Vom Brennen zum Ausbrennen – der Burnout

Vom Brennen zum Ausbrennen – der Burnout

Der Burnout trifft viele – zum Beispiel Mütter, Pflegekräfte, TherapeutInnen ebenso wie Manager oder auch späte WiedereinsteigerInnen in den Beruf, aber auch viele andere Menschengruppen. Wer für etwas brennt und keine ausreichende Wertschätzung seiner Arbeit erfährt, ist stets gefährdet, am Ende auszubrennen. Menschen, die von klein auf nur für Leistungen Anerkennung und Liebe erhielten, können viel leisten, ohne dabei die eigenen Bedürfnisse zu spüren. Mangelnde Selbstfürsorge und Abgrenzung spielen ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung eines Burnouts. Äußere Faktoren wie ein unangenehmer Führungsstil von Vorgesetzten, Mobbing, sexuelle Belästigung oder belastende Arbeitszeiten sind oftmals weitere Elemente.

Zahlen:

Zwischen 1999 und 2013 stieg die Anzahl der diagnostizierten Burnout-Fälle um 80 Prozent (Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, 2011). Zwischen 2007 und 2017 fand hierbei eine Steigerung von 115 Prozent statt. Ältere Menschen und Arbeitnehmer kurz nach dem Renteneintritt sind besonders betroffen. Hier gab es einen Anstieg von 170 Prozent – bei männlichen Patienten sogar einen um 260 Prozent! Die 50 bis 69-Jährigen ist die Gruppe mit den meisten Burnout-Fällen (Auswertung der KK Kaufmännische Krankenkasse, 2019).

Phasen:

Der Burnout verläuft in Phasen. Meist holen sich Betroffene erst in der letzten Phase Hilfe und „überhören“ zuvor alle Hinweise ihrer Psyche und ihres Körpers.

Jede Phasen zeigt sich mit bestimmten Symptomen im Verhalten und der Affektivität. Geistige und gedankliche sowie körperliche Symptome gehören ebenfalls zu den Anzeichen.

Je nach Quelle und Skalierung werden die Stationen der Betroffenen in 4, 7 oder 12 Phasen unterschieden. Besonders populär sind die 12 Phasen nach Freudenberg und North.

Diese zeigen sehr deutlich, wie es zum Burnout kommt:

1. Phase = Zwang, sich zu beweisen: Starker Ehrgeiz und Perfektionismus prägen diese Phase. Es besteht die Angst, nicht 100 Prozent geben zu können.

2. Phase = Verstärkter Einsatz: Das Gefühl der 1. Phase steigert sich und paart sich mit dem Gefühl, alles möglichst sofort erledigen zu müssen: Delegieren und Priorisieren fallen zunehmend schwerer. Betroffene empfinden sich als umgeben und oftmals erstickt von Aufgaben.

3. Phase = Vernachlässigung eigener Bedürfnisse: Der anstrengende Zustand wird als Normalität empfunden und die eigenen Bedürfnisse werden nachrangig behandelt oder oft gar nicht vollständig wahrgenommen. Es kommt dadurch zu ersten Fehlern, die wiederum zu starker Belastung führen.

4. Phase = Konflikte und Bedürfnisse werden verdrängt: Es kommt zu Problemen in Partnerschaft, Freundeskreis oder mit Kolleg*innen. Erste körperliche Symptome treten auf und es mehren sich Fehlleistungen (Termine vergessen, Unpünktlichkeit, Flüchtigkeitsfehler, Vergessen von Geburtstagen…)

5. Phase = Umdeutung von Werten: Die Betroffenen stumpfen regelrecht ab, werden vielleicht sogar hart und berechnend oder freudlos und verbissen. Alles findet in der Gegenwart statt und der eigene Horizont verengt sich rund um die Erledigung der Aufgaben.

6. Phase = Verleugnung: Die bestehenden Probleme werden verleugnet und Betroffene flüchten sich in Zynismus, Härte und Bitterkeit. Sie kapseln sich mehr und mehr ab. Das Leistungsniveau sinkt kontinuierlich und körperliche Beschwerden nehmen zu: Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen, rasche Ermüdbarkeit, chronische Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Kribbelgefühle, erhöhte Infektanfälligkeit, Missbrauch von Alkohol und Drogen, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magenbeschwerden, Verdauungsbeschweren, Ohrengeräusche, Essstörungen, Schwäche, Verspannungen und weitere individuelle Symptome können auftreten.

7. Phase = Rückzug: Partner*in, Freunde und Familie werde als weitere Belastungsfaktoren empfunden und oftmals als feindlich aufgefasst. Im eigenen Überlebenskampf werden die Bedürfnisse anderer durchaus als Angriff wahrgenommen. Ersatzbefriedigungen als Ausgleich zum eigentlich bereichernden Sozialleben nehmen zu.

8. Phase = Verhaltensveränderung: Vom hohen Perfektionismus stürzen Betroffene nun ab: Sie werden teilweise apathisch, manchmal mit paranoiden Tendenzen. Ihnen wird alles zunehmend egaler. Jede weitere Arbeitsanspruch wird sofort zur Belastung.

9. Phase = Depersonalisierung: Betroffene haben oft das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein. Sie erleben sich eher als Maschinen, die ausschließlich dazu da sind, Leistungen zu erbringen. Ihr Leben erscheint ihnen mehr und mehr als unentrinnbares Gefängnis. Sie vernachlässigen ihre Gesundheit, verlieren weiter an Lebenskraft, körperliche Symptome intensivieren sich.

10. Phase = Innere Leere: Betroffene werden ängstlich bis panisch, ausgezehrt, leer und empfinden sich als nutzlos und wertlos, da keine überragenden Leistungen mehr möglich sind.

11. Phase = Depression: Verzweiflung, Selbsthass und auch der Wunsch, nicht mehr aufzuwachen können nun zum Leben gehören. Dies kann sich bis zur Suizidalität steigern.

12. Phase = Völlige Erschöpfung: Nun kommt es zum völligen Zusammenbruch. Betroffene sind jetzt ein absoluter Notfall und bedürfen einer unbedingten, raschen Behandlung.

Ursachen von Burnout:

Krank machende Gedanken und Glaubenssätze

Wie bei anderen psychisch bedingten Erkrankungen leiden die Betroffenen des Burnouts an bestimmten gedanklichen Grundvoraussetzungen:

  • „Ich muss immer 100 Prozent und mehr geben!“
  • „Zuerst kommt die Familie, dann ich.“
  • „Ich nehme mir erst eine Pause, wenn die ganze Arbeit fertig ist.“
  • „Meinen Kindern/Patient*innen/Angehörigen muss es immer bestens gehen.“

Solche und ähnliche Gedanken gehören oft zum Selbstbild der Betroffenen und können in einen Burnout führen. Folgende Gefühlslagen und Grundannahmen können einen Burnout begünstigen:

  • Es fühlt sich gut an. für Selbstlosigkeit gelobt zu werden.
  • Die Anerkennung anderer ist maßgeblich wichtig für den eigenen Selbstwert.
  • Liebe ist etwas, das man sich verdienen muss.
  • Gehorsam und Anpassung sorgen für eine Akzeptanz der eigenen Person durch die Menschen des Umfelds.
  • Ich beweise meine Liebe oder meinen Wert durch Selbstaufgabe.
  • Ich möchte andere durch meine Leistungen übertreffen, denn nur dann werde ich Wertschätzung erfahren.
  • Ich muss meine*n Mutter/Vater/Familie/Chef*in unbedingt stolz machen.
  • Ich weiß nicht genau, was ich selbst brauche.
  • Ich sehe Glück und Zufriedenheit nicht als Lebensziele oder mindestens als wichtige Elemente an.
  • Ich darf keine Hilfegesuche andere Menschen ablehnen.

Tiefgreifende Ursache: Verlorenes Selbst

Die Beziehung zu sich selbst ist von Grund auf ungesund und wurde oft bereist in der Kindheit gestört. Betroffene haben oft nie gelernt zu wissen, was sie brauchen oder was eben auch nicht. Nein-Sagen wird vielfach subjektiv als verboten empfunden.

Der Kontakt zu sich selbst ist verloren gegangen und da im Inneren somit „nichts zu finden“ ist, wenden sich Betroffene stark an das Außen, um Bestätigung des Selbstwerts und eine Spiegelung eigener Verhaltensweisen zu finden.

Hier entsteht eine Abhängigkeit zum Außen, welche wiederum fragil wird, wenn erste Fehler auftreten. Betroffene befinden sich eine einem Teufelskreis.

Auswege aus dem Burnout:

Betroffene können sich in jeder Phase an ihre*n Hausärzt*in wenden und dort Beratung erhalten.

Hier werden auch andere Erkrankungen beachtet, die ähnliche Symptome hervorrufen können wie Schilddrüsenunterfunktionen oder auch Angststörungen. Meist wird der*die Betroffene zunächst krankgeschrieben, um erst einmal zur Ruhe zu kommen. Dann wird ein Plan erstellt, wie der Burnout (je nach Phase) behandelt wird.

Es gibt verschiedene Methoden, Auswege aus einem (beginnenden oder auch manifesten) Burnout zu finden: Medikamentöse Begleitung, Besuche in Heilpraxen (spezialisierte Heilpraktiker*innen für Naturheilkunde oder Psychotherapie), Psychotherapie bei approbierten Psychotherapeut*innen, Kuren, Selbsthilfegruppen sowie Begleitung durch speziell ausgebildete Berater und Coaches. Eine nachhaltige Veränderung des Umgangs mit sich selbst bildet das Fundament der Prävention und führt Betroffene zu mehr Lebensfreude und Selbstbewusstsein. Gute soziale Kontakte, gesunde Ernährung, ausreichend ausgleichende Bewegung, Erholungspausen und weitere Selbstfürsorge gehören zu einem erfüllenden Leben.

Wenn Sie sich in einer der Beschreibungen oder der Phasen wiederfinden: Zögern Sie nicht, sich Unterstützung zu suchen und konsultieren Sie Ihre*n Hausärzt*in.

Keine Angst: Der Burnout ist eine Erkrankung, die prinzipiell in jeder Phase geheilt werden kann.

Wichtig: Ein Urlaub oder eine kurze Erholungspause helfen nicht aus einem Burnout, da dieser keine reine Erschöpfung durch stressige Arbeitsphasen ist!

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Ausbildungen zum Heilpraktiker für Psychotherapie:

Dieser Artikel wurde von Saskia Epler verfasst. Sie ist Dozentin an der Deutschen Heilpraktikerschule Mülheim / Ruhr, Heilpraktikerin für Psychotherapie, zertifizierte Schematherapeutin, zertifizierte psychologische Beraterin, examinierte Familienpflegerin und familienbiografischer Coach.

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