterscheiden können: die Birke. Auffällig durch ihre weiße weiche Rinde, in der sich bei älteren Bäumen dann auch meist dunkle, raue Stellen zeigen. Die Birke galt bereits bei den Germanen als heiliger Baum. Sie symbolisiert die Fruchtbarkeit des Frühlings, weshalb auch heute noch traditionell das Maibaumsetzten in den Dörfern fester Bestandteil des Frühlingsfestes ist.

Sowohl die Hängebirke, als auch die Moorbirke werden heilkundlich genutzt. Geschätzt wird vor allem der Birkensaft, er ist ein stark harntreibendes Mittel gleichzeitig aber nierenschonend und somit nicht stark belastend. Heilpraktiker und auch Phytotherapeuten nutzen die Birke auch für die Behandlung von hartnäckigen Hauterkrankungen, wie Rissen oder Ekzeme. Schon Pfarrer Kneipp empfahl eine Abkochung aus Birkenblättern zur blutreinigenden Frühjahrskur. Rezeptideen finden Sie in unserem Blog.

Der Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) wird bereits seit der Kupferzeit vom Menschen als Heilpflanze genutzt. Im Mittleren Osten und im Mittelmeerraum wurde er wohl zuerst kultiviert, bevor er seinen Weg nach Ägypten fand. Im Land der Pyramiden wurde vor allem die heilkundliche Wirkung der Pflanzen geschätzt, die unter anderem in der Geburtshilfe für die Förderung der Milchbildung bei Stillenden zur Anwendung kam.

Um 795 wurde der Anbau von Bockshornklee per Erlass von Karl dem Großen verordnet und erreichte dadurch auch in unseren Breiten hohe Bekanntheit. Hildegard von Bingen und später Sebastian Kneipp schätzten die heilende Wirkung der Pflanze bei Hautkrankheiten und viele andere Leiden. Heute wird Bockshornklee in vielerlei Form angewendet. Ob ganz trivial als Gewürz oder Gewürzbestandteil (z.B. in Curry) oder auch als Futtermittelpflanze. Aber es ist vor allem seine medizinische Wirkung, die den Bockshornklee bei vielen Menschen beliebt macht.

Warum und wie Bockshornklee wirkt lesen Sie in unserem Blog?

Die Blaubeere hat viele Namen: Heidelbeere, Schwarzbeere, Mollbeere, Wildbeere, Waldbeere, Zeckbeere, Moosbeere, Bickelbeere, Bickbeere, Griffelbeere, Haselbeeri, Hällbeere, Krähenauge, Schnuderbeeri, Sentbeere, Taubeere, Wehlen, Worbel … Und bietet uns ebenso viele Anwendungsmöglichkeiten in der Naturheilkunde.

Erstmals wurde Vaccinium myrtillus, wie die Beere lateinisch genannt wird, bei der Äbtissin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert erwähnt. Sie empfahl Waldbeeren bei Durchfall und selbst bei Bauchtyphus wurden getrocknete Blaubeeren und auch deren Blätter genutzt.

Wie und warum die Blaubeere wirkt erfahren Sie in unserem Blog.

Blutegel im Dienst der Heilpraktiker

Seitdem Menschen einander therapieren, spielen die Blutegel (Hirudo medicinalis) eine bedeutende Rolle. Das Wort “Egel” stammt von dem griechischen Wort echis und bedeutet kleine Schlange. Zahlreiche Überlieferungen über die heilende Wirkung der „goldenen Ader“ sind aus der arabischen, griechischen, indischen, germanischen und römischen Medizin bekannt.

Nach einer Blütezeit im Mittelalter geriet die Behandlung mit z.T. missbräuchlichen Anwendungen, die man auch die Zeit des Vampirysmus nannte, in Vergessenheit. Erst im 20. Jahrhundert wurde die heilende Wirkung durch den Physiologen und Arzt Bernhard Aschner wieder entdeckt und erlebte in der modernen Schul- und Veterinärmedizin eine „Wiedergeburt“.

Und auch in der Heilkunst erlebten die Blutegel eine Renaissance. Eine Behandlung mit den Tieren zählt in der alternativen Medizin neben dem Schröpfen, dem Baunscheidtieren und dem Aderlass zu den sogenannten Ausleitungsverfahren. Diese sind aus den modernen Heilpraktikerpraxen nicht mehr weg zu denken.

Blutegel werden vor allem an Körperstellen angewendet, an die man mit einem Schröpfkopf oder Aderlass nicht herankommt. Also bspw. Augenlider, Mund, Zahnfleisch, Ohren, Zehen und Brustwarzen.

Die moderne Laborchemie hat zahlreiche Wirksubstanzen im Blutegelspeichel gefunden, so dass es keinen Zweifel an deren Wirksamkeit mehr gibt.

Doch warum wirkt der Biss eines Blutegels?

Der Speichel enthält viele Substanzen, von denen bisher nur die wichtigsten identifiziert werden konnten.

Hier eine kleine Auswahl:

HIRUDIN (Hirudo medicinalis = medizinischer Blutegel)
Es sorgt für die Hemmung der Blutgerinnung. Bei dem ca. 30-minütigen Saugakt und danach ist es notwendig, die Wunde offen und das Blut fließfähig zu halten.

CALIN
Es hemmt ebenfalls die Blutgerinnung. Calin bewirkt im Anschluss an das “schnelle” Hirudin, die ca. 12 h dauernde Reinigung der Wunde durch das Nachbluten. Es kommt zu einem sogenannten sanften Aderlass.

Weitere Substanzen wirken entzündungshemmend, antiallergisch, antibiotisch, abschwellend und verteilend.

Wir begleiten Sie über die Ausbildung hinaus bis in Ihren Praxisalltag hinein!

Ausleitungsverfahren als notwendigen Bestandteil Ihres Therapieangebotes? – Erlernen Sie es in unserem Seminar Ausleitungsverfahren!

C

Das Cantharidenpflaster ist ein traditionelles ausleitendes Verfahren in der Naturheilkunde. Der Wirkstoff Cantharidin, gewonnen aus Käferarten (z. B. Spanische Fliege), wirkt stark hautreizend und führt gezielt zur Blasenbildung (Vesikation). Dadurch werden Durchblutung, Lymphfluss und Stoffwechselprozesse angeregt, was den Abtransport von Belastungen fördern und schmerzlindernd wirken kann.

Die Anwendung erfolgt lokal über mehrere Stunden. Die entstehende, mit Lymphflüssigkeit gefüllte Blase wird anschließend fachgerecht versorgt. Das Verfahren wird u. a. bei chronischen Schmerz- und Reizzuständen eingesetzt.

Wichtige Hinweise: Nicht anwenden bei Nieren- oder Blasenreizungen, auf empfindlicher oder geschädigter Haut sowie im Bereich von Schleimhäuten oder Nieren.

Ausführliche Informationen, Wirkweise, Geschichte und Anwendung: siehe Blogbeitrag „Das Cantharidenpflaster – der weiße Aderlass“.

Cayenne- oder Spanischer Pfeffer ist im eigentlichen Sinne kein Pfeffer. Genau genommen handelt es sich um ein mit der Paprika verwandtes Nachtschattengewächs. Die Chili-Pflanze der Sorte „Cayenne“ wurde bereits vor der Entdeckung Amerikas in den tropischen Regionen kultiviert. Heute findet der Anbau auch in den tropischen und subtropischen Regionen Afrikas und Asien statt.

In der Naturheilkunde nutzt man ebenfalls die Wirkung der Cayennepfefferfrüchte. Sie werden nur äußerlich auf der Haut angewendet. Die schmerzlindernde Wirkung beruht auf dem Inhaltsstoff Capsaicin. Offiziell anerkannt ist die Wirkung bei schmerzhafter und verspannter Muskulatur, aber auch bei Nervenschmerzen.

Erfahren Sie mehr über den Cayennepfeffer in unserem Blog.

D – G

Bei der Dunkelfeldmikroskopie wird ein Tropfen Blut entnommen und in einem Mikroskop betrachtet. Dabei wird das Licht so gebrochen, dass man die Blutkörperchen gegen einen dunklen Hintergrund sieht, was wesentlich kontrastreicher ist. Der Vorteil liegt darin, dass man das lebende Blut betrachten kann und Rückschlüsse z.B. auf das Immunsystem führen kann. Sie unterteilt sich in die rein medizinische Hämatologie und die Dunkelfeldmikroskopie nach Enderlein.

Dieses Verfahren wurde von Dr. Reinhard Voll in den 50er Jahren entwickelt und bildet die Grundlage für viele bioelektrische Verfahren, die es heute überall gibt. Dabei wird über Akupunkturpunkte durch Widerstandsmessung versucht Rückschlüsse auf die Gesundheit oder Belastung von Organen zu führen. Ebenso können die Wirkungen von Medikamenten und Präparaten getestet werden.

H

Samuel Hahnemann (1755‒1843)war ein deutscher Arzt und Begründer der Homöopathie. Er studierte Medizin in Leipzig, Wien und Erlangen, wo er 1779 promovierte. Neben seiner Tätigkeit als Arzt arbeitete er auch als Übersetzer und beschäftigte sich intensiv mit Chemie und Pharmazie.

Berühmt wurde Hahnemann durch die Entwicklung des homöopathischen Prinzips „Ähnliches mit Ähnlichem“, das er 1796 veröffentlichte. Sein Hauptwerk, das Organon der rationalen Heilkunde (1810), bildet die Grundlage der Homöopathie. In den folgenden Jahren entwickelte er seine Lehre weiter und veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Arzneimittelprüfung. Hahnemann praktizierte unter anderem in Leipzig und Köthen und wirkte zuletzt in Paris.

Ausführliche Informationen zu Leben, Werk und Bedeutung: siehe Blogbeitrag „Christian Friedrich Samuel Hahnemann ‒ Begründer der Homöopathie“.

Die Homöopathie ist eine ganzheitliche Heilmethode, die auf Samuel Hahnemann (1755–1843) zurückgeht. Ihr zentrales Prinzip lautet „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“: Ein Stoff, der beim Gesunden bestimmte Symptome auslösen kann, wird in stark verdünnter und potenzierter Form zur Behandlung ähnlicher Beschwerden eingesetzt.

Zu den Grundprinzipien zählen das Ähnlichkeitsprinzip, die Betrachtung des Menschen als Einheit, die Wirkung kleinster Dosen sowie die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Homöopathische Arzneien werden nach festen Vorschriften hergestellt und in unterschiedlichen Potenzen (z. B. D-, C- oder LM-Potenzen) verabreicht.

Die klassische Homöopathie erfordert eine individuelle Mittelwahl und unterscheidet sich deutlich von vereinfachten Standardempfehlungen.

Ausführliche Informationen zu Geschichte, Wirkprinzip und Potenzen: siehe Blogbeitrag „Homöopathie ‒ Wissenswertes zu Wirkprinzip und Potenzen“.

Wilhelm Christoph Hufeland (1762–1836) war ein bedeutender deutscher Arzt, Gesundheitsreformer und Wegbereiter moderner Medizin- und Präventionskonzepte. Er wirkte u. a. als Professor in Jena, Leibarzt der preußischen Königsfamilie sowie Direktor der Charité in Berlin.

Bekannt wurde Hufeland insbesondere durch sein Werk Makrobiotik (1796/97), in dem er sich mit Lebensverlängerung, Gesundheitsvorsorge und maßvoller Lebensführung beschäftigte. Er setzte sich früh für Hygiene, Impfungen, öffentliche Gesundheit und soziale Medizin ein und erkannte den Zusammenhang zwischen Lebensbedingungen und Krankheit.

Als Aufklärer und Reformator prägte er die medizinische Entwicklung seiner Zeit nachhaltig und gilt als wichtiger Impulsgeber für eine ganzheitlich orientierte Medizin.

Ausführliche Informationen zu Leben, Werk und Bedeutung: siehe Blogbeitrag „Wilhelm Christoph Hufeland – Reformator des Gesundheitswesens“.

I

Die Irisdiagnose ist ein naturheilkundliches Verfahren, bei dem aus Merkmalen der Regenbogenhaut Rückschlüsse auf die konstitutionelle Veranlagung, Stärken und Schwächen eines Menschen gezogen werden. Beurteilt werden unter anderem Farbe, Struktur sowie spezifische Zeichen der Iris sowie der Zustand von Sklera und Augenhaut.

In der modernen Praxis erfolgt die Untersuchung häufig mithilfe fotografischer Verfahren, die eine vergrößerte und genauere Auswertung ermöglichen. Die Irisdiagnose dient dabei als orientierende Methode, um Hinweise auf mögliche Belastungen zu erhalten und weitere diagnostische Schritte abzuleiten.

Begründet wurde die Irisdiagnostik im 19. Jahrhundert durch den ungarischen Arzt Ignaz von Peczely (1826–1911), der sie als ergänzendes Instrument zur vergleichenden Diagnose entwickelte.

Mehr Informationen zur Irisdiagnose: siehe Blogbeitrag „Irisdiagnose ‒ was das Auge über den Körper verrät“.

J

Jin Shin Jyutsu ist eine japanische Form der Akupressur bzw. manuellen Therapie, die in Deutschland vor allem als Selbsthilfe- oder Heimtherapie bekannt ist. Die Heilmethode wurde ursprünglich von Jiro Murai zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Japan als Akupunktur ohne Nadeln entwickelt. In den Händen des erfahrenen Therapeuten bietet sie eine sehr wirksame Alternative oder Ergänzung zur Akupunktur. Ähnlich wie der japanische Akupunkteur, arbeitet der Jin Shin Jyutsu Therapeut nicht nach einer westlichen Symptomatik mit verschiedenen Punkteregimen, sondern entwickelt die individuelle Behandlung nach Untersuchung, Pulsdiagnose und Tastbefunden. Grundlage sind die Alten Klassiker wie der „Gelbe Kaiser“ und die besonderen, von Jiro Murai entwickelten Anwendungen. Jin Shin Jyutsu ist eine Behandlungsmethode, in der sowohl physische, funktionelle und psychische Beschwerden erfolgreich behandelt werden können. Es ist also auch als körpernahe Psychotherapie anwendbar.

K

Sebastian Kneipp (1821–1897) war ein deutscher Priester und Begründer der modernen Hydrotherapie. Er wuchs in einfachen Verhältnissen auf und musste früh zum Lebensunterhalt seiner Familie beitragen. Dennoch erhielt er Bildung und begann später ein Theologiestudium in München.

Während einer Tuberkulose-Erkrankung entdeckte Kneipp die Heilkraft des Wassers und heilte sich durch Kaltwasseranwendungen selbst. Dieses Erlebnis wurde zur Grundlage seiner späteren Therapie, die er kontinuierlich weiterentwickelte. Trotz anfänglicher Konflikte wegen unerlaubter Heiltätigkeit konnte er sich schließlich als Behandler etablieren. Ab 1855 wirkte er in Wörishofen, das sich zu einem bedeutenden Kurort entwickelte. Neben seiner Heiltätigkeit engagierte er sich besonders für arme und kranke Menschen.

Ausführliche Informationen zu Leben, Werk und Bedeutung: siehe Blogbeitrag „Sebastian Kneipp ‒ Begründer der modernen Hydrotherapie“.

 

L

Ein wertvoller Begleiter während der Fastenzeit

Denken Sie beim Wort „Löwenzahn“ auch zuerst an Peter Lustig? Dachte ich mir. Als treuer Begleiter meiner Kinderzeit fasziniert mich der sympathische Latzhosenträger bis heute. Nicht nur das er interessante Geschichten aus Natur, Umwelt und Technik parat hatte – er konnte auch die kompliziertesten Dinge einfach erklären. Die kultige Sendung schaue ich mir auch heute noch gerne zusammen mit meinen Kindern an.

Trotz des tierischen Namens ist der Löwenzahn höchstens für penible Gartenbesitzer gefährlich, die sich um ihren grünen Rasen sorgen. Beim Löwenzahn (lat. taraxacum offizinale) handelt es sich vielmehr um eine äußerst wertvolle Heilpflanze, die bereits seit vielen Jahrhunderten zur Anwendung kommt.

Laut Paracelsus kann man vom äußeren Erscheinungsbild auf die Wirkung einer Pflanze schließen. Beim Löwenzahn trifft das tatsächlich zu. Bereits im Mittelalter wurde die Pflanze erfolgreich zur Behandlung von Gelbsucht (eine Leberkrankheit) eingesetzt. Ebenso ist die harntreibende Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen. Daneben besitzt der Löwenzahn noch viele weitere therapeutische Fähigkeiten, die auch aktuell zum Einsatz kommen.

Denn momentan befinden wir uns in der Fastenzeit. Man besinnt sich vielerorts der körperlichen Entsagung und strebt die Reinigung von Körper, Geist und Seele an. Da kann eine Kur mit frisch gepresstem Löwenzahnsaft bei der Entschlackung unterstützen und die Frühjahrsmüdigkeit austreiben.

Da der Gehalt von Milchsaft im Frühjahr am höchsten ist, sammelt man das ganze Kraut am besten im März – vor der Blüte! Die folgende Press-Saft-Frühjahrskur aus den Wurzeln und Blättern hat sich sehr bewährt:

  • täglich 2 – 3 Esslöffel frisch gepressten Löwenzahn-Saft
  • mit Saft oder Wasser einnehmen

Die Frühjahrskur sollte etwa 4 – 6 Wochen durchgeführt werden. Sie wirkt verdauungsfördernd, entschlackend, blutreinigend und harntreibend. Wem das nicht zusagt, der kann Löwenzahn auch als frische Abwechslung in seinen Salat geben. Oder doch lieber als Gemüse? Die Blätter lassen sich wie Spinat kochen. Andere volkstümliche Namen die wir für Löwenzahn gefunden haben sind:

  • Pusteblume (warum wohl!? ;))
  • Hahnenspeck (Hühner fressen gerne Löwenzahn-Blätter)
  • Bettsescher oder Bettpisser (wegen der harntreibenden Wirkung)
  • Kuhscheiß (Kühe bekommen bei Verzehr großer Mengen Durchfall)
  • Milchblume, Milchkraut, Milchstock oder Kuhblume (wegen des weißen Saftes und auch wegen der höheren Milchleistung, die Kühe nach dem Verspeisen von Löwenzahn erbringen)
  • Schäfchenblume (weil der weiße wollige Pusteblumenkopf an Schäfchen erinnert)

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M – N

O

Ohrenkerzen (Hopi-Kerzen) sind mit Wachs getränkte Hohlröhrchen, die zur Entspannung und Regulation des vegetativen Nervensystems eingesetzt werden. Ihre Anwendung wird häufig mit den Hopi-Indianern in Verbindung gebracht, historisch belegt ist diese Herkunft jedoch nicht.

Während der Anwendung entstehen Wärme, Duftstoffe und ein leichter Unterdruck im Gehörgang, wodurch das Trommelfell sanft in Schwingung versetzt wird. Dies kann eine beruhigende und stressreduzierende Wirkung haben. Eine reinigende Wirkung des Gehörgangs ist hingegen nicht nachgewiesen.

Wichtige Hinweise: Die Anwendung sollte stets mit einer zweiten Person erfolgen. Achten Sie auf hochwertige, sichere Produkte (z. B. mit Filter) und schützen Sie Haut, Haare und Kleidung vor heißem Wachs.

Ausführliche Informationen zu Wirkung, Herkunft und Anwendung: siehe Blogbeitrag „Die Ohrenkerzen – beruhigende Wirkung und wichtige Anwendungshinweise“.

Diese Therapieform geht davon aus, dass sowohl körperliche, wie auch psychische Erkrankungen u.a. auf Mangelerscheinungen im Körper zurückgehen. Durch Gabe von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurelementen und Pflanzenstoffen wird versucht die körpereigenen Mechanismen und das Immunsystem zu regulieren und dadurch die Erkrankung zu heilen.

Ausführliche Informationen zu Wirkung und Anwendung: siehe Blogbeitrag „Orthomolekulare Medizin in der Heilpraktikerpraxis ‒ warum dieses Wissen unverzichtbar ist“.

P

Ignaz von Peczely und die Irisdiagnose

Die Irisdiagnose schließt eine wichtige diagnostische Lücke, denn das Auge verrät konstitutionsbedingte Schwächen, aber auch individuelle Stärken. Bei der Irisdiagnose werden Farbe, individuelle Zeichen (Waben, Krypten, Lakunen und Defektzeichen), Zustand der Sklera und Regenbogenhaut beurteilt, um dann eine passende Verordnung bzw. Therapie einzuleiten.

In der modernen Naturheilpraxis bedient man sich der bildgebenden Technik, um die Hinweise der Iris deutlich zu erkennen. Das Auge wird fotografiert und anschließend kann es ggf. gemeinsam mit dem Patienten auf dem Monitor ausgewertet werden. Vorteil ist hier die vergrößerte Darstellung der Iris und das erweiterte Zeitfenster zur Beurteilung.

Der Begründer der Irisdiagnose ist ein junger Azrt aus Budapest. Ignaz von Peczely (1826-1911) veröffentlihte erst nach langer Zeit seine in deutsch verfasste Broschüre „Entdeckungen auf dem Gebiet der Naturheilkunde, Anleitung zum Studium der Diagnose aus dem Auge“. Darin beschreibt er seine Erfahrungen aus 20 Jahren diagnostischer und praktischer ärztlicher Tätigkeit. Er lehrte darin, dass die Irisdiagnostik eine Hilfe zur vergleichenden Diagnostik darstellt, d.h. Zeichen im Auge können also Hinweise geben, was noch abgeklärt werden muss.

Wie kam Dr. Peczely auf diese Methode?

Ein Schlüsselerlebnis in seiner Jugend beschreibt den Anfang seines Interesses:

„Meine Entdeckung war nicht die der Wissenschaft, sondern die Geburt eines Zufalls. In meinen jungen Jahren, im Jahre 1838, als Gewehrübungen, Reiten und Jagd meine Freiheit ausfüllten, schoss Ich eines Tages eine große Eule. Als feuriges junges Kind rannte Ich hin, um meine Beute aufzuheben. Ich fasste das an den Flügeln verwundete Tier an, aber es mich auch. Es bohrte seine große Kralle durch die Sehne meine linken Zeigefingers und Daumens, dessen Narben noch heute zu sehen sind. Vor Schmerz und Zorn versuchte ich alles, um dieser Zange herauszukommen. Ich fand es am besten, mit meiner freien rechten Hand das Bein der Eule zu brechen. Dies führte Ich durch, worauf sich bei der Eule das Entsprechende Auge mit Blut füllte. Ich trug das übrigens hübsche Tier heim, wo es sich bei guter Pflege alsbald erholte, aber in dem Auge blieb ein Fleck.“

Warum kann das Auge den gesamten Körper abbilden?

Zur Iris bestehen zahlreiche Nervenverbindungen, die sich aus dem gesamten Organismus an Ihr vereinen. Daher ist die Iris in der Lage aus allen Körperregionen Informationen zu erhalten und diese entsprechend umzusetzen bzw. zu zeigen. Ständig gestresste Orte des Körpers (durch Gifte, Entzündungen, etc.) spiegeln sich in der Iris wieder. Erfahrene Heilpraktiker können eine Erfolgsquote von fast 80% aufweisen (zum Vergleich: Ultraschall bietet nur 50%).

Herr Bochmann beschreibt die Methode der Irisdiagnose sehr anschaulich in unserem Video auf youtube.

Vincenz Prießnitz (1790–1852) war ein Naturheilkundler und gilt als Begründer der modernen Hydrotherapie. Er entwickelte nach einem schweren Unfall seine Methode der Wasserbehandlung, insbesondere den später bekannten Prießnitz-Umschlag.

Ab 1826 behandelte er zahlreiche Patienten in seiner Badeanstalt in Gräfenberg. Trotz anfänglicher Widerstände wurde seine Heilmethode anerkannt und machte ihn europaweit bekannt. Prießnitz Ansatz der Wassertherapie sowie sein ganzheitliches Gesundheitsverständnis beeinflussen die Naturheilkunde bis heute.

Ausführliche Informationen zu Leben, Werk und Bedeutung: siehe Blogbeitrag „Vincenz Prießnitz ‒ Vater der Naturheilkunde“.

Q – R

S

Schröpfen ist ein traditionelles Ausleitungsverfahren, bei dem durch Unterdruck in aufgesetzten Gläsern die Durchblutung von Haut und Gewebe angeregt wird. Es zählt zu den ältesten Therapieverfahren und wurde bereits in der Antike angewendet.

Man unterscheidet zwischen blutigem Schröpfen, trockenem Schröpfen und Schröpfmassage. Besonders häufig kommt es bei Verspannungen, Schmerzen und Durchblutungsstörungen zum Einsatz. Ziel ist es, lokale Spannungszustände zu lösen und den Stoffwechsel im behandelten Bereich zu fördern.

Heute wird Schröpfen vor allem in der Naturheilkunde eingesetzt und hat sich insbesondere bei muskulären Beschwerden bewährt.

Ausführliche Informationen zu Geschichte, Wirkweise und Anwendung: siehe Blogbeitrag „Das Schröpfen – Ausleitung durch Unterdruck“.

Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) war ein deutscher Arzt und Begründer der sogenannten Biochemie nach Schüßler. Er entwickelte im 19. Jahrhundert ein Therapiekonzept, das auf der Annahme beruht, dass Störungen im Mineralstoffhaushalt der Zellen Krankheiten verursachen können.

Schüßler definierte zwölf Mineralsalze als essenziell für die Zellfunktion und setzte diese in potenzierter Form therapeutisch ein. Seine Methode verstand er als vereinfachte Alternative zur Homöopathie, wobei er besonderen Wert auf eine gezielte und reduzierte Mittelauswahl legte.

Bis heute finden die Schüßlersalze Anwendung in der Naturheilkunde.

Ausführliche Informationen zu Leben, Lehre und Bedeutung: siehe Blogbeitrag „Wilhelm Heinrich Schüßler – Erfinder der Schüßlersalze“.

Spagyrik ist eine ganzheitliche Therapie für Körper, Seele und Geist. Das aus dem Griechischen stammende Wort Spagyrik bedeutet, trennen und wieder zusammenführen. Die Behandlungsmethode hat ihre Wurzeln im Mittelalter. Sie geht auf den Arzt, Naturforscher und Philosophen Paracelsus (1493 – 1541) zurück, der als ihr bedeutendster Anwender im späten Mittelalter gilt. Als Nachfolger von Paracelsus hat Dr. Carl-Friedrich Zimpel (1801 – 1879) die Methode im 19. Jahrhundert weiterentwickelt. Spagyrik ist die Brücke zwischen klassischer Homöopathie und moderner Pflanzenheilkunde.

Durch das spezielle Herstellungsverfahren: Gärung, Destillation und Veraschung werden aus einer Heilpflanze ätherische Öle, Mineralstoffe und die eigentlichen Heilwirkstoffe gewonnen. Alle Bestandteile werden anschließend zu einer Essenz wieder zusammengeführt.

Mit dieser Verfahrensweise wirken Spagyrische Mittel auf drei Ebenen.

– körperlich: Salz das unverbrennbare, kristallin, erdig, körpergebende, fixes Prinzip

– seelisch: Öl verbrennbar, fettig, beseelend, charakterisierend, individuell, flüchtig u. fixes Prinzip

– geistig: Alkohol (nur in der Pflanzenspagyrik) geistig, lebensspendend, vermittelnd, expansiv, flüchtiges Prinzip

Das Grundprinzip ist dabei, den aus dem Gleichgewicht geratenen Körper mit Hilfe der Heilkraft von individuellen pflanzlichen Mischungen wieder in seine Balance zurückzubegleiten.

Spagyrische Urtinkturen nach Dr. Zimpel sind frei von toxischen Stoffen und können daher sogar unverdünnt angewendet werden, selbst bei verarbeiteten Giftpflanzen (z.B. Nux vomica). Auch Allergien auslösende Stoffe/Pollen sind in den spagyrischen Urtinkturen in der Regel nicht enthalten.

Spagyrische Mittel werden  meist in flüssiger Form in Alkohol und Wasser, als Spray oder in einer Tropfflasche angeboten. Muss auf jeden Fall Alkohol vermieden werden, kann der Apotheker die Urtinktur auch auf Globulis sprühen. Bezogen werden die Mittel über Apotheken bzw. vom  Heilpraktiker z.T. direkt bei den Herstellern.

T

Tigergras (Centella asiatica), auch asiatischer Wassernabel genannt, ist eine bedeutende Heilpflanze der ayurvedischen Medizin. Sie wird traditionell innerlich und äußerlich angewendet, insbesondere bei Hauterkrankungen, Wundheilungsstörungen, Venenbeschwerden und Nervosität.

Wichtige Inhaltsstoffe wie Asiaticosid wirken antibakteriell, fördern die Kollagenbildung und unterstützen die Regeneration von Gewebe. Daher findet Tigergras auch in der modernen Hautpflege Anwendung, z. B. zur Hautstraffung und bei reifer Haut.

Hinweis: Eine Überdosierung kann Nebenwirkungen verursachen; während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Tigergras nicht angewendet werden.

Ausführliche Informationen zu Wirkung, Anwendung und Herkunft: siehe Blogbeitrag „Tigergras – eine der wichtigsten Heilpflanzen in Asien“.

U

V

Das Veilchen (Viola odorata) ist eine traditionsreiche Heil- und Duftpflanze, die bereits in der Antike geschätzt wurde. Heute wird es vor allem in der Naturheilkunde bei Erkältungsbeschwerden wie Husten und Bronchitis eingesetzt.

Seine Wirkung beruht auf Inhaltsstoffen wie Schleimstoffen, ätherischen Ölen, Saponinen und Flavonoiden. Diese wirken u. a. schleimlösend, auswurffördernd und mild entzündungshemmend.

Veilchen bevorzugen schattige Standorte und werden auch in der Pflanzenheilkunde sowie in der Parfümherstellung genutzt.

Ausführliche Informationen zu Wirkung, Anwendung und Rezepten: siehe Blogbeitrag „Das Veilchen – duftende Heilpflanze mit langer Tradition“.

W – Z

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