Akupunktur: Ein Fall aus der Praxis – Schulterbeschwerden

Akupunktur: Ein Fall aus der Praxis – Schulterbeschwerden

Diagnose:

Schleimbeutelentzündung rechte Schulter

Anamnese:

Die Patientin hatte seit zwei Jahren immer wieder Schmerzen mit Bewegungseinschränkungen in der rechten Schulter. Sie klagte über Schmerzen bei Bewegung und konnte den Arm nicht heben. Im MRT wurde eine Schleimbeutelentzündung festgestellt. Die Schmerzen kamen und gingen, die schmerzfreien Intervalle wurden jedoch kleiner, sodass sie im Februar 2017 an der Schulter operiert wurde. Nach der OP bekam sie Physiotherapie und der Arm wurde mittels einer Bandage ruhiggestellt. Vier Wochen nach der OP hatte sie immer noch heftige Schmerzen in der Schulter und wurde mit Kortison behandelt. Im Juni 2017 wurde in der Reha die Schulter mobilisiert und eine Blockade der Rippen festgestellt.

Im Januar 2018 wurde noch einmal eine Lasertherapie als Schmerztherapie durchgeführt. Auch diese hat keine Linderung gebracht.

Aktuelle Beschwerden:

Die Patientin hat weiterhin starke Schmerzen in der rechten Schulter. Sie kann den Arm nicht heben. Bei Belastung schwellen Ellenbogen und Hände an. Sie kann dann keine Faust mehr machen und kann keinen Stift halten. Heißes Wasser bessert. Sie hat das Bedürfnis die Schulter warm zu halten.

Mittlerweile ist die Patientin arbeitslos, da sie ihren Beruf als Fleischverkäuferin nicht mehr ausüben kann. Durch ihre Krankheit kam es zu Streitereien auf der Arbeit und sie hatte Probleme mit ihrem Chef. Diese führte zu Schlafstörungen. Sie war in einer Tagesklinik und bekam dort Antidepressiva, die sie immer noch nimmt.

Körperliche Untersuchung:

Bei der körperlichen Untersuchung fällt auf, dass die Patientin eine extreme Schonhaltung einnimmt. Sie zieht die rechte Schulter hoch und hält den Arm eng an den Körper gepresst. Bewegungen mit dem rechten Arm unterstützt sie mit der linken Hand – ähnlich wie bei einem Schlaganfallpatienten.

Sie hat mehrere druckschmerzhafte Triggerpunkte im Bereich des Schulterblatts und in der Oberarmmuskulatur.

Diagnose nach TCM:

Auf Grund der Symptomatik stellen wir im Unterricht die Diagnose nach TCM: Yin-Stagnation/Feuchte-Kälte in der Schulter fest. Betroffene Leitbahnen sind Dünndarm, Dickdarm und auch San Jiao.

Therapie:

Im Bereich der Schulter wurden lokal Moxanadeln in die Triggerpunkte gesetzt und weitere Nadeln in die Triggerpunkte am Oberarm, die Fernpunkte und energetischen Punkte wurden nach Leitbahnen ausgewählt.

Verlauf:

Die Patientin wird seit drei Monaten von einer Teilnehmerin an der Akupunkturausbildung behandelt. Anfangs erhielt die Patientin zwei Mal wöchentlich eine Behandlung, zurzeit wird nur noch ein Mal wöchentlich behandelt. Die Ausbildungsteilnehmerin berichtet, dass die Patientin inzwischen eine neue Arbeit bei der Post hat. Sie kann den Arm ca. sechs Stunden schmerzfrei belasten. Die Schmerzen, die sie jetzt noch hat sind jedoch erträglich. Die Patientin hat die Schonhaltung aufgegeben und ist freier in der Bewegung.

Anmerkung:

Dieser Behandlungsfall zeigt, wie wirksam Akupunktur in der Schmerztherapie sein kann. Die ausgewählten Akupunkturpunkte habe ich bewusst nicht aufgezählt, da jeder Patient und jede Krankheit individuell betrachtet werden muss und es kein allgemein gültiges Punktkonzept bei „Schulterbeschwerden“ gibt. Die Kursteilnehmerin ist Heilpraktikerin und arbeitet in eigener Praxis.

Dieser Beitrag wurde von Claudia Kuhly, Tutorin der Ausbildung Akupunktur im Fernlehrgang und Schulleiterin der Deutschen Heilpraktikerschule Berlin, verfasst.

Unsere Ausbildungen im Bereich Akupunktur:

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