Hanf – mehr als eine Highpflanze

Hanf – mehr als eine Highpflanze

Eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit ist der Hanf, Cannabis sativa. Bereits vor über 5000 Jahren wurde der Hanf in Deutschland verwendet. Ursprünglich im Fernen Osten, in der Gegend um Kasachstan, beheimatet, wurde er bereits vor Tausenden von Jahren fast um die ganze Welt verbreitet. Die gesamte Pflanze lässt sich nutzen, die widerstandsfähigen Fasern waren bis zur Entwicklung der modernen Kunstfasern konkurrenzlos zur Herstellung von Kleidung, Segeln und Seilen. Die ölreichen Samen waren ein billiges und nahrhaftes Nahrungsmittel, die Blüten wurden bereits in der Antike zu Rauschzwecken und zur Schmerzlinderung verwendet. Heute werden Hanfprodukte als natürliches Dämmmaterial im Bauwesen, in der Bekleidungsindustrie und der Kosmetikbranche eingesetzt.

Die Heilwirkungen der Hanfpflanze beruhen hauptsächlich auf den Inhaltsstoffen Cannabidiol (CBD) und Tetrahydro-Cannabinol (THC), das Letztgenannte ist psychoaktiv, also ruft die Rauschzustände hervor. Daneben finden sich mehrere hundert weitere Inhaltsstoffe, z.B. Triterpene und Flavonoide. In China wurde Hanf bereits vor 2700 Jahren in einem Arzneibuch erwähnt und gegen Rheuma und Menstruationsbeschwerden eingesetzt, im 19. Jahrhundert in Europa zur Behandlung von Depressionen und als Schlaf-, Schmerz- oder appetitanregendes Mittel verwendet. War die Wissenschaft bis Anfang der 1980er Jahre noch der Meinung, die Wirkungen des THC beruhten auf einer Strukturähnlichkeit der Substanz mit dem Neurotransmitter Serotonin, weiß man seit Ende der 80er Jahre, dass es ein körpereigenes Endocannabinoidsystem gibt, ähnlich dem Endorphinsystem, mit dem die Wirkungen der Cannabinoide erklärt werden.

Wann wird Hanf als Heilpflanze verwendet?

Die Wirkungen des Medizinalhanfs sind vielfältig, sie umfassen Schmerzlinderung, Entzündungshemmung, sind krampflösend, brechreizlindernd, stimmungsaufhellend, schlaffördernd und immunmodulierend.

Aufgrund dieser Wirkungen wird Medizinalhanf heute angewendet in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen (multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis, Hashimoto Thyreoiditis), bei entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn) und Pankreatitis. In der Psychiatrie wird Hanf als Angstlöser und Antidepressivum verwendet und z.B. Angststörungen, Stresssymptome, ADHS, bipolare Störungen, schizophrene Psychosen und Depressionen mit Medizinalhanf behandelt. In der adjuvanten Krebstherapie werden Hanfprodukte angewendet um die Nebenwirkungen der Cytostatika (Chemotherapie), wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Schmerzen und Schlaflosigkeit zu mildern.

Sowohl arzneiliche Hanfprodukte als auch Medizinalhanf sind in Deutschland seit 2017 als verschreibungspflichtige Arzneimittel zugelassen und es existieren zahlreiche Fertigarzneien auf Cannabinoidbasis (z.B. Dronabinolpräparate). Medizinalhanf wird in Deutschland vorwiegend aus den Niederlanden und Kanada importiert, wobei es aufgrund der immensen Nachfrage immer wieder zu Lieferengpässen kommt. Man kann nur hoffen, dass uns dieser nützliche Helfer auch noch in weiteren tausend Jahren zur Verfügung steht.

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Dieser Beitrag wurde von Dr. Arnd Küper, Inhaber der Deutschen Heilpraktikerschule Aschaffenburg, verfasst.

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