Mangel im Überfluss – B-Vitamine und Vitamin C – Teil 3

Mangel im Überfluss – B-Vitamine und Vitamin C – Teil 3

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B-Vitamine

Die Gruppe der B-Vitamine ist für fast alle Bereiche des Lebens verantwortlich. Von der Energiegewinnung aus der Nahrung über Aufbau körpereigener Stoffe bis hin zur Entgiftung. Gleichzeitig sind die B-Vitamine auch die Gruppe der Nährstoffe, die am häufigsten im Mangel sind. Dies liegt an der unnatürlichen Haltung von Tieren und der Behandlung von Pflanzen.

Es gilt dabei immer das „Alles oder nichts“-Prinzip. Nur wenn alle B-Vitamine ausreichend vorhanden sind, kann der Körper gut funktionieren. Bereits das Fehlen eines Stoffes kann zu Problemen führen.

B-Vitamine zeigen nur Mangelerscheinungen. Überschussreaktionen sind nicht bekannt. Da sie alle wasserlöslich sind werden die überflüssigen Vitamine bei gesunder Niere ausgeschieden. Trotzdem sollte man nicht endlos viele Vitamine schlucken, da dies an anderer Stelle wieder von Nachteil ist.

Menschen mit einer vermehrten Ausscheidung über die Niere – wie z.B. Diabetes-Patienten – sollten jedoch mehr B-Vitamine zu sich nehmen, da sie einen konstanten Verlust durch die Ausscheidung haben.

Hinweis: Oft genannt als gute Quelle ist hier die Bierhefe. Wer jetzt aber denkt, dass das abendliche naturtrübe Hefeweizen gegen die Mängel hilft, den muss ich leider enttäuschen. Hier geht es um die Brauhefe aus dem ersten Gärvorgang (gibt es in manchen Präparaten, ist aber sehr gewöhnungsbedürftig). Da im weiteren Verlauf der Bierherstellung alles erhitzt wird und die meisten B-Vitamine hitzeempfindlich sind, ist im Endprodukt leider kaum noch etwas enthalten.

Vitamin B1 = Thiamin

Eine der Hauptaufgaben von B1 ist die Energieversorgung der Nervenzellen und Nervenimpulse. Besonders deutlich wird dies beim akuten Mangel. Dies kann vor allem beim akuten Alkoholabusus (= Vollrausch) passieren. Dabei wird massiv B1 verbraucht und ausgeschwemmt. Dadurch können die Nervenimpulse nicht mehr richtig übertragen werden, inklusive des Atmungssystems, mit fatalen Folgen!

Andauernder B1-Mangel (meist durch Alkoholismus) führt zur Wernicke-Enzephalopathie, einer degenerativen Gehirnerkrankung mit Bewusstseinsstörungen, Desorientiertheit, Augenmuskelstörungen und Gangataxie.

Doch auch ganz ohne Alkohol kann diese Krankheit auftreten, wie sich in meiner Praxis in einem Fall zeigte.

Weitere Aufgaben des B1 ist der Proteinaufbau und die Energiegewinnung in den Mitochondrien. Außerdem hemmt B1 körpereigene Giftstoffe sowie ernährungs- und medikamentenbedingte.

Mangelerkrankung: Beriberi

  • Nervensystem:
    • Erschöpfung
    • Missempfindungen an Händen und Füßen
    • Sprachstörungen
  • Herz und Kreislauf:
    • Herzinsuffizienz
    • Ödeme
    • Atembeschwerden

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

1-1,3 mg/d

Nahrungsmittel

  • Bierhefe 12,0 mg
  • Weizenkeime 2,0 mg
  • Sonnenblumenkerne 1,5 mg

Vitamin B2 = Riboflavin

Ein sehr unterschätztes Vitamin ist das Riboflavin. Als Coenzym für viele Vitamine ist es unersetzlich. Man kann alle Symptome eines Mangels anderer Vitamine haben, wenn dieses Vitamin fehlt!

Eine große Rolle spielt es auch in der Migräne- und Katarakt-Prophylaxe.

Außerdem ist es wichtig für Menschen, die viele Medikamente zu sich nehmen als Entgifter.

Hinweis: Achten Sie beim B-Vitamin-Komplex darauf, ob hier auch Vitamin B2 enthalten ist, da dieses in den meisten Präparaten fehlt!

Aufgaben

  • Entgiftung von Arzneimitteln und Umweltgiften
  • Blutbildung
  • Energiegewinnung in den Mitochondrien
  • Coenzym für viele Vitamine
  • Migräne-Prophylaxe
  • Katarakt-Prophylaxe

Mangelkrankheit: Ariboflavinose

  • Ausschläge
  • Hautrisse (insbesondere an den Lippen bzw. im Mundwinkel)
  • Lichtüberempfindlichkeit
  • In der Migräne-Forschung wird vermutet, dass Migräne-Patienten an einer Unterversorgung des Hirnstoffwechsels mit Riboflavin leiden können.

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

1,2-1,5 mg/d

Nahrungsmittel

  • Bierhefe 3,7 mg
  • Schweineleber 3,2 mg
  • Champignons 0,4 mg

Vitamin B3 = Niacin oder Nikotinsäure

Ein besonders wichtiges Vitamin, wenn es um das Thema Lipidstoffwechsel geht, ist das Niacin. Hier kann die Nikotinsäure eine enorme Senkung herbeiführen – auf natürlich Weise.

Achtung! Bei komplexen Fettstoffwechselstörungen darf die erste Einnahme nur unter Kontrolle in der Praxis erfolgen!

Aufgabe

  • Verarbeitung von Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen
  • Aufbau und Reparatur der DNA
  • Senkung der „bösen Fette“, erhebliche Erhöhung der „guten Fette“

Mangelkrankheit: Pellagra

  • Hautschäden
    • eingerissene Mundwinkel
    • Entzündungen von Zunge und Mundschleimhaut
    • Dermatitis (Hautentzündung)
  • Erschöpfung
  • Kopfschmerzen
  • Demenz
  • Durchfall

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

13-17 mg/d

Nahrungsmittel

  • Weizenkleie 17,7 mg
  • Kalbs- und Schweineleber 15,7 mg
  • Erdnüsse, geröstet 14,3 mg

Vitamin B5 = Pantothensäure

B5 ist an fast allen Stoffwechselprozessen beteiligt, dient der Energiegewinnung und u.a. der Bildung der Blutzellen. Ein Mangel hieran ist selten.

Aufgabe

  • an fast allen Stoffwechselprozessen beteiligt
  • Energiegewinnung aus Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen
  • Hormone
  • Blutbildung
  • Haut- und Haarzellen

Mangelkrankheit: Burning Feet Syndrome

  • Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Zehen
  • später brennende bis stechende Schmerzen durch Nervenschädigungen

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

6 mg/d

Nahrungsmittel

  • Kalbsleber 7,9 mg
  • Bierhefe 7,2 mg
  • Erdnüsse 2,1 mg

Vitamin B6 = Pyroxidin

Ein oft unerkannter Mangel aufgrund einer wenig bekannten Stoffwechselkrankheit (KPU/HPU) liegt beim B6 vor. Normwerte des Labors gelten für diese Gruppe nicht, da sie einen wesentlich höheren Bedarf daran hat.

Typisch dafür sind:

  • Kurzzeitgedächtnisstörungen (Namen, Einkaufslisten merken)
  • ADS/ADHS (sich auf eine Sache fokussieren)
  • Aber gleichzeitig auch ein sehr komplex denkender Mensch, dem Zusammenhänge eher klar werden als anderen

Aufgaben

  • Neurotransmitter
  • Proteinaufbau
  • Bindegewebe
  • Homocysteinabbau
  • Sauerstofftransport
  • Immunsystem

Mangelerkrankung

  • Häufig verursacht durch Kryptopyrrolurie (KPU/HPU)
  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Bindegewebsschwäche
  • Krämpfe
  • Reizbarkeit
  • Lippenentzündung
  • Später: Demenz

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

1,2-1,6 mg/d (bei Pyrrolikern mehr!)

Nahrungsmittel

  • Bierhefe 4,4 mg
  • Walnüsse 0,8 mg
  • Weizenkleie 0,7 mg

Vitamin B7 = Biotin (Vitamin H)

Das Vitamin, dem besonders Eigenschaften im Bereich von Haut, Haare und Nägel zugeschrieben werden (Schönheitsvitamin). Dabei wird vergessen, dass auch die Zellmembrane und das Immunsystem davon abhängig sind. Ebenso lässt sich darüber die Blutbildung anregen.

Aufgaben

  • Haar- und Nagelwachstum und Hautfettgehalt
  • Immunsystem
  • Aufbau von Zellmembranen
  • Blutbildung

Mangelerkrankung: Multipler Carboxylasemangel

  • Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit
  • Depressionen, Halluzinationen
  • Hautausschläge
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • Haarausfall, brüchige Nägel
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Anämie

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

30 – 60 μg/d

Nahrungsmittel

  • Bierhefe 115,0 μg
  • Schweineleber 27,0 μg
  • Hühnerei 25,0 μg

Vitamin B9 = Folsäure

B9 ist wichtig für die Blutbildung und den Homocysteinabbau. Ein Mangel führt z.B. zur sogenannten Megaloblastären Anämie, bei der die roten Blutkörperchen zu groß werden.

Besondere Bedeutung kommt der Folsäure bei der Entwicklung des Fötus zu und muss unbedingt supplementiert werden! Folge eines Mangels kann der sogenannte Neuralrohrdefekt sein, bei dem es zum offenen Rücken kommt, mit einer schweren Schädigung des Babys. Da diese Schädigung bereits früh in der Schwangerschaft auftritt, sollte der Folsäure-Haushalt bereits davor aufgefüllt werden.

Aufgaben

  • Zellwachstum und -teilung
  • Entwicklung des Fötus
  • Blutbildung
  • Homocysteinabbau
  • Proteinstoffwechsel
  • Nervenbotenstoffe wie Serotonin

Mangelerkrankung: Megaloblastäre Anämie

  • Häufig durch die MTHFR-Mutation: bildet zu wenig aktivierte Folsäure
  • gerötete und entzündete Zunge
  • Erschöpfung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Atemnot
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • in der Schwangerschaft: Fehlgeburt oder Fehlbildungen des Embryos (z. B. Neuralrohrdefekte wie offener Rücken)

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

400 μg/d, Schwangere und Stillende 600 μg/d

Nahrungsmittel

  • Weizenkeime 330,0 μg
  • Spinat 145,0 μg
  • Eigelb (Huhn) 160,0 μg

Vitamin B12 = Cobalamin

Bis vor zwei Jahren war Vitamin D-Mangel am häufigsten in der Praxis. Seit Ärzte und Heilpraktiker vermehrt auf diesen Wert achten, nahm der Vitamin-B12-Mangel diesen Platz ein.

Hauptursache dafür ist das fehlende B12 im Fleisch, was durch die veränderte Viehhaltung bedingt ist. Des Weiteren braucht B12 einen gesunden Magen und Darm, was auch bei vielen (insbesondere älteren Menschen) nicht mehr der Fall ist (oft unbemerkt). Auch Vegetarier und Veganer zeigen meist einen Mangel, wenn sie nicht supplementieren.

B12 ist vor allem für die Blutbildung und das Nervensystem wichtig und kann neben Parästhesien (Gefühlsstörungen) in Händen und Füßen auch zu Depressionen führen. Da B12-Mangel zu einer makrozytären Anämie führt (zu große Erythrozyten) ist dies in der Dunkelfeld-Mikroskopie sehr gut sichtbar:

Bild von Dunkelfeld-Mikroskopie

Man beachte die deutlichen Größenunterschiede der roten Blutkörperchen.

Die sicherste Zufuhr ist immer noch die Lutschtablette, da man so den Magen-Darm-Trakt umgeht und das B12 direkt über die Mundschleimhaut aufnimmt.

Aufgabe

  • Aufbau des Nervensystems
  • Aufbau der DNA
  • Homocysteinabbau
  • Proteinstoffwechsel
  • Blutbildung

Mangelkrankheit: Perniziöse Anämie

  • Depression, Angststörungen
  • mangelnde DNA-Synthese
  • verstärkte MS-Gefahr
  • Gefühlsstörungen in Händen und Füßen
  • Blutarmut
  • Erschöpfung
  • Haut- und Schleimhautveränderungen
  • Bluthochdruck
  • Kopfschmerzen, Migräne
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien
  • Rückenschmerzen
  • Aphthen
  • bei Säuglingen „Schrei-Baby“

Empfohlene Zufuhr für Gesunde

3,5 bis 4,0 μg/d

Nahrungsmittel

  • Rinderleber 65,0 μg
  • Rindernieren 33,0 μg
  • Seelachs 3,5 μg

Im ersten Teil des Artikels geht es allgemein um Vitaminmangel, der zweite Teil rückt Vitamin C in den Fokus.

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Ausbildungen zum Heilpraktiker für Naturheilkunde:

Dieser Beitrag wurde von Michael Manig verfasst. Er ist Inhaber der Deutschen Heilpraktikerschule Bamberg.

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