Die häufigsten psychischen Erkrankungen – Teil 2: Angststörungen

Die häufigsten psychischen Erkrankungen – Teil 2: Angststörungen

Was sind Angststörungen? Jeder von uns kennt das Gefühl der Angst. Wenn man zum Beispiel im Dunkeln allein durch eine Straße läuft und plötzlich ein Geräusch hört. Oder aber auch die Angst, vor der Belegschaft oder Klasse zu sprechen. In solchen Situationen schwitzen wir, bekommen Herzrasen oder haben mit Schwindel zu kämpfen. Unser Magen wird nervös, wir müssen häufiger zur Toilette, der Mund wird trocken. Dazu kann es sein, dass ein vermehrtes Schwitzen auftritt. Es gibt fast nichts im Leben, das einen Menschen so unglücklich machen kann, wie seine Ängste. Durch diese werden andere Gefühle blockiert und man ist hilflos diesen Ängsten ausgeliefert. Angst ist eine anstrengende und durchaus auch überfordernde Empfindung. Ab und an ängstlich zu sein gehört zu unserem Leben. Wenn die Angst jedoch übermäßig wird und ein Leiden entsteht, dann kann es sich um eine psychische Störung handeln. Hierbei entstehen Ängste, obwohl eine reale äußere Bedrohung fehlt.

Was sind Angststörungen? – Klassifikation

Als Angststörungen bezeichnet man eine Gruppe psychischer Störungen, die als Hauptmerkmal eine übersteigerte Angstreaktion haben. Die betroffenen Menschen können eine ausgelebte Angst und körperliche Angstsymptome erleben. Durch diese Probleme kann das alltägliche Leben stark eingeschränkt sein. Dabei schaltet das vegetative Nervensystem auf Alarmbereitschaft, obwohl keine äußere Bedrohung vorliegt. Jeder Mensch kann an einer Angststörung erkranken.

Wenn körpernahe Ängste im Vordergrund stehen, wird in der ICD-10 im Bereich der F4 „Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen“ diagnostiziert. Sollte jedoch die Tatsache bestehen, dass die Auffälligkeiten nicht auf Episoden begrenzt sind, sondern in Kindheit und Jugend begannen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter manifestieren, kann es sich um eine Störung aus dem Bereich der Persönlichkeitsstörungen (F6) handeln.

Welche Arten von Angststörungen gibt es?

In der Kategorie Angststörungen gibt es folgende Einteilungen:

  • Panikstörungen
  • Phobische Störungen (z.B. Soziale Phobie, Agoraphobien)
  • Sonstige Angststörungen (Generalisierte Angststörung, gemischte Angststörung)

Bespiele unterschiedlicher Störungsbilder:

Panikstörung F41.0: Das Hauptkriterium ist, dass mehrere schwere vegetative Angstanfälle in Situationen, in denen keine Gefahren vorhanden waren, aufgetreten sind. Sie dauern von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde.

Phobische Störungen F40: Diese Angstform reicht von leichtem Unbehagen bis zur panischen Angst. Phobische Angst tritt häufig mit einer Depression auf.

Soziale Phobie F40.1: Diese Art der Phobie ist verbunden mit Beschwerden wie Erröten, Vermeidung von Gruppen und Händezittern. Das Vermeidungsverhalten kann zu weitgehender sozialer Isolierung führen.

Agoraphobie F40.0: Ist ein weitgefasster Begriff, der nicht nur die Angst vor öffentlichen Plätzen oder Straßen beinhaltet, sondern auch die allgemeine Angst, das Haus zu verlassen, Geschäfte zu besuchen oder allein in Verkehrsmitteln zu reisen. Menschen, die von dieser Phobie betroffen sind, erleben häufig eine Vermeidung, was zu einer starken Einschränkung ihrer Lebensqualität führen kann.

Generalisierte Angststörung F41.1: Dies ist die Angst vor der Angst. Betroffene äußern häufig Befürchtungen, Ängste und Sorgen, die im Zusammenhang mit Unglücken der Betroffenen oder ihren Angehörigen stehen. Die ängstliche Stimmung ist hier ein Dauerzustand und hat Symptome wie körperliche Unruhe, Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchbeschwerden und Zittern.

Gibt es Unterschiede bei Erwachsenen und Kindern?

Bei Kindern werden die Angststörungen in vier Arten unterteilt.

  • Emotionale Störung mit Trennungsängsten
  • Phobische Störungen des Kindesalters
  • Störungen mit sozialer Ängstlichkeit im Kindesalter
  • Generalisierte Angststörung im Kindesalter

Generell sind die Ängste bei Kindern erst behandlungsbedürftig, wenn diese Ängste nicht altersgemäß, unrealistisch und übertrieben sind sowie mindestens vier bzw. sechs Wochen anhalten und die normale Entwicklung des Kindes massiv gefährden.

Während der Diagnostik bei Erwachsenen wird keine Fremdanamnese einbezogen und die Störung muss nach ICD-10 gewisse Kriterien erfüllen, um gestellt zu werden.

Bei der Diagnostik im Kindesalter werden verschiedene Gespräche, Verhaltensbeobachtungen, aber auch Fremdbeurteilungsverfahren eingesetzt sowie Gespräche mit Eltern oder anderen Bezugspersonen geführt. Es muss immer beurteilt werden, inwieweit das Kind eine altersbezogene Angst hat oder ob sie übermäßig und nicht altersgemäß ist.

Allgemeine Symptome

Bei den Angststörungen können folgende Symptome auftreten:

  • Plötzliches Gefühl von Panik und Angst
  • Körperliche und innerliche Unruhe
  • Unbehaglichkeit
  • Übelkeit
  • Schlafprobleme
  • Kalte oder verschwitzte Hände
  • Taubheit in Extremitäten
  • Kurzatmung
  • Erhöhter Herzschlag und allgemeine Herz- Kreislaufbeschwerden
  • Schmerzen in der Brust
  • Hitzewallungen
  • Zittern
  • Todesangst
  • Schwindel
  • Mundtrockenheit

Angst und Depression

Die Diagnose „Angst und depressive Störung, gemischt“ ist diagnostisch oft schwer zu erfassen, da die Grenzen zwischen einer Angststörung und einer Depression, bei der auch Ängste auftreten können, fließend sind. Wenn Symptome wie Angst und Traurigkeit oder Antriebslosigkeit gleichzeitig auftreten, spricht man von dieser Störung.

Ursachen und Risikofaktoren

Man geht davon aus, dass mehrere Faktoren für die Entstehung von Angststörungen verantwortlich sind. Dazu zählen:

  • Genetische Veranlagung
  • Dauerstress oder dauerhafte Anspannung
  • Belastende Lebensereignisse
  • Traumata
  • Alkohol- und Drogenkonsum
  • Medikamente
  • Schwere Erkrankungen wie Herz- Kreislauferkrankungen, Hirnerkrankungen

Kreismodell der Angst

Das Kreismodell der Angst beschreibt einen Ablauf, der dafür sorgt, dass die Angst aufrechterhalten wird. Jedoch spielt es hier bei jedem Betroffenen eine wichtige Rolle, wie er selbst die Veränderungen wahrnimmt.

Zu Beginn des Kreismodells treten meistens soziale Defizite auf und es werden negative Erfahrungen gemacht. Dies kann zu einem Vermeidungsverhalten führen. Ziel in einer Therapie ist es, positive Erfahrungen zu machen, damit dieser Kreis der Angst durchbrochen werden kann.

Welche Therapien sind wirksam bei Angststörungen?

Es gibt bei Angststörungen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Die Hauptansätze sind die Hilfe zur Selbsthilfe und die Verhaltenstherapie. Folgende Therapien werden eingesetzt:

    • Selbsthilfe
    • Kognitive Verhaltenstherapie
    • Systematische Desensibilisierung
    • Psychoanalyse und tiefenpsychologische Verfahren
    • Psychopharmaka
  • Gruppentherapie
  • Hypnosetherapie
  • Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training

Was kann man bei Angststörungen tun und wie kann man diesen vorbeugen?

Hier gibt es verschiedene Ansätze und ganz klar kann man sagen: Der Weg, die Angst zu beenden ist der Weg durch die Angst. Ohne, dass man sich mit dieser Thematik auseinandersetzt und die Angst akzeptiert, wird die Angst nicht aufhören zu existieren. Unterdrückung kann zu verstärkten Gefühlen führen und Panikattacken begünstigen. Durch die regelmäßige Wiederholung der folgenden Übungen und Aktivitäten kann man lernen, die Angst zu kontrollieren:

  • Tagesstruktur
  • Entspannung durch belegte Entspannungsverfahren aber auch Spaziergänge und Yoga können helfen
  • Unterstützung bei Familie und Freunden holen
  • Atemübungen
  • Aufbau und Stärkung der Resilienz

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Heilpraktikerausbildungen:

Dieser Beitrag wurde von Saskia Ewers verfasst. Sie ist zertifizierte Psychologische Beraterin, Kinder-, Jugend- und Familienberaterin, Schemacoach und Entspannungspädagogin sowie ehemalige Schülern der Deutschen Heilpraktikerschule Mülheim / Ruhr.

 

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