Schematherapie bei Kindern und Jugendlichen

Schematherapie bei Kindern und Jugendlichen

Schematherapie bei Kindern und Jugendlichen: Im Laufe unseres Lebens durchlaufen wir viele verschiedene Lebensphasen. Wir haben gelernt, mit Belastungen und Stress, Trauer und Verlust umzugehen.

Damit wir damit umgehen können, mussten früh in unserer Entwicklung unsere emotionalen Grundbedürfnisse gestillt werden. Wurden diese nicht erfüllt und war auch eine biologische Vulnerabilität (Verletzbarkeit) vorhanden, konnten frühe maladaptive Schemata (schlecht angepasste Schemata) entstehen. Daraufhin speicherte unser Gehirn verschiedene Bewältigungsmuster in unserem Überlebenssystem.

In unserem weiteren Entwicklungsverlauf halfen diese Bewältigungsmuster bei emotionalen und psychischen Bedrohungen.

Im Erwachsenenalter können diese Schemata, die wir in der Kindheit erlernt haben, jedoch zu weiteren Problemen führen, denn die Bewältigungsreaktionen waren als Kind Überlebensstrategien. Unser Gedächtnis kann deshalb unsere Wahrnehmungsprozesse verzerren und längst vergessene schmerzhafte Emotionen reaktivieren. So werden schmerzliche Erfahrungen in die Gegenwart projiziert und verstärken unsere negativen Gefühle noch weiter.

Je früher wir jedoch diese negativen Schemata erkennen, desto besser greifen verschiedene therapeutische Ansätze wie die Schematherapie. Früherkennung kann oft der Weg zur Genesung sein.

Was ist die Schematherapie?

Die Schematherapie ist eine erweiterte Form der Kognitiven Verhaltenstherapie und wird auch die dritte Welle der Verhaltenstherapie genannt. Sie wurde von Jeffrey E. Young entwickelt. Die Schematherapie baut auf vielen verschiedenen psychologischen und psychotherapeutischen Ansätzen auf, wie z.B. der Verhaltenstherapie, der kognitiven Therapie, Imaginative Arbeit, Transaktionsanalyse, Abwehrmechanismen, Gestalttherapie und der Bindungstheorie. Diese Form der Therapie geht davon aus, dass wir Menschen lernen, unsere seelischen Grundbedürfnisse zu befriedigen und dadurch unser Verhalten gesteuert wird.

Anwendungsmöglichkeiten der Schematherapie

Die Anwendungsmöglichkeiten sind sehr vielseitig und finden erfolgreichen Anklang bei Klienten jeder Altersklassen mit:

  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Angststörungen
  • Zwangsstörungen
  • Abhängigkeiten
  • Essstörungen
  • Autismus-Spektrum-Störung
  • Depressionen
  • schwere Persönlichkeitsstörungen

Welche Grundbedürfnisse haben wir?

In der Schematherapie geht man davon aus, dass der zentrale Motivator in der kindlichen Entwicklung und im späteren Leben die Erfüllung oder Nichterfüllung der Grundbedürfnisse ist.

Das heißt, dass die Grundbedürfnisse die Basis der menschlichen Entwicklung sind.

Zu den emotionalen Grundbedürfnissen zählen:

  • Bindung
  • Selbstwert
  • Autonomie
  • Spontanität
  • Identität

Werden diese Grundbedürfnisse nicht befriedigt, kann die Umwelt als sehr angreifend wahrgenommen werden. Daraufhin müssen die Kinder neue Wege zur Bedürfnisbefriedigung erlernen. Diese Schemata verankern sich tief in der Persönlichkeit.

Wichtig zu wissen ist, dass diese Schemata aus den vier Komponenten Erinnerung, Emotion, Kognition und Körperempfindungen entstehen. Alle Schemata zusammen ergeben die Verhaltensweisen einer Person.

Bei Kindern und Jugendlichen liegt das Hauptaugenmerk auf den Schemata, damit diese erst gar nicht entstehen oder denen entgegengewirkt werden können. Deswegen sind die seelischen Grundbedürfnisse so wichtig zu betrachten.

Domänen in der Schematherapie

In der Schematherapie arbeiten wir mit den Domänen und den Schemata, welche in Zusammenhang mit den Grundbedürfnissen betrachtet werden. Beispiele fasse ich in der Tabelle zusammen:

Domäne Schemata Grundbedürfnis
Abgetrenntheit und Ablehnung Verlassenheit; Instabilität; Emotionale Vernachlässigung; Misstrauen; Scham; Missbrauch; Isolation Bindung
Autonomie und Leistung Abhängigkeit, Inkompetenz; Versagen, Verletzlichkeit; Kontrolle (außen); Autonomie; Selbstwirksamkeit
Beeinträchtigungen mit dem Umgang mit Begrenzungen Selbstdisziplin; unzureichende Selbstkontrolle Kontrolle (innen); Identität; Struktur; Grenzen
Fremdbezogenheit Unterwerfung, Aufopferung; Streben nach Anerkennung und Zuwendung Selbstwertsteigerung; Selbstbestimmung
Wachsamkeit und Gehemmtheit Pessimismus; emotionale Gehemmtheit; Bestrafungen Vermeidung von Lust/ Unlust; Spontanität

Die genannten Schemata haben direkte Auswirkungen auf unser Verhalten. In der Regel werden mehrere Schemata aktiviert, wenn man in eine belastende Situation kommt.

Bewältigungsstrategien

Jedes Kind bewältigt und reagiert auf eine Situation anders und bedient sich seiner erlernten Bewältigungsstrategien. Im besten Fall nutzt es adaptive (anpassungsfähige) Bewältigungsstrategien, aber in den meisten Fällen wird auf maladaptive (schlecht angepasste) Bewältigungsstrategien zurückgegriffen. Die Bewältigungsstrategien können sich im Laufe der Entwicklung verändern, jedoch bleiben die Schemata gleich.

Maladaptive Bewältigungsstrategien

  • Vermeidung
  • Überkompensation
  • Unterwerfung

Adaptive Bewältigungsstrategien

Für unsere therapeutische Arbeit sind adaptive Bewältigungsstrategien wichtig, denn diese können mit den Klienten erarbeitet werden.

  • kompetentes Kind
  • verbündete Beschützer
  • glückliches oder zufriedenes Kind

Das kompetente Kind und der verbündete Beschützer sind in der Therapie dafür da, damit folgende Dinge gelöst und erlernt werden:

  • Beseitigen von Stresssituationen
  • Fähigkeit zur Selbstempathie, Selbstberuhigung, Selbstregulation
  • Impulskontrolle
  • Geduld
  • Verhalten in Richtung langfristiger Ziele
  • Frustrationstoleranz
  • Akzeptanz von Ereignissen
  • religiöse Orientierungen
  • lernen, positiv zu denken
  • Humor

Bei dem glücklichen oder zufriedenen Kind werden Menschen aufgesucht oder innere Zustände geschaffen, in denen sich das Kind sicher, geborgen, glücklich und beschützt fühlt.

Das Modusmodell der Schematherapie

Bei dem Modusmodell wird zwischen Kindmodi, Elternmodi, Bewältigungsmodi und der sog. gesunde Erwachsenenmodus unterscheiden, den wir bei Kindern als Modus des kompetenten Kindes bezeichnen.

Kindmodi:    

  • verletzliches Kind
  • wütendes Kind
  • impulsives Kind
  • glückliches Kind

Eltern – oder Peermodi       

  • strafender Peer
  • fordernder Peer

Modi des kompetenten Kindes      

  • kompetentes Kind
  • verbündeter Beschützer

Bewältigungsmodi Überkompensation     

  • trotziges Kind
  • Der Beleidigte
  • Der Dominierende
  • Kontrolleur
  • Dramatiker
  • Angreifer
  • Zerstörer

Bewältigungsmodi Vermeidung    

  • regressives Kind
  • Beschützer
  • Vermeider
  • Selbstberuhiger

Bewältigungsmodi Unterwerfung

  • Unterworfener
  • Erdulder

Durch das schematherapeutische Modell gelingt es gut, Zugang zu den Kindern zu erhalten. Je nach Entwicklungsstand können im gemeinsamen Puppen- oder Rollenspiel oder aber schon mit der Stuhlarbeit oder Imaginationsübungen Problematiken dargestellt und spielerisch verändert werden. Auch Dinge, die das Kind rein verbal kaum ausdrücken könnte, können so dargestellt werden.

So können auch vergangene zentrale Lebenserfahrungen des Kindes angeschaut werden.

Behandlung der Kinder und Jugendlichen

Die Schematherapie mit Kindern und Jugendlichen ist bestrebt, die Anamnese und das Verhalten der Eltern mit in die Diagnostik und Behandlung der Kinder einzubeziehen.

Zum normalen Vorgehen gehört:

  • Befragung der Eltern
  • Berichte aus der Schule
  • Entwicklungsberichte
  • Befragung der Kinder selbst
  • Erarbeitung verschiedener Fragebögen
  • kindgerechte Behandlung z.B. Bilder anfertigen lassen, Geschichten erzählen lassen
  • Spiel und Gesprächsmaterial

Ziel der Schematherapie bei Kindern und Jugendlichen

  • Erfüllung der Grundbedürfnisse
  • Veränderung des Selbstbildes
  • Korrektur der gelernten Schemata

Am Standort Mülheim / Ruhr wird ein Fachseminar zu diesem Thema angeboten.

Hier finden Sie alle Informationen zum Fachseminar Schematherapie für Kinder und Jugendliche.

Dieser Beitrag wurde von Saskia Ewers verfasst. Sie ist zertifizierte Psychologische Beraterin, Schemacoach und Entspannungspädagogin sowie ehemalige Schülern der Deutschen Heilpraktikerschule Mülheim / Ruhr.

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