Scham, Schuld und Schuldgefühle ‒ die feinen Unterschiede verstehen

Scham, Schuld und Schuldgefühle ‒ die feinen Unterschiede verstehen

Scham, Schuld und Schuldgefühle ‒ die feinen Unterschiede verstehen: Eine Kleinigkeit passiert, ist nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, und man fühlt sich schlecht. Ein quälendes Gefühl macht sich breit im ganzen Körper.

So geht es vielen Menschen, sie haben Schuldgefühle oder schämen sich, weil etwas nicht perfekt, nicht mal einigermaßen gut gelungen ist. Weil sie jemandem nicht ordentlich geholfen haben oder mit etwas zu weit gegangen sind. Aber was sind das eigentlich für Gefühle? Was genau ist Scham, was ist Schuld und was sind Schuldgefühle?

Scham

Scham bezieht sich auf die ganze Person, das gesamte Ich. Begleitend entsteht ein intensives Gefühl von: „Ich als Mensch bin nicht richtig.“ Manche Menschen denken sogar: „Ich bin ein Fehler.“ Hier gibt es durchaus ein Ideal, wie ein Mensch sein sollte, wie man selbst sein sollte.

Sich schämen, das können Babys noch nicht. Erst im zweiten Lebensjahr beginnen Kleinkinder, ihre Individualität zu bilden. Sie verstehen, andere Kinder und Erwachsene sind anders oder machen Dinge anders. Da gibt es Regeln, wie man sein sollte, wann man gut und richtig ist. Damit ist Scham ein soziales Regulativ. Sich schämen fördert prosoziales Denken und Handeln. Man möchte nicht dumm sein, nicht lächerlich dastehen. Wenn man sich geschämt hat, macht man es beim nächsten Mal nicht mehr so, dann macht man es besser, damit man ein besserer Mensch ist und in der Gemeinschaft Anerkennung findet.

Schuld

Schuld dagegen betrifft das Handeln. Wurde ein tatsächliches Recht oder ein Gesetz gebrochen, dann sprechen wir von Schuld. Im schlimmsten Fall reicht hier eine Entschuldigung nicht aus, sondern ein Gericht muss klären, ob es eine Schuld, also auch eine Tat und einen Täter oder eine Täterin gab. Dann muss auch geprüft werden, ob jemand tatsächlich schuldfähig war, also mindestens 14 Jahre alt und voll zurechnungsfähig. Schuld und Schuldgefühle müssen also unterschieden werden.

Schuldgefühle

Hier geht es auch um das Tun und Handeln von Menschen. Aber im Gegensatz zur echten Schuld bewirkt hier die eigene innere Gesetzgebung das Entstehen von quälenden Gefühlen. Die eigenen Definitionen und Ideale, wie etwas gemacht werden müsste oder sollte, sind hier der Ursprung.

In vielen Familien gibt es ungeschriebene Gesetze, jedes Familienmitglied weiß, was „man“ tun sollte oder nicht tun darf, das hat schon vor Jahren die Oma oder der Opi immer wieder ausgesprochen. Diese Glaubenssätze gilt es genauer anzusehen, will man mit den Schuldgefühlen umgehen lernen.

Selbst entscheiden, welche Regeln im eigenen Leben gelten sollen. Und ganz wichtig ist Selbstmitgefühl! Sich selbst so akzeptieren, wie man ist ‒ mit allen Ecken und Kanten. Jeder macht mal einen Fehler, das macht uns zu Menschen. Wenn wir das nicht mehr dürfen, müssen wir funktionieren wie Roboter oder Maschinen.

Praxis-Workshop „Mit Schuldgefühlen umgehen lernen“ in Aschaffenburg

Wenn Sie mehr zum Thema Schuldgefühle erfahren wollen, besuchen Sie gerne unseren Workshop „Mit Schuldgefühlen umgehen lernen“ in Aschaffenburg. Mit viel praktischen Übungen und persönlichem Austausch kann man sich die eigenen Muster bei der Entstehung von Schuldgefühlen ansehen und lernen, anders mit sich umzugehen. Auch Heilpraktiker, die immer wieder ohne wirksame Tools mit den Schuldgefühlen von Patienten oder Klienten zu tun haben, sind hier richtig. Vorgestellt werden unter anderem das Zürcher Ressourcen-Modell und Methoden aus der Schematherapie, um Schuldgefühle in der Therapie zu bearbeiten.

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Heilpraktikerausbildungen:

Dieser Beitrag wurde von Dr. rer. nat. Bettina Klingner verfasst. Sie ist Dozentin für die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie an der Deutschen Heilpraktikerschule Aschaffenburg.