Frauen sind anders – ein Beitrag zum internationalen Tag der Frauengesundheit

Am 28. Mai 2022 ist internationaler Tag der Frauengesundheit. Haben Sie gewusst, dass Medikamententests fast nur mit männlichen Mäusen durchgeführt werden, weil die Forscher fürchten, dass der weibliche Hormonzyklus die Testergebnisse beeinflusst? Bis in die 90er-Jahre war es so: Was die Studien an der Mehrheit der Männer herausfanden, wurde später praktischer medizinischer Alltag und Frauen bekamen dieselbe Dosis wie Männer. Heute, 25 Jahre später, besteht das Problem immer noch.

Frauen in Pharmastudien

In Pharmastudien mit Menschen sind Frauen noch immer unterrepräsentiert. Deshalb weiß man zu wenig über geschlechterspezifische Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Erst seit Januar 2022 schreibt eine neue EU-Richtlinie vor, die Geschlechterverteilung in klinischen Studien danach zu beurteilen, inwiefern sie die tatsächlich zu behandelnden Subgruppen in der Bevölkerung abbildet. Richtet sich das Medikament vor allem an Frauen, sollen auch vor allem Frauen getestet werden.

Symptombeschreibungen bei Frauen und Männern

Frauen zeigen andere Symptome als Männer und brauchen nicht selten eine andere Therapie. „Die häufigste Todesursache bei Frauen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auf die rund 40 % aller Todesfälle zurückzuführen sind. Trotzdem gelten Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin als eher „männliche“ Erkrankungen und Frauen unterschätzen häufig ihr Erkrankungsrisiko“, schreibt das RKI in seiner Studie „Gesundheitliche Lage der Frauen in Deutschland“ vom 9. Dezember 2020

Die Symptombeschreibung für einen Herzinfarkt traf bisher nur auf Männer zu. Frauen kommen mit einem Herzinfarkt im Schnitt erst zwei Stunden später als Männer in die Notaufnahme. Sie zeigen öfter andere Symptome und der Herzinfarkt wird häufiger nicht erkannt. Herzinfarkte sind nur ein Beispiel von vielen medizinischen Themen, bei denen Frauen benachteiligt sind. Auch beim Thema Medikamente fehlen häufig ausreichende Daten zur Dosis-Wirkung-Beziehung und Nebenwirkungen bei Frauen. So braucht eine Tablette für den Weg durch Magen und Darm einer Frau circa doppelt so lange wie bei einem Mann. Auch der Abbau von Wirkstoffen in der Leber dauert länger.

Geschlechterrollen im Umgang mit der eigenen Gesundheit

Auch ein*e Heilpraktiker*in sollte wissen, dass ebenso ein geschlechtstypischer Umgang in der Selbstwahrnehmung oder in der Selbstdarstellung für einen Befund verantwortlich sein können. Ein Indianer heult eben nicht. Obwohl sich seit den 50er-Jahren die Geschlechterrollen verändert haben und deutlich flexibler geworden sind, werden an Männern und Frauen nach wie vor unterschiedliche Erwartungen an Verhalten und Persönlichkeit gerichtet. Es ist bekannt, dass Männer seltener und später ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen als Frauen. Dies ist besonders der Fall bei Vorsorgeuntersuchungen und anderen präventiven Maßnahmen sowie bei psychischen oder psychosomatischen Problemen. Hören Sie deshalb genau hin – bei Männern und auch bei Frauen.

Quellen:

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.