Wie läuft eine Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie ab?

Wie läuft eine Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie ab?

Gedächtnis-Protokoll meiner mündlichen Prüfung am 08.01.2019 in Krefeld

Anwesend waren fünf Personen (eine Dame von der Verwaltung, zwei Beisitzende, die leitende Ärztin und ein Facharzt für Psychiatrie).

Nach der freundlichen Begrüßung durch die Ärztin, die mich aus dem Wartebereich abholte, wurden mir mit den Worten: „Ich stelle ihnen kurz alle Anwesenden vor, das ist ihre Gesprächsrunde heute Morgen“ alle namentlich genannt. Dann wurde zuerst Bürokratisches geregelt (Ich wurde gefragt, ob dies meine erste Prüfung für die Heilerlaubnis sei, dann musste ich gegenzeichnen, dass ich die Beisitzer weder kenne, noch mich mit ihnen besprochen habe). Es folgte ein Dokument zum Datenschutz.

Danach ging es mit dem Facharzt für Psychiatrie los.

Prüfer: „Ich möchte mit ihnen über eine wichtige psychiatrische Störung sprechen, die Schizophrenie. Was können sie mir dazu sagen?“

Antwort: „Die Schizophrenie ist eine schwere psychiatrische Erkrankung, klassifiziert unter F2, den organischen bedingten psychiatrischen Erkrankungen. Sie ist schwierig zu diagnostizieren, da eine Fülle an Symptomen möglich sind, die zum Teil auch bei anderen psychiatrischen Störungen vorkommen können. Es gibt verschiedene Arten der Schizophrenie wie beispielsweise die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie oder die Hebephrenie. Die Symptome sind gegliedert in Plus- und Minus-Symptome. Oder auch Positiv- und Negativsymptome. Positiv bedeutet hier: Ein Mehr an Verhalten im Vergleich zum gesunden Menschen.“

Prüfer (einhakend): „Bitte nennen sie mir einige Beispiele für die Positivsymptomatik.“

Antwort: „Beispiele sind Halluzinationen, Wahn, Agitiertheit …“

Prüfer: „Danke. Und welche Negativsymptome fallen ihnen ein?“

Antwort: Die Anhedonie, also der Freudeverlust. Dann der soziale Rückzug, die Sprachverarmung, die Vernachlässigung der persönlichen Hygiene …“

Prüfer: „Danke, das reicht mir. Bitte erklären sie, was ‚Wahn‘ bedeutet.“

Antwort: „Der Wahn ist eine inhaltliche Denkstörung, der beispielsweise als Wahngedanke, Wahneinfall oder auch ganzes Wahnsystem auftritt. Er ist durch Jaspers definiert als persönlich gewiss, von bizarrem Inhalt und von der Unkorrigierbarkeit. Dies bedeutet, Außenstehende können den Patienten nicht durch rationale Wahrnehmungen oder Erklärungen von der Unsinnigkeit des Wahninhalts überzeugen.“

Prüfer: „Danke. Nun zu einem Fallbeispiel: Es könnte sein, dass ein schizophrener Patient zu ihnen in die Praxis kommt. Wie gehen sie vor?“

Antwort: „Das hängt davon ab, in welchem Zustand, beziehungsweise Status der Patient ist.“

Prüfer: „In meinem Beispiel ist er ansprechbar und kommt zu ihnen, weil er Symptome hat und Hilfe sucht.“

Antwort: „In diesem, wohl frühen Stadium, würde ich zunächst behutsam psychoedukativ vorgehen. Augenblick, ich versetze mich kurz in die beispielhafte Lage. Ja, ich würde ihm erklären, dass er an einer Erkrankung leidet, die durch einen beeinträchtigten Hirnstoffwechsel ausgelöst wird und dass er typische Symptome hat, mit denen er nicht alleine ist. Ich würde ihm erklären, dass diese Krankheit gut behandelbar ist. Wichtig wäre mir, ihm ein Stück seine Angst zu nehmen, vor allem eben die Angst durch Stigmatisierung, wie man allgemeinsprachlich sagt ‚irre‘ zu sein.“

Prüfer: „Ja, gut. Und wo sähen sie diesen Patienten am liebsten?“

Antwort: „In einer fachärztlichen, also psychiatrischen Behandlung.“

Prüfer: „Ja. Und wie gehen sie nun konkret vor? Wie können sie den Patienten dieser Behandlung zuführen?“

Antwort: „Ich habe die Möglichkeit, den Sozialpsychiatrischen Dienst anzurufen. (Hier fügte ich lächelnd an, dass die Öffnungszeiten des SPD meines Kreises in meine Praxiszeiten fallen und er daher erreichbar wäre, was der Prüfer mit einem kleinen Lächeln und einem zustimmenden Nicken bedachte.) Wenn der Patient, der ja im Beispiel noch gut ansprechbar und kooperativ ist, nicht eine andere Vorgehensweise oder vielleicht einen bestimmten Arzt oder eine bestimmte Klinik wünscht. Ich stelle den Kontakt her und helfe, die nächsten Schritte für den Patienten niederschwellig zu halten.“

Prüfer: „Gut. Und wenn ihr Patient nun in der psychiatrischen Behandlung vorstellig wird. Wie geht es dann weiter? Welche Therapie wird als erstes angestrebt?“

Antwort: „Zuerst würde der Patient eine pharmakologische Therapie erhalten. Hier wären Neuroleptika, also Antipsychotika angezeigt. Da der Patient noch so klar und ansprechbar war, werden wohl nicht zusätzlich Sedativa verabreicht. Das wird dann je nach Zustand, möglichen Vorerkrankungen und den aktuellen Symptomen durch den Psychiater entschieden.“

Prüfer: „Sehr gut. Jetzt noch eine schwierige Frage (hier lächelte er): Können sie mir noch sagen, wie die Wirkweise hochpotenter Neuroleptika angesiedelt ist?“

Antwort: „Hochpotente Neuroleptika sind stark antipsychotisch und weniger sedierend. Mittlere sind in beiden Bereichen eher milder angesetzt und niederpotente sind dann eben weniger antipsychotisch und stärker sedierend.“

Prüfer: „Vielen Dank. Das reicht mir aus. Das war es von meiner Seite und ich gebe ab.“

Nun kam der Beisitzer an die Reihe:

„Ich möchte mit ihnen über eine Frage aus der schriftlichen Prüfung des Oktober 2018 sprechen. Es ging um einen Fall, in dem ein Kind sich zunächst gesund entwickelt und dann Fähigkeiten aus verschiedenen Bereichen wieder verliert. Ich spreche vom …

Antwort (kam von uns beiden gleichzeitig): „…Rett-Syndrom.“

Beisitzer: „Richtig. Was können sie mir dazu sagen? Über die Ursache und die Symptome, sowie den Verlauf?“

Antwort (bei diesem seltenen Syndrom, dass etwas über 2.000 Kinder in Deutschland betrifft, war ich etwas weniger eloquent…): „Das Rett-Syndrom betrifft bisher nur Mädchen. Es tritt früh auf, noch vor dem Ende des Kleinkindalters. Es hat ursächlich eine genetische Komponente. Es kommt zu einer gesunden Entwicklung, die dann rasch progredient rückläufig wird. Bewegung, Koordination, Sprache, Intelligenz und soziale Fähigkeiten verfallen, bis das Kind ein Pflegefall ist. Es kommt unter anderem zu Bewegungsstereotypien, Rumpfschwäche.“ (Vergessen hatte ich hier, dass 80% der Patientinnen eine komorbide Epilepsie entwickeln und vor allem sehr starke Verdauungsstörungen auftreten.)

Beisitzer: „Können sie mir dazu noch mehr sagen?“

Antwort: „Zur Ursache?“ (dazu wusste ich nicht viel mehr)

Beisitzer: „Ja.“

Antwort: „Ich habe den Kenntnisstand, dass es eine genetische, also chromosomale Ursache hat.“

Beisitzer gab sich – etwas ungern – zufrieden: „In Ordnung. Was können sie mir über die Therapie sagen? Gibt es eine Heilung?“

Antwort: „Nein. Das Rett-Syndrom ist unheilbar. Aber durch gezielte Therapien kann jeweils versucht werden, den aktuellen Stand beizubehalten, so lange es eben möglich ist, um die Funktionen und Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten.“

Beisitzer: „Gut. Welche Therapieformen eignen sich da besonders?“

Antwort: „Die Physiotherapie vor allem, die Ergotherapie, die Logopädie -auch bei den oft auftretenden Schluckbeschwerden. Und zu den Therapien natürlich eine allgemeinmedizinische Betreuung sowie Pflege.“

Beisitzer: „Gut, danke. Das reicht mir soweit auch aus. Ich gebe weiter an die Frau Doktor.“

Die leitende Ärztin lächelte und sagte:

„Sehr schön bis hierher.“

Ich dachte: „Ui, ich bin gut im Flow irgendwie – nun stellt sie mir sicherlich die abschließenden Fragen“ aber die Ärztin sagte mit Blick in die Runde:

„Wir sind beeindruckt von ihrem Kenntnisstand, ihrer empathischen Haltung dem Beispielpatienten gegenüber und auch besonders vom strukturierten Aufbau ihrer Antwort.“

Ich: „ Danke für das Feedback, das freut mich.“
Ärztin: „Ja, da müssen wir uns hier intern nicht weiter besprechen. Wir gratulieren Ihnen herzlich und wünschen ganz viel Erfolg bei ihrer Tätigkeit.“

Ich war etwas irritiert, weil es so schnell vorbei war. Bedankte mich und verließ den Raum mit der Ärztin, die dann die nächste Wartende mit hineinnahm.

Die Atmosphäre war wirklich nett, der prüfende Arzt sehr konzentriert bei den Antworten, aber er nickte freundlich, wenn er zufrieden war. Er unterbrach mich höflich, wenn er zu einem Thema genug gehört hatte. Er wollte genau abschätzen können, wie profund die Kenntnisse sind. Es wurde jeweils von den Fragenden in den Unterlagen abgehakt, sobald ich die erwarteten Antworten gegeben hatte.

Der Beisitzer blieb während der Fragen und Antworten absolut ausdruckslos. Das war etwas irritierend, weil ich bei dem Fragethema nicht so fit war, wie ich bei gefühlt anderen 100 gewesen wäre 😊

Letztlich war es für mich aber in Ordnung, denn ich hatte bei der Befragung durch den Psychiater wohl bereits den richtigen Eindruck hinterlassen.

Hier finden Sie alle Informationen zur Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie:

Dieser Beitrag wurde von Saskia E., Absolventin der Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie an der Deutschen Heilpraktikerschule Mülheim / Duisburg, verfasst.

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