Wie im Film: Mr. Brooks – Hunger im Hirn

Wie im Film: Mr. Brooks – Hunger im Hirn

In unserer neuen Reihe Wie im Film beleuchten wir Phänomene aus der Welt der Psychotherapie. Dabei steht die Verknüpfung eines Störungsbildes, in diesem Fall der Schizophrenie, mit der filmischen Umsetzung im Fokus. Am Ende wird der Bogen zur psychotherapeutischen Behandlung geschlagen.

Heute: Mr. Brooks – Der Mörder in Dir

Störungsbilder Schizophrenie und Voyeurismus

Schizophrenie

Zur Symptomatik gehören Inhaltliche Denkstörungen wie Wahn oder Zwang, Wahrnehmungsstörungen, meistens akustische in Form von Stimmen, manchmal auch optische. Manche Patienten haben Ich-Störungen, d.h. die Grenzen zwischen dem eigenen und der Umwelt sind nicht klar definiert. Dies äußert sich häufig in Beeinflussungserlebnissen. Der Körper, der Wille oder die Gedanken werden beeinflusst. Des Weiteren haben Schizophrenie-Patienten eine gestörte Realität, für die es Erklärungen oder gar ganze Erklärungssysteme geben muss. Der Patient lebt damit in 2 Welten: seiner eigenen, in welcher es Stimmen, Halluzinationen usw. gibt, und der normalen Realität, die unserer Welt entspricht. Dies wird manchmal als doppelte Buchführung bezeichnet. Es gibt verschiedene Formen dieser Störung, die häufigste ist die paranoid-halluzinatorische Schizophrenie (F20.0).

Voyeurismus

Hierbei handelt es sich um eine Störung der Sexualpräferenz (F65.3), bei welcher Patienten einen wiederkehrenden oder anhaltenden Drang verspüren, anderen Menschen beim Sex oder anderen Intimitäten wie dem Entkleiden zu beobachten. Bei den Patienten führt Voyeurismus zu sexueller Erregung und eventuell zu Selbstbefriedigung. Sich immer weiter steigernder Druck und Zwang erleichtern sich in einem Höhepunkt.

Hunger im Hirn

Mr. Earl Brooks ist ein gut situierter Geschäftsmann. Er ist erfolgreich und lebt glücklich mit seiner Frau, die Tochter hat gerade ihr Studium begonnen. Aber er leidet schon seit Jahren an einer Schizophrenie. 2 Jahre lang hat er allein, ohne Arzt und die notwendigen Medikamente, versucht mit dieser Erkrankung zurechtzukommen. Die Treffen der Anonymen Alkoholiker haben ihm vorübergehend geholfen. Aber dann ist nach 2 Jahren Marshall wieder da, der ihn als imperative Stimme und optische Halluzination in Form seines Alter Ego wieder zum Mörder werden lässt: den Daumenabdruckmörder. Marshall sitzt im Auto auf dem Rücksitz und macht so viel Druck im Kopf, dass Earl sich gegen das zwanghafte Morden nicht länger wehren kann und nachgibt. Nur noch dieses eine Mal… Und er weiß auch gleich, welches Paar es sein soll, beobachtet die beiden in der Tanzschule, kennt ihre Adresse. Was er nicht weiß, ist, dass dieses Paar beim Sex gerne die Gardinen offenlässt. Und was er auch nicht weiß, ist, dass gegenüber ein Voyeur Fotos vom Sex bei offenen Gardinen und damit auch von ihm als Mörder macht.

Noch mehr Kick

Da Mr. Brooks angesehen und bekannt ist, fällt es dem Voyeur nicht schwer, herauszufinden, wer den Mord begangen hat. Als „Mr. Smith“ erpresst er Mr. Brooks und verlangt von ihm, bei einem Mord dabei zu sein. Offensichtlich erregt es ihn, sich vorzustellen, dass er nicht mehr nur fotografiert, sondern vielleicht sogar selber einen Mord begeht. Das wäre ein neuer, besserer Kick, als nur Zuschauen und Fotografieren. Brooks und Smith ringen um die Macht, wer wen dazu bringt, etwas zu tun. Brooks geht immer wieder ins Zwiegespräch mit Gott und bittet: „Schenk mir die Gelassenheit, die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann, und gib mir den Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und schenk mit die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“. Und er ändert Dinge, auf seine Art.

Ursachen und Behandlung der Schizophrenie

Auch wenn die Ursachen einer Schizophrenie nicht eindeutig geklärt sind und die Erklärungsmodelle von biografischen Ereignissen und Belastungen über Infektionen und Stoffwechselentgleisungen hin zu genetischen Ursachen führen, Mr. Brooks ist sich sicher: hier gibt es eine genetische Komponente. Der rätselhafte Studienabbruch seiner Tochter…???

Wären Mr. Brooks und Mr. Smith Patienten, dann gehörten sie alle beide in psychiatrische Behandlung. Gegen den Wahn, Halluzinationen und Zwangssymptomatik müsste der eine Neuroleptika nehmen. Der andere sollte sich wohl eher einen Therapieplatz für eine tiefenpsychologische Psychotherapie suchen. Beim Heilpraktiker für Psychotherapie wären sie auf jeden Fall beide falsch!

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Ausbildungen zum Heilpraktiker für Psychotherapie:

Dieser Beitrag wurde von Dr. Bettina Klingner verfasst. Sie ist Dozentin für die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie an der Deutschen Heilpraktikerschule Aschaffenburg.

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