Coolout statt Burn-out – Wenn die Seele auskühlt (ein Nachtrag)

Coolout statt Burn-out – Wenn die Seele auskühlt (ein Nachtrag)

In den vergangenen 40 Jahren ist ein drastischer Anstieg psychischer Erkrankungen zu verzeichnen. Diese kletterten von zwei Prozent auf 16,6 Prozent (BKK Gesundheitsreport 2018). Die durch psychische Krankheiten ausgelösten Krankheitstage haben sich in diesem Zeitraum verfünffacht. Damit sind sie heute die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen bzw. Arbeitsunfähigkeit (BKK Gesundheitsreport 2018). Die durchschnittliche Dauer psychisch bedingter Krankheitsfälle ist mit 38,9 Tagen mehr als dreimal so hoch wie bei anderen Erkrankungen mit 13,2 Tagen im Durchschnitt (BKK Gesundheitsreport 2018).

Wie kann man dem Coolout vorbeugen?

Wichtig ist die Auseinandersetzung mit den Reaktionsmustern der Coolout-Studien. Der unauflösbare Widerspruch, der Umgang damit und die Unhintergehbarkeit der Kälte werden sprachlich und damit der Reflexion zugänglich gemacht (vgl. Kersting, 2016). Damit wird die Thematik offen und transparent gemacht und bringt etwas Entlastendes mit sich. Zudem entsteht dadurch auch der Raum für Diskussionen.

„Die Offenlegung der Zusammenhänge ist notwendig, sonst führt es dazu, dass berufliches Handeln dem Scheitern unreflektiert ausgeliefert wird“, erklärt Kersting. „Der Mitarbeiter würde dann für etwas therapiert werden, was in Wahrheit strukturell bedingt ist. Man könne dem Widerspruch aber nicht auf individueller Ebene begegnen.“

Dass man in seinem Alltag immer wieder in moralische Konfliktsituationen gerät, ist völlig normal. So ist auch jedem klar, dass die Theorie selten „praxistauglich“ ist.

Leiten Sie daher frühzeitig Gegenmaßnahmen ein, wenn Sie ähnliche Tendenzen bemerken:

  • Konkrete Aufgaben festlegen
  • Einhaltung der Aufgaben
  • Regelmäßige gemeinsame Treffen, in denen die Arbeitssituation auf Station besprochen wird
  • Vereinbaren Sie Verbesserungsmaßnahmen
  • Erarbeiten Sie zeitliche Strukturen
  • Protokollieren Sie stichpunktartig die Arbeit der vergangenen Woche und reflektieren Sie, welche Tätigkeiten ausgeführt wurden sind, welche nicht und weshalb

Aber nicht alle äußerlichen Faktoren können wir beeinflussen. Erkennen Sie, welche Probleme Sie wirklich lösen und welche Veränderungen herbeigeführt werden können. Achten Sie auf die eigene Selbstfürsorge.

  • Schaffen Sie einen Zusammenhalt unter den Kollegen
  • Halten Sie eine gesunde Lebensführung
  • Schaffen Sie ausreichend körperliche Aktivitäten
  • Schonen Sie Ihre Kräfte
  • Achten Sie auf eine gesunde Work-Life-Balance
  • Lernen Sie Nein zu sagen
  • Setzen Sie Grenzen
  • Klären Sie über psychische Belastungen am Arbeitsplatz auf
  • Sorgen Sie für ausreichend Schlaf
  • Erhalten Sie sich Ihre Resilienz
  • Packen Sie sich einen Gesundheitskoffer

Quellen:

 

Hier geht’s zum ersten Teil der Blogbeitragsreihe.

Den zweiten Teil der Reihe finden Sie hier.

Teil drei ist hier zu finden.

Haben Sie sich in den beschriebenen Situationen wiedererkannt? Ohne Zweifel kommt das Phänomen des Auskühlens nicht nur in der Pflege vor, sondern auch bei Polizisten, Lokführern und Sachbearbeitern. Was sind Ihre Erfahrungen mit dem „Dienst nach Vorschrift“? Schreiben Sie es uns gern als Kommentar auf diesen Beitrag.

 

Weitere Informationen zur Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie finden Sie hier:

Dieser Beitrag wurde von Enikö Orbán, Geschäftsbereichsleiterin Fachbereich Psychotherapie der Deutschen Heilpraktikerschule Leipzig, verfasst.

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