Die Großen Heiler: Kneipp

Die Großen Heiler: Kneipp

In unserer neuen Blog-Reihe „Die Großen Heiler“ möchten wir Ihnen Persönlichkeiten vorstellen, die unsere heutige Medizin entscheidend geprägt und beeinflusst haben.

Pfarrer Sebastian Kneipp

Sebastian Kneipp wurde 1821 im bayrischen Schwaben in eine arme Weberfamilie hineingeboren. Seine Familie war so arm, dass er bereits als Kind mit seiner Arbeit am Webstuhl mithalf, um das Überleben der Familien zu sichern. Kneipp verließ als Jugendlicher die Familie und arbeitete in Grönebach als Knecht. Seine ersten Kontakte zur Pflanzenheilkunde verdankte er dem Grönebacher Ortspfarrer.

Tuberkulose – Seuche jener Zeit

Vom Ortspfarrer geprägt, studierte Kneipp Theologie. Er erkrankte jedoch schwer an der Lunge und musste sein Studium unterbrechen. Es wird vermutet, dass Kneipp an Lungentuberkulose litt. Wie der Zufall es so wollte, fiel ihm das Buch „Unterricht von Krafft und Würkung des frischen Wassers in die Leiber der Menschen …“ von Johann Siegemund Hahn in die Hände. Wie jeder guter Lernende unternahm Kneipp die ersten Selbstversuche.

Die ersten Wasseranwendungen

So stieg Kneipp zwei- bis dreimal die Woche für einige Augenblicke in die eisig kalte Donau, gönnte sich Bäder und nahm Wasseranwendungen. Nach eigenen Angaben war dies der Grund, dass er sich von seiner Erkrankung wieder erholte. Er konnte sein Studium der Theologie fortsetzen und hatte die ersten Erfolge mit einer heimlichen Behandlung seiner Kommilitonen, die ebenfalls an Lungen-Tbc erkrankt waren. 1852 wurde Kneipp zum Priester geweiht.

Proteste und Anfeindungen

Obwohl Kneipp kein studierter Arzt war, behandelte er erfolgreich weiter. Dies zog erste Anzeigen wegen Kurpfuscherei nach sich, die mit Geldstrafen geahndet wurden. Kneipp allerdings ließ sich nicht beirren und übte seine Wasseranwendungen weiterhin aus, wurde jedoch von einem Apotheker erfolgreich verklagt und musste zwangsweise eine Unterlassungserklärung unterschreiben. 1854 brach in Schwaben eine Choleraepidemie aus. Kneipps geliebter Vater fiel als einer der ersten dieser Seuche zum Opfer. Kneipp setzte sich über seine Unterlassungserklärung hinweg und konnte somit 42 Menschen mit seiner Behandlung vor dem sicheren Tod retten.

Bad Wörishofen

Kneipp verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Wörishofen, wo er ein Kloster gründete, jedoch auch hier ließen die Anfeindungen der Ärzteschaft nicht lange auf sich warten. Jahre später setzte sich ein befreundeter Abgeordneter im Reichstag für Kneipp ein und bewirkte, dass die Kurierfreiheit rückwirkend ab 1873 auch in Bayern eingeführt wurde. Die Ärzteschaft wandte sich abermals gegen das neue Gesetz, konnte aber dennoch den Aufstieg von Wörishofen als Kurort nicht verhindern. Allein im Sommer 1890 kamen ca. 6000 Kurgäste wegen Sebastian Kneipp nach Wörishofen!

Zunehmende Einfluss

Die Bedeutung Sebastian Kneipps in der Heilkunde wurde stetig größer. Kneipp hielt Vorträge und schrieb Bücher, in denen er sich für eine gesunde Lebensweise aussprach. Er wurde Ehrenpräsident des ersten Kneipp-Vereins, welcher vom Verleger Ludwig Auer gegründet wurde. Ludwig Auer war es auch, der bereits kurze Zeit später die erste Ausgabe des monatlich erscheinenden Kneippblattes herausbrachte. Heute kennen wir diese Ausgabe als das Kneipp-Journal, das vom Kneipp-Bund e.V. in Bad Wörishofen herausgebracht wird. Trotz seiner Berühmtheit und Erfolge rissen die Anfeindungen nicht ab. Man scheute nicht davor, einige seiner Einrichtungen in Wörishofen durch Brandstiftung dem Erdboden gleich zu machen. Kneipp wurde älter und schwächer und erkrankte ab dem Jahre 1894 schwer. Die Ärzte diagnostizierten einen Unterleibstumor, eine notwendige Operation lehnte Kneipp jedoch ab. Pfarrer Sebastian Kneipp starb am 17. Juni 1897.

Kneipp gestern und heute

Um seine Werke zu ehren, wurde 1920 aus Wörishofen der Kurort Bad Wörishofen, in dessen Innenstadt eine Statue Kneipps zu finden ist. Kneipp hinterließ seiner Nachwelt zahlreiche Bücher, die heute noch aktuell sind und Anwendung finden. 1958 wurde sein Leben verfilmt, 2015 wurde das Wissen Kneipps in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung feiert Kneipps Geburtstag jährlich als Gesundheitstag oder Sebastian-Kneipp-Tag.

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Dieser Beitrag wurde von Heike Wemhoff verfasst. Sie ist Inhaberin der Deutschen Heilpraktikerschule Münster-Handorf.

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