Histamin: Histaminose – die richtige Diagnose

Histamin – es lässt uns schwitzen, zeigt sich als Allergie und lässt uns nachts nicht schlafen. Doch ist das wirklich so? Was ist die richtige Diagnose bei Histaminose?

Was ist Histamin?

Histamin ist ein weitgehend missverstandenes Hormon unseres Körpers. 1907 entdeckte zufällig der spätere Nobelpreisträger Alfred Windhaus dieses Gewebshormon, das er damals noch „Imidazoläthylamin“ nannte. Erst später erkannte man, dass dies ein Naturstoff ist, der in jedem Lebewesen (inklusive der Pflanzen) des Planeten vorkommt.

Entgegen seinem Ruf ist Histamin sehr wichtig für unseren Körper. Es ist:

  • ein wichtiges Gewebshormon
  • arbeitet als Neurotransmitter
  • und unterstützt u.a. die Einnistung des Eis in der Gebärmutter.

Woher kommt das Histamin?

Im Körper sorgen Mastzellen für die Speicherung und Ausschüttung dieses wichtigen Hormons zusammen mit einigen andere wichtigen Stoffen wie:

  • Histamin
  • Heparin
  • Tryptase
  • Serotonin
  • ECP
  • Leukotriene
  • Chromogranin A

Auch das Gehirn hat spezielle Nervenzellen dafür. Diese sorgen unter anderem für:

  • Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Lernfähigkeit und Gedächtnis
  • Nahrungsaufnahme (Hunger/Durst)
  • Angst und Erregung
  • Thermoregulation
  • Konzentration
  • den großen Einfluss auf Emotionen
  • und kann Depressionen, Angststörungen und Psychosen (Schizophrenie) auslösen.

Histaminhaltige Lebensmittel

Zusätzlich nehmen wir Histamin auch über die Ernährung auf.

Die Faustregel sagt: Je länger ein Nahrungsmittel lagert (oder reift), desto höher der Histamingehalt, der dabei von Bakterien produziert wird.

Schon manch einer, der einen „französischen Abend“ mit Rotwein und lang gereiftem Käse genoss, wachte in der Nacht schweißgebadet auf, als die Histaminausschüttung den Höhepunkt erreichte.

Ein paar Beispiele für stark histaminhaltige Lebensmittel sind:

  • Essig
  • lange gelagerte Nüsse
  • Dosenfisch und -fleisch
  • Salami und andere Wurst
  • lange gereifter Käse
  • Alkohol (besonders Rotwein, Sekt und Champagner)
  • Fertigsaucen
  • Convenience Food
  • Fast Food usw.

Symptome von Histaminose

Doch wenn das Histamin zu viel wird, dann fängt es an, unangenehm zu werden. Unruhe, nächtliches, verschwitztes Erwachen, Darmprobleme etc. können die Folge sein.

Wie erkennt man eine Histaminose? Leider zeigt der Überschuss nicht immer die gleichen Symptome.

Häufig wachen die Patienten ungefähr um 3 Uhr auf – der Zeitpunkt, an dem das Histamin am höchsten ist. Dabei ist ihnen heiß, viele schwitzen und manche haben auch Herzrasen.

Weitere Symptome können sein:

  • Blähbauch
  • Obstipation
  • breiiger Stuhl und Durchfälle
  • ständige Flatulenz
  • Krämpfe
  • Völlegefühl
  • Sodbrennen

Aber auch noch vieles mehr.

Histaminose-Formen

Ich vermeide hier bewusst den Begriff der „Histaminintoleranz“, da Intoleranz bedeutet, dass ein Spaltenzym, die Diaminoxidase (DAO), fehlt. Denn diese genetische, meist vorgeschobene Form ist auch gleichzeitig eine der seltenen Formen. Ich spreche lieber von der „Histaminose“ – das Anfluten von Histamin im Blut.

Zusätzlich zum DAO-Mangel, der nur das im Darm vorhandene Histamin spaltet, gibt es noch das körpereigene Histamin, das durch ein anderes Enzym gespalten wird: das HNMT. Und auch hier können Störungen auftreten.

Meist wird in der Schulmedizin (und bei vielen Kollegen) nur die Diaminoxidase gemessen. Ist diese zu niedrig, heißt es meist: „Sie haben Histaminintoleranz und müssen alle histaminhaltigen Lebensmittel meiden – für immer.“ In Anbetracht dessen, dass fast jedes Lebensmittel mehr oder weniger Histamin enthält, eine unlösbare Aufgabe.

Doch ist das wirklich so? Muss der Patient für immer Histamin meiden?

Es gibt also nicht nur eine Form der Histaminose, sondern viele. Hier sind einige Beispiele:

  • echte Allergie
  • Pseudoallergie
  • Nährstoffmangel
  • Darmflora
  • Leaky gut
  • Mastzellenaktivierungssyndrom
  • HPU/KPU
  • MTHFR-Defekt
  • Chronische Krankheiten
  • Schwangerschaft oder Stillzeit
  • Dauerhafte Medikamente
  • Schlafmangel
  • Östrogendominanz
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Fehlstellungen des ersten Halswirbels
  • Fake Food
  • Zinkmangel
  • Chronische Zahn-Kiefer-Entzündungen
  • Schlechte Lebensweise wie:
    • Übergewicht
    • chronischer Stress
    • Nikotinmissbrauch (blockiert DAO)
    • viel Koffein (hemmt die DAO)
    • regelmäßiger Alkoholkonsum (hat viel Histamin, blockiert DAO und regt die Mastzellen zur Histaminfreisetzung an)
    • häufig Sport oder Sauna
    • einseitige Ernährung

In diesem Artikel gehe ich auf ein paar der wichtigsten Histaminose-Formen ein.

Allergie/Pseudoallergie

So wie Histamin-Formen gibt es auch viele Allergie-Formen.

In meiner Praxis gehe von dem Grundsatz aus: „Man kann durchaus eine Reaktion auf EIN Antigen haben – aber bei vielen Allergien steckt etwas anderes dahinter.“ Meist handelt es sich um eine defekte Darmflora in Verbindung mit einem Leaky gut-Syndrom. Dabei gelangen Eiweiße, die so normalerweise im Darm vorverarbeitet werden müssen, durch die defekte Darmbarriere ins Blut, woraufhin das Immunsystem mit dem T2-System reagieren MUSS. Hier heißt die Devise: Darmsanierung.

Eine Pseudoallergie haben wir vorliegen, wenn zwar Symptome einer Allergie auftreten, aber im Dunkelfeld keine eosinophilen Granulozyten gefunden werden. Die Ursachen hier können ganz verschieden sein (z.B. Übersäuerung).

Medikamente

Die chronische Einnahme von Medikamenten kann auch zu einer Histaminose führen.

Medikamente, die die Produktion von DAO blockieren sind:

  • Acetylcystein (ACC)
  • Amitryptilin (Antidepressiva)
  • ASS
  • Metamizol (Novalgin)
  • Diazepam (Valium)
  • Prilocain
  • PPI (Pantoprazol)

Medikamente, die die Produktion von HNMT blockieren sind:

  • Chloroquin (Anti-Malaria-Mittel und gegen Covid 19)
  • Tacrine (Alzheimer-Medikament)
  • Diphenhydramin (H1-Blocker)

Histaminbildende Bakterien

Auch manche Bakterien der Darmflora können Histamin bilden. Bei einem vermehrten Auftreten kann dies zu Symptomen einer Histaminose führen. Mit einer speziellen Darmfloraanalyse kann man dieser Ursache auf die Spur kommen (z.B. Labor Dr. Rosler).

Leaky gut

Beim Leaky gut-Syndrom ist die Darmbarriere defekt, Eiweiße treten durch die Darmwand und aktivieren dabei das T2-System des Immunsystems. Dabei wird auch vermehrt Histamin ausgeschüttet. Hier empfiehlt sich auch eine Darmanalyse mit zusätzlichen Markern für das Leaky gut-Syndrom (z.B. Zonulin).

MCAD

Eine seltenere Form ist die systemische Mastzellenaktivierung. Diese unterteilt sich wiederum in zwei Unterformen: die Mastozytosen und das Mastzellenaktivierungssyndrom.

Bei ersterem vermehren sich die Mastzellen unkontrolliert und sind atypisch (1:300.000 in der Bevölkerung).

Symptome können sein:

  • Quaddelbildung der Haut
  • starke Allergien mit Anaphylaxie
  • Magen-Darmbeschwerden
  • Knochen- und Muskelschmerzen
  • Erschöpfung und Abgeschlagenheit

Untersuchungen dazu gibt es z.B. an der Universität Leipzig oder in der Charité Berlin.

Beim Mastzellenaktivierungssyndrom (MCAS) gibt es keine Veränderung der Mastzellen, aber diese sind hochsensible und überreaktiv. Dabei gibt es stark schwankende Symptome:

  • Blutruckabfall
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Synkopen
  • Hauterscheinungen
  • Atemnot
  • starke Erschöpfung
  • unspezifische Schmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe
  • Angst- und Panikattacken

Untersuchungen dazu gibt es an der Universität Bonn.

DAO-Mangel

Wie bereits gesagt, ist der echte, genetische DAO-Mangel selten.

Zu bedenken ist auch, dass DAO zur Bildung Vitamin B6 und Zink braucht. Dabei kann das Thema HPU eine wichtige Rolle spielen.

Zusammenfassung

Eine Histaminose kann also sehr viele Gründe haben und es braucht eine fachkundige Anamnese und Untersuchungen, um die richtige Ursache zu finden. Eine einfache Untersuchung der DAO ist dazu nicht geeignet.

Mehr Infos finden Sie auch unter:

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Ausbildungen zum Heilpraktiker für Naturheilkunde:

Dieser Beitrag wurde von Michael Manig verfasst. Er ist Inhaber der Deutschen Heilpraktikerschule Bamberg.

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