Nahrungsergänzungsmittel ‒ wann sie sinnvoll sind und worauf Sie beim Kauf achten sollten: Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3-Kapseln oder pflanzliche Extrakte – Nahrungsergänzungsmittel sind aus Drogerien, Apotheken und dem Onlinehandel kaum noch wegzudenken. Das Angebot ist riesig und die Werbeversprechen sind oft verlockend. Doch woran erkennt man eigentlich ein hochwertiges Präparat? Und ist jedes Nahrungsergänzungsmittel wirklich sinnvoll?
Die Antwort lautet: nicht unbedingt. Für die meisten gesunden Menschen liefert eine ausgewogene Ernährung bereits alle wichtigen Nährstoffe (DGE, 2025). Dennoch gibt es Situationen, in denen Nahrungsergänzungsmittel einen sinnvollen Beitrag leisten können – vorausgesetzt, sie werden gezielt ausgewählt und bedarfsgerecht eingesetzt.
Wann kann eine Ergänzung sinnvoll sein?
Ein erhöhter Bedarf besteht beispielsweise:
- in der Schwangerschaft,
- bei einer veganen Ernährung
- oder wenn ein Nährstoffmangel ärztlich nachgewiesen wurde.
Auch bestimmte Erkrankungen oder Resorptionsstörungen können dazu führen, dass einzelne Vitamine oder Mineralstoffe zusätzlich benötigt werden (DGE, 2025).
Davon zu unterscheiden ist die vorsorgliche Einnahme hoch dosierter Präparate ohne medizinischen Anlass. Nach dem Motto „viel hilft viel“ sollten Nahrungsergänzungsmittel nicht eingenommen werden. Insbesondere fettlösliche Vitamine sowie einige Spurenelemente können bei einer langfristigen Überdosierung gesundheitliche Risiken bergen (BfR, 2024).
Woran erkennt man ein hochwertiges Produkt?
Ein erster Blick sollte immer auf die Deklaration gehen. Seriöse Hersteller:
- kennzeichnen die Inhaltsstoffe vollständig,
- geben die Dosierung pro Tagesportion an
- und informieren über die empfohlene Verzehrmenge
- sowie mögliche Warnhinweise.
Ebenso wichtig ist eine angemessene Dosierung. Hochwertige Präparate orientieren sich an wissenschaftlichen Empfehlungen und verzichten auf unnötig hohe Mengen einzelner Nährstoffe.
Auch die Qualität der Rohstoffe spielt eine wesentliche Rolle. Vertrauenswürdige Hersteller machen Angaben zur Herkunft ihrer Inhaltsstoffe und führen regelmäßige Kontrollen auf Schwermetalle, Pestizide oder andere Verunreinigungen durch. Gerade bei Fischöl, Algenprodukten oder pflanzlichen Extrakten sind solche Qualitätsprüfungen besonders relevant.
Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Herstellung nach anerkannten Standards, beispielsweise nach den Good Manufacturing Practice (GMP)-Richtlinien. Sie tragen dazu bei, dass Herstellung, Verarbeitung und Qualitätskontrolle nach einheitlichen Vorgaben erfolgen.
Kritisch bleiben bei Werbeversprechen
Begriffe wie „Detox“, „Superfood“ oder „Wundermittel“ klingen zwar vielversprechend, sind wissenschaftlich jedoch häufig nicht ausreichend belegt. Innerhalb der Europäischen Union dürfen gesundheitsbezogene Aussagen nur verwendet werden, wenn sie wissenschaftlich geprüft und zugelassen wurden (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006; EFSA, o. J.).
Auch mögliche Wechselwirkungen sollten nicht unterschätzt werden. So kann Vitamin K die Wirkung bestimmter blutgerinnungshemmender Medikamente beeinflussen, während Calcium oder Magnesium die Aufnahme einiger Antibiotika vermindern können (BfR, 2024). Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder an einer chronischen Erkrankung leidet, sollte Nahrungsergänzungsmittel daher mit seiner behandelnden Ärztin, seinem behandelnden Arzt oder einer entsprechend qualifizierten Therapeutin beziehungsweise einem qualifizierten Therapeuten abstimmen.
Fazit
Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein – allerdings nicht allein deshalb, weil sie frei erhältlich sind oder in den sozialen Medien empfohlen werden. Wer auf eine transparente Deklaration, eine angemessene Dosierung, hochwertige Rohstoffe und nachvollziehbare wissenschaftliche Grundlagen achtet, trifft in der Regel die bessere Wahl.
Letztlich bleibt eine abwechslungsreiche Ernährung die wichtigste Grundlage für eine gute Nährstoffversorgung. Nahrungsergänzungsmittel können diese sinnvoll ergänzen, sie jedoch nicht ersetzen (DGE, 2025).
Literatur
- Bundesinstitut für Risikobewertung. (2024). Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln. https://www.bfr.bund.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2025). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit. (o. J.). EU Register of Nutrition and Health Claims.
- Europäische Union. (2006). Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Amtsblatt der Europäischen Union, L 404, 9–25. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32006R1924
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