Begleiterkrankung Sehnerventzündung – leben mit den Folgen einer unsichtbaren Erkrankung

Begleiterkrankung Sehnerventzündung – leben mit den Folgen einer unsichtbaren Erkrankung

Begleiterkrankung Sehnerventzündung – leben mit den Folgen einer unsichtbaren Erkrankung: Im ersten Teil dieser Beitragsreihe habe ich von meiner Sehnerventzündung (Optikusneuritis) berichtet – von den ersten Warnsignalen, der aufwendigen Diagnostik, dem Krankenhausaufenthalt und der belastenden Ungewissheit, ob womöglich eine weitere Autoimmunerkrankung dahintersteckt. Mit der Diagnose und einer Kortison-Stoßtherapie begann jedoch erst der eigentliche Weg zurück in den Alltag.

In diesem zweiten Teil erzähle ich, welche Herausforderungen mich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus erwarteten, wie sich die Erkrankung auf mein Berufs- und Privatleben auswirkte und warum Geduld, Akzeptanz und der Umgang mit bleibenden Einschränkungen für mich zu wichtigen Begleitern wurden.

Erholung nach dem Krankenhausaufenthalt

Zuhause angekommen, musste ich mich erst einmal im wahrsten Sinne setzen bzw. legte ich mich gleich ins Bett. Mein Körper brauchte Ruhe durch den Schlafmangel im Krankenhaus und die Nebenwirkungen der Medikamente.

Am Folgetag hieß es aber natürlich gleich, beim Hausarzt vorstellen, was man immer nach einem Krankenhausaufenthalt machen muss, um die aktuelle gesundheitliche Lage zu besprechen.

Da ich leider trotz der Kortison-Stoßtherapie weiterhin alle Symptome am Auge hatte, schrieb mich meine Ärztin zunächst krank und überwies mich an meine Fachärzte. Ich sollte abklären lassen, ob eine meiner bestehenden Erkrankungen im Zusammenhang mit der Sehnerventzündung steht. Zusätzlich musste ich einen niedergelassenen Neurologen finden, der die Verdachtsdiagnose Multiple Sklerose (MS) weiter überwacht. Auch ein weiterer Termin beim Augenarzt stand an.

Bereits zwei Wochen später wurde ich erneut ins Krankenhaus bestellt. Dort wollten die Ärzte die aktuellen Ergebnisse meiner Fachärzte besprechen.

Sehnerventzündung ‒ leben mit den Folgen

Zuerst war ich bei meiner Augenärztin. Sie erklärte mir, dass eine Entzündung am Auge bis zu einem Jahr dauern und eventuell auch das linke Auge betroffen sein kann. Jedoch hatte ich Glück, dass es beizeiten erkannt wurde und ich nicht vollständig auf dem rechten Auge mein Sehvermögen verloren hatte.

Man kann leider nur warten und dem Nerv Ruhe geben, damit er sich hoffentlich erholt. Jedoch sind Nervenschäden oft irreparabel, da abgestorbene Nervenzellen im zentralen Nervensystem nicht auf natürlichem Wege nachwachsen.

Mir wurden als Unterstützung B-Vitamine (vor allem B₁, B₆ und B₁₂) sowie die Vitamine A, C und E empfohlen. Denn diese Nährstoffe:

  • schützen die Nervenzellen vor oxidativem Stress,
  • verbessern die Durchblutung
  • und unterstützen die Reizweiterleitung im Sehnerv.

Alltag mit Lichtempfindlichkeit und Schmerzen

Zusätzlich benötigte ich aufgrund der Lichtempfindlichkeit und Schmerzen am Auge eine Augenklappe. Ja, ich hatte auch erst an einen Piraten gedacht. Aber alles, was im Alltag half, nahm ich dankend an.

Als ich die Augenklappe in der Apotheke ausprobierte, stellte sich jedoch heraus, dass der Druck auf die empfindliche Gesichtsnervenregion zu stark war. Deshalb wechselte ich zu einer Sonnenbrille. Auch diese verursachte auf Dauer Schmerzen, jedoch kam ich damit besser zurecht.

Wenn die Suche nach einer Ursache keine Antworten liefert

Nachdem ich kurzfristig Termine bei meinen Fachärzten erhalten hatte, hoffte ich auf neue Erkenntnisse. Doch leider konnte niemand einen Zusammenhang mit meinen bereits bestehenden Erkrankungen sicher bestätigen oder ausschließen.

Auch der erneute Termin im Krankenhaus brachte keine weiteren Antworten. Die Symptome blieben über mindestens vier Monate nahezu unverändert bestehen – ohne spürbare Verbesserung.

Berufliche und persönliche Herausforderungen

Da mein Beruf meine Augen stark beansprucht, konnte ich nur wenige Stunden am Tag mit vielen kurzen Pausen arbeiten. Die Sonnenbrille sowie eine reduzierte Bildschirmhelligkeit halfen zumindest etwas. Die Lampen im Büro und zuhause waren nie an, da jedes kleinste Licht wehtat und die Symptome schlimmer machte. Ehrlich gesagt, war das ein Tiefpunkt, da ich auch kreativ arbeite und mir nicht vorstellen konnte, wie das weitergehen sollte.

Zusätzlich begann starker Haarausfall, der etwa zwei Monate anhielt und sogar kahle Stellen hinterließ. Außerdem bekam ich Quaddeln im Gesicht und an den Armen. Die Ärzte nannten es Autoinflammation. Das waren alles noch Reaktion aufgrund der Medikamente mit zusätzlichem Stress und der Entzündungen. Dadurch meldeten sich alle meine Autoimmunerkankungen auf einmal.

Also hieß es erneut:

  • Stress reduzieren,
  • auf ausreichend Bewegung achten
  • und meine Ernährung konsequent anpassen

all die Maßnahmen, die mir bereits bei meinen anderen Erkrankungen geholfen hatten.

Langsame Besserung und bleibende Folgen

Nach dieser Lebensphase ‒ so nenne ich es ‒ stellte sich endlich nach weiteren Monaten leichte Besserung ein. Die Symptome wurden weniger und ich konnte wieder etwas besser sehen ‒ begleitet von nur noch leichten Schmerzen. Ganz verschwunden sind die Beschwerden jedoch bis heute nicht.

Auch mehr als zwei Jahre später habe ich noch leichte Einschränkungen im Bereich des damaligen Skotoms. Der blinde Fleck ist zwar deutlich kleiner geworden, aber weiterhin vorhanden. Zudem reagiere ich empfindlich auf Licht, Sonne und Hitze.

Auch Stress, intensive Bildschirmarbeit oder sportliche Belastung können die Symptome erneut hervorrufen. Ursache ist häufig das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Dabei führt die körperliche Anstrengung zu einem Anstieg der Körpertemperatur, was die Leitfähigkeit bereits geschädigter oder regenerierender Nervenfasern vorübergehend stört.

Akzeptanz statt Antworten

Trotz allem geht es mir heute deutlich besser als zu Beginn der Erkrankung. Ich habe gelernt, mit der neuen Situation umzugehen und achtsamer auf die Signale meines Körpers zu hören. Es heißt also wieder für mich: Akzeptanz zur mittlerweile sechsten Autoimmunerkrankung.

Wer sich fragt, ob inzwischen die Ursache oder ein eindeutiger Auslöser gefunden wurde, den muss ich leider enttäuschen. Bis heute gibt es darauf keine Antwort. Es bleibt ungewiss, wie manchmal so vieles im Leben. In dem Sinne: Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie positiv.

Quellen:

 

Dieser Beitrag wurde von einer an Morbus Crohn erkrankten Person verfasst.