Detox statt Botox – Trendthema Entgiftung

Detox statt Botox – Trendthema Entgiftung

Entgiftung ist heute in aller Munde, kaum ein Bereich bleibt davon verschont: das Label „Detox“ wird verwendet für alle möglichen Getränke, Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel, Sportarten bzw. -varianten wie Yoga und selbstverständlich für alle möglichen weiteren Kuren, therapeutischen Techniken oder Medikamente.

Unter Entgiftung versteht man die Verstoffwechselung von physiologisch anfallenden schädlichen Substanzen durch Leber, Niere, Darm und andere innere Organe. Sind diese Prozesse gestört, sammeln sich giftige oder gesundheitsschädliche Stoffe und Stoffwechselprodukte im menschlichen Körper an. Dadurch tragen sie zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit und verminderter Stressresistenz auf allen Ebenen bei, weil der Körper zusätzlich zu den alltäglichen Aufgaben ständig sein vermeidbares „Päckchen zu tragen“ hat. Diese Dauerbelastung kann sich durch Kopfschmerzen, Müdigkeit, Nerven- oder Verdauungsprobleme gravierend auf die Lebensqualität des Einzelnen auswirken. Und letztlich können diese unbereinigten Belastungen auch den Boden für mögliche chronische oder tiefgreifendere Erkrankungen des Menschen bilden.

Entgiftung mit naturheilkundlichen Methoden

Den Prozess der Entgiftung kann man gut mit naturheilkundlichen Methoden unterstützen, um den Körper insgesamt mehr ins Gleichgewicht zu bringen. Im Ayurveda sind entgiftende Maßnahmen unter dem Begriff Panchakarma bekannt: nach vorhergehender Mobilisierung sollen die Belastungen der Lebensenergien nach außen geleitet werden – am Schluss ist dann eine Stabilisierung (Auffüllen der Kräfte) vorgesehen. Außerdem existier(t)en in vielen Kulturen regelmäßige Reinigungsrituale durch Fasten, Schwitzkuren, Aderlässe, diverse Reiztherapien bis hin zu Purgieren (Erbrechen), Einläufen und dem Herbeiführen von Durchfällen als therapeutische Mittel.

Um den menschlichen Körper bei der Beseitigung von Toxinen und Schadstoffen zu unterstützen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hier einige Beispiele:

  • Durch eine Fastenkur reduziert man die Nährstoffzufuhr und entlastet die inneren Organe. Der Körper stellt auf ein anderes Stoffwechselprogramm um, sodass z.B. bestehende Reserven aufgebraucht und damit auch entsprechende „Schlacken“ im Gewebe ausgeleitet werden.
  • Die Steigerung der Blutzirkulation kann helfen, Toxine schneller auszuscheiden. Die kann im Alltag z.B. durch angemessene Bewegung des Körpers (idealerweise im Freien) erreicht werden.
  • Durch Stimulierung der Leber mit verschiedenen Mitteln wie etwa Bitterstoffen können Giftstoffe besser abgebaut werden.

Die Kraft der Pflanzen zur Entgiftung nutzen

Zur Stimulation der inneren Organe können verschiedene Pflanzen, Pflanzenbestandteile oder Algen zum Einsatz kommen. Neben Chlorella, Spirulina und Koriander ist hier vor allem der Bärlauch (Allium ursinum) bekannt, ein in fast ganz Europa vorkommendes, mit Knoblauch verwandtes Liliengewächs, das in seiner Fülle im Frühling etwa in Leipzig nicht zu übersehen ist. Bärlauch gehört zu den am stärksten schwefelhaltigen Pflanzen, der Schwefelgehalt der Pflanzen ist ungefähr drei Mal so hoch wie der von Knoblauch. Neben der Verwendung im Rahmen einer Entgiftung vor allem bei der Ausleitung von Schwermetallen kann Bärlauch auch bei Magen-Darm-Problemen, Arteriosklerose und Bluthochdruck eingesetzt werden.

Generell ist eine alljährliche Frühjahrskur ein wunderbarer Weg zur Entlastung, Reinigung und Kräftigung des Immunsystems. Die im Frühling wachsenden Pflanzen können als Tees, Frischpflanzensäfte, Salate, Suppen, Pesto und in vielen weiteren Varianten zu sich genommen werden. Sie bieten – insbesondere frisch genossen – einen Schatz an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen, Bitter- und Farbstoffen, Antioxidantien und Ballaststoffen. Die überwiegende Zahl der wildwachsenden Pflanzen ist heilkräftig und essbar, entsprechende Kenntnisse können Sie bei geführten Pflanzenwanderungen erwerben. Mehr Informationen dazu finden Sie hier:

Grundsätzlich ist es immer wichtig, bei einer Entgiftung auf die Öffnung der „Tore des Körpers“ zu achten, damit die Ausleitung der mobilisierten Giftstoffe sichergestellt ist. Daher ist ein entscheidender Aspekt bei einer Entgiftungskur der Einsatz von Pflanzen, die auf die maßgeblichen Ausscheidungsorgane wirken. Die Niere mit ihrem großen Reinigungspotential wird etwa angesprochen durch Pflanzen wie Goldrute, Orthosiphon (indischer Blasen-und-Nierentee), Brennnessel oder Löwenzahn. Letzterer unterstützt auch die Ausleitung über den Darm, hier kann man auch an Bockshornkleesamen, Rhabarberwurzel oder Schlehenblüten denken. Die Haut wird in ihrer Funktion gestärkt durch diaphoretische (schweißtreibende) Pflanzen wie Linden- oder Holunderblüten, Ingwergewächse oder Mädesüß.

Unterschätzen Sie den Aspekt der Hygiene nicht!  

Als letzter Aspekt dieser kurzen Perspektive auf Entgiftung sei noch einmal der Aspekt der Hygiene angesprochen: jede Belastung, deren Aufnahme vermieden werden kann, stärkt die natürlichen Reinigungsmechanismen des Menschen. So können wir uns der zwangsläufig auch bei gesunder Ernährung anfallenden Schadstoffe besser entledigen. Und das gilt auf allen Ebenen: von der Sauberkeit auf den Arbeitsflächen in der Küche und sachgerechtem Händewaschen über sinnvolle Ernährung mit biologisch angebauten, frischen Lebensmitteln bis hin zur Psychohygiene. Denn auch die geistige Belastung durch die überhandnehmende mediale Dominanz in unserem Alltag bringt uns aus dem Gleichgewicht und schwächt das psychische wie physische Immunsystem!

Foto: Martin Zwiesele

Dieser Beitrag wurde von Martin Zwiesele, Dozent für die Fachausbildung Phytotherapie an der Deutschen Heilpraktikerschule Leipzig, verfasst.

Kommentar verfassen

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.