Wie Psychotherapie gelingt ‒ Orientierung zwischen Vertrauen, Transparenz und Abhängigkeit

Wie Psychotherapie gelingt ‒ Orientierung zwischen Vertrauen, Transparenz und Abhängigkeit

Wie Psychotherapie gelingt ‒ Orientierung zwischen Vertrauen, Transparenz und Abhängigkeit: Psychische Probleme und Belastungen im Alltag betreffen jedes Jahr rund 28 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Etwa 19 Prozent nehmen Kontakt zu Ärzten und Therapeuten auf und suchen nach Hilfe. In dieser Phase bedürfen Betroffene Unterstützung und sind durch emotionalen Druck und Stress nicht immer gleich in der Lage, die Qualität einer Psychotherapie umfassend zu überblicken. Vielmehr sind sie darauf angewiesen, dass das Hilfsangebot für sie professionell und transparent gestaltet wird.

Durch neue emotionale Erfahrungen erwerben Klienten in der Therapie lebensbewährende Fähigkeiten, besser mit sich selbst, ihren Problemen und Belastungen umzugehen. Gelingt Psychotherapie, so kommt es zu einem Zuwachs an geistigem, seelischem und körperlichem Wohlbefinden und Zusammenhänge können erkannt werden.

In diesem Prozess gelten Regeln wie eine professionelle Distanz (= Abstinenz), Sorgfaltspflicht, Verschwiegenheit, Neutralität sowie fachliche und finanzielle Transparenz, die eine Psychotherapie überschaubar und sicher machen. Doch was ist passiert, wenn eine Psychotherapie nicht greift oder die Unterstützung zu lange dauert oder nicht mehr transparent erscheint? Es gibt Kriterien, die für Klienten und Therapeuten gleichermaßen Wegweiser für eine zielgerichtete Therapie sind.

Was sind allgemeine Indikatoren, wie Psychotherapie gelingt?

Privatpraxen stehen in einem Spannungsbogen von Wirtschaftlichkeit und Heilkunde. Dass das Terminbuch voll ist, kann nicht der ausschlaggebende Faktor für eine Therapiegestaltung sein. Auch nicht die langfristige Bindung an die Praxis. Vielmehr steht im Vordergrund, ob eine Therapie zu einer entlastenden Veränderung und heilsamen Selbstzuwendung führt.

Auch wenn Klienten es unter Stress nicht immer gleich rational einschätzen können – das untrügliche Gefühl, ob die Chemie stimmt, haben wir alle als Ressource. Deshalb sind Klienten zu motivieren, ihren Eindrücken, die sich aus einer Therapie ergeben, zu vertrauen und diese offen in einer Therapiesitzung anzusprechen.

Der sensible Punkt ist die Beziehungsgestaltung

Der Erfolg einer Therapie ist stets an die Beziehungsqualität geknüpft. Die Beziehung professionell zu gestalten, ist Aufgabe von Therapeuten. Sie bieten die „sichere Basis“ in einem geschützten Rahmen, was für seelische Prozesse notwendig ist.

Kommt es jedoch zu wiederholten Unvorhersehbarkeiten im Kontaktverhalten oder sogar zu einem Kontaktabbruch durch Therapeuten, werden Unsicherheiten, Ängste und Selbstzweifel im Klienten geschürt, die eine Selbstzuwendung schwierig machen.

Auch Freundschaft hat im therapeutischen Prozess nichts zu suchen. Hier bedarf es Neutralität und nicht einer Rollendiffusion, wo sich am Ende Klienten noch fragen, ob sie etwas falsch gemacht haben und die Beziehung gefährden. Wenn die Beziehung zum Therapeuten Stress macht und dies nicht bemerkt und offen angesprochen werden kann ‒ dann stimmt etwas nicht.

Überforderung oder Selbstüberschätzung ‒ wenn das Problem nicht erkannt wird

Auch Therapeuten können überfordert sein – wichtig ist, es zu erkennen und nicht an sich zu zweifeln. Es ist nicht immer der Widerstand von Klienten, der zu einem Stillstand in der Therapie führt. Der Therapieansatz kann auch zu kurz greifen.

Ein Beispiel: Eine Klientin kommt wegen Gewichtsproblemen in die Praxis. In vielen gesprächstherapeutischen Terminen wird das Thema von allen Seiten beleuchtet, unbewusste Anteile einbezogen, Lösungsansätze diskutiert ‒ doch es kommt bei aller Motivation zwar zu Verbesserungen, doch nicht zur Lösung tiefer liegender Stressoren. Hier hätte erkannt werden dürfen: Gesprächstherapie allein hilft nur begrenzt. Ein (trauma-)therapeutischer Ansatz, der Körper und Nervensystem einbindet, wäre der sinnvollere und auch kürzere Weg gewesen.

Können Therapeuten sich auch selbst oder die Methodik überschätzen? Im Grunde ja – und das hat Auswirkungen auf den Therapieprozess. Im Umgang mit Menschen ist ein Gespür für die eigenen Grenzen zum Wohle des anderen notwendig. Ja, es ist sogar ein wesentlicher Teil der therapeutischen Selbsteinschätzung.

Therapeuten brauchen dementsprechend die innere Klärung durch ein professionelles Gegenüber. Den allzeit geklärten Therapeuten, der stets über den Dingen steht, gibt es nicht. Ein guter Indikator für Klienten kann die Supervisionserfahrung von Therapeuten sein. Oft ist dies aus der beruflichen Vita zu erkennen.

Abhängigkeiten in der Therapie ‒ wenn Bindungsmuster wirken

Im therapeutischen Prozess kommen Gefühle emotionaler Abhängigkeit vom Therapeuten öfter zum Vorschein und sind normal. Diese Gefühle beruhen auf unserem Bindungsverhalten.

Zu bedenken ist: Seelische Vertrautheit schafft auch ein Einfluss- und Machtgefälle. Das macht einerseits Psychotherapie erfolgreich, andererseits gibt es Therapeuten eine verantwortungsvolle Machtstellung gegenüber Klienten.

Wird das Gleichgewicht von Verbundenheit und Autonomie nicht professionell gewahrt und werden Abhängigkeiten geschaffen, verharren Klienten oft unbewusst in Bindungsmustern aus früher Kindheit. Nähe und Selbstzuwendung als therapeutische Zielsetzung entstehen aus Freiwilligkeit und der Möglichkeit, in Beziehung auch auf Distanz gehen zu können.

Haben Klienten:

  • Angst davor, Therapeuten könnten die Therapie beenden,
  • das Gefühl, ohne die Therapie nicht mehr zurechtzukommen
  • oder fokussieren sie sich nur noch komplett auf die Therapie, denken und leben sie ausschließlich von einem Termin zum anderen,

… dann ist eine Schieflage eingetreten, die von Therapeuten angesprochen werden darf. In der Vertrautheit muss Distanz gewahrt bleiben. Therapie ist eine zeitlich begrenzte Dienstleistung, hier werden keine Gemeinsamkeiten oder persönliche Anliegen gepflegt.

Wie Psychotherapie gelingt ‒ Selbstreflexionsfragen für einen förderlichen Psychotherapieprozess

  • Habe ich ein sicheres Gefühl und ist die Therapie für mich vorhersehbar?
  • Gibt es ein Mitspracherecht?
  • Habe ich Raum für meine Themen und meine Wahrnehmung oder wird eher etwas vorgegeben, was ich vermeintlich fühle oder denke?
  • Werden Therapieschritte ausführlich mit mir besprochen?
  • Werden meine Ressourcen aktiviert?
  • Werden mein Selbstwert und meine Selbstakzeptanz gefördert?
  • Ist die therapeutische Beziehung für mich transparent?
  • Kann ich Beziehungsfragen offen ansprechen und klären?
  • Macht mir die therapeutische Beziehung Stress und Druck?
  • Fühle ich mich abhängig, habe ich Angst, ohne die Termine nicht auszukommen?
  • Wird die Finanzierung der Therapie mit mir besprochen?
  • Nehme ich direkten/indirekten Termindruck, finanziellen Druck wahr?

Dies ist ein Erfahrungsbericht aus Fachseminaren der Autorin Andrea Maskow.

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Andrea Maskow

Dieser Beitrag wurde von Andrea Maskow verfasst. Sie ist Inhaberin der Deutschen Heilpraktikerschule Wiesbaden.