Begleiterkrankung Sehnerventzündung ‒ trauen Sie Ihren Augen nicht: In meiner ersten Blogreihe Morbus Crohn oder wie ich es liebevoll nenne „Cröhnchen“ beschrieb ich meine Diagnose, Symptome und meinen Alltag mit der Erkrankung. Nun knüpfe ich an meine zweite Blogreihe Begleiterkrankungen bei Morbus Crohn an – denn oft bleibt es nicht bei einer Diagnose.
Es gibt diese Momente: Eigentlich scheint alles stabil. Die bekannten Autoimmunerkrankungen sind halbwegs im Griff – und plötzlich wird alles wieder in Frage gestellt. Eine neue Diagnose, neue Unsicherheit und viele offene Fragen. In diesem Beitrag erzähle ich von meiner Erfahrung mit einer Sehnerventzündung – einer Begleiterkrankung, die mein Leben plötzlich wortwörtlich aus dem Blick geraten ließ.
Warnsignale des Körpers ‒ so begann meine Sehnerventzündung
Jedes Mal drehte ich mich um, doch da war niemand. Irgendwann kam mir der Gedanke: „Jetzt ist es so weit – ich werde verrückt.“
Als ich am nächsten Tag in die Bahn einsteigen wollte, merkte ich nicht einmal, dass die Tür zuging ‒ autsch. Ich lief gegen Tischkanten, sah beim Überqueren der Straße nicht, dass ein Auto von rechts näherkam. Ja, an dem Punkt wurde es langsam gefährlich. Mich plagten vor allem zunehmend Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit und ich sah in Räumen wie durch Nebel.
Dann sah ich einen schwarzen Fleck (Skotom) rechts oben und mein Auge auf der Seite schmerzte bei jeder Bewegung, jedoch nur ein Auge und nicht beide. Dieser Fleck ging leider nicht mehr weg und wurde zunehmend größer. Seltsam war, dass der Fleck bei geschlossenem Auge weiß erschien. Als ich dies meinem Partner erzählte, schickte er mich umgehend zum Augenarzt.
Diagnostik der Begleiterkrankung Sehnerventzündung
Beim Augenarzt angekommen, wurden erst einmal die Standardtests gemacht. Danach hieß es, dass es sich eventuell um eine Netzhautablösung handelt. Um sicher zu gehen, sollte dazu auch ein Test durchgeführt werden. Jedoch teilte die Ärztin mir mit, dass der Untersuchungstermin erst in ein paar Wochen wäre.
Nachdem ich am Folgetag meiner Hausärztin die Ereignisse schilderte, überwies sie mich gleich zu einer Augenspezialklinik. Dort wurden umgehend alle nötigen Tests durchgeführt, unter anderem auch für den Verdacht auf Netzhautablösung und einen OCT (Optische Kohärenztomographie) für den Sehnerv. Beim letzten Test gab es endlich die Diagnose. Der Sehnervkopf war entzündet und angeschwollen (Papillitis). Endlich wusste ich, was der Grund für meine Beschwerden war. Meine nächste Sorge war jedoch: „Hoffentlich verliere ich nicht mein Augenlicht oder muss am Auge operiert werden.“
Aufgrund meiner vielen Autoimmunerkrankungen wurde mir angeraten, mich gleich anschließend in der Uniklinik vorzustellen. Dort angekommen, wurden viele weitere Tests gemacht und die ersteren noch einmal wiederholt. Mein rechtes Auge tat durch das Licht und die Untersuchungen schon so extrem weh, dass sich der Schmerz auf die rechte Gesichtshälfte ausbreitete. Außerdem war mein Nervenkostüm nicht mehr das beste.
Leider musste ich noch am selben Tag stationär aufgenommen werden, weil der Verdacht für eine MS-Erkrankung (Multiple Sklerose) vorlag. Abends brachte mir mein Partner meine Sachen und ich war 21 Uhr auf meinem Zimmer in der Neurologie-Station.
Am Folgetag ging es weiter mit der Diagnostik, unter anderem mit einer Lumbalpunktion, bei der Nervenwasser (Liquor) aus dem unteren Rücken entnommen wird. Nur daran zu denken, erschauert mich immer noch. Als das überstanden war und nur noch „leichte Diagnostik“ wie die Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes und neurologische Tests kamen, war ich erleichtert.
Diagnose Optikusneuritis und neue Fragen
Später teilte mir mein Arzt mit, dass im Nervenwasser (Liquor) hohe Entzündungswerte gefunden wurden. Nun hieß es erstmal, die Entzündung im Körper mit einer Kortison-Stoßtherapie in den Griff zu kriegen. Die Behandlung und Nebenwirkungen waren nicht einfach, aber nach insgesamt sieben Tagen Krankenhaus stand die Diagnose: Optikusneuritis (Sehnerventzündung) mit Verdacht auf MS.
Mir wurde vom Arzt ausführlich erklärt, dass eine Sehnerventzündung oft auf eine MS-Erkrankung hindeuten kann oder eine neue Autoimmunerkrankung im Zusammenhang mit einer schon bekannten Diagnose wie Rheuma steht.
Also durfte ich nach Hause ‒ mit dieser Ungewissheit und den Sätzen: „Achten Sie auf Ihren Körper. Falls Beschwerden dazukommen, melden Sie sich umgehend.“ Wie es weiterging, erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.






Dieser Beitrag wurde von einer an Morbus Crohn erkrankten Person verfasst.
