Therapeut zu werden ist nicht schwer, Therapeut zu sein dagegen sehr?

Therapeut zu werden ist nicht schwer, Therapeut zu sein dagegen sehr?

An den Worten mag wohl so manch Wahres dran sein! Die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie kann ein Großteil der Kursteilnehmer mit einem guten Schulkonzept und einem erfahrenen Dozenten erfolgreich bestehen. Um sich dann als empfehlenswerter Therapeut zu etablieren, bedarf es dagegen viel mehr als nur einer schönen Praxiseinrichtung und einer professionell erstellten Website.

Welche Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie ist die richtige?

Die Möglichkeiten, die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie zu machen, sind schier unüberschaubar: Von wenigen Wochen bis mehreren Jahren, von täglicher Präsenzpflicht bis Fernstudium, von reiner Prüfungsvorbereitung bis therapeutische Methodenvielfalt inklusive – der  Markt ist groß und für einen Laien, der noch ganz am Anfang der Entscheidung steht, ob er überhaupt Heilpraktiker für Psychotherapie werden will, eine kleine Mammutaufgabe, das für sich passende Angebot herauszufinden.

Sprechen Sie mit der Schulleitung, besuchen Sie einen Probeunterrichtstag, unterhalten Sie sich mit den Kursteilnehmern und fragen Sie sich, welches Ausbildungskonzept zu Ihnen persönlich am ehesten passt! Machen Sie sich einen persönlichen Eindruck und hören Sie auf Ihre Intuition, die weiß, was gut für Sie ist.

Therapeut zu werden ist nicht schwer?

In der heutigen Zeit ist das wohl wahr. Es gibt für alle Bedürfnisse entsprechende und meist wirklich hochqualitative Angebote. Die Schulen, die erfolgreich langfristig ausbilden möchten, brauchen ein gut durchdachtes Konzept und einen exzellenten Dozenten, der in die Tiefen der Differentialdiagnostik eintaucht. Es braucht einen roten Faden in der Ausbildung und das Wollen, verantwortungsbewusst mit dem Image des Berufes Heilpraktiker für Psychotherapie umzugehen. Soll es eine Schule sein mit langjähriger Ausbildung? Dann laufen Sie Gefahr, dass die Kursteilnehmer es eher als „Familientreffen mit Selbsthilfecharakter“ sehen und das Lernen des Berufsbildes in den Hintergrund treten kann – kann nicht muss!

Oder geht man als Schule den Weg des Powerlearnings, bei dem der einzige Schwerpunkt die Prüfungsvorbereitung ist? Und der Therapeut sucht sich dann nach bestandener Prüfung in Ruhe seinen individuellen Weg, besucht weitere Fachseminare? Das Image kann dann leiden: „Das kann ja keine richtige Ausbildung sein, wenn Diplompsychologen ca. zehn Jahre inkl. Fachausbildung studieren, wie soll ein zukünftiger Therapeut das in einem Jahr schaffen?“

Wann geht man überhaupt zum Diplompsychologen?

Der Diplompsychologe wird bevorzugt aufgesucht, wenn der Leidende das Gefühl hat, es braucht medizinische fachliche Hilfe, da muss etwas therapiert werden und der Diplompsychologe wird das als Fachexperte schon hinbekommen. Am liebsten sind die Psychologen, die zu Beginn recht „straight“ und stark strukturiert vorangehen und dadurch Sicherheit und Kompetenz vermitteln. Der Psychologe zeigt, dass er weiß, was er tut. Was auch hier schon einmal geschehen kann, ist, dass die Empathie im Schatten der jahrelangen einstudierten Wissenskompetenz steht und die Therapie überwiegend rational vonstattengeht.
Meist ist dann allerdings eine gewisse Stundenanzahl um, Veränderungen sind keine großen geschehen, denn nach einer Therapiestunde war nichts weiter passiert. Wichtig ist vor allem, dem Patienten Aufgaben zu geben um das Erlernte in das alltägliche Leben zu integrieren, um eine nachhaltige Veränderung zu erreichen. Dies allerdings kostet Zeit, Motivation und Mühe. Nicht jeder ist dazu bereit! Zudem sind einige Diplompsychologen als Vollzeitkassenpraxis auf Monate hinaus ausgebucht, sind überlastet, ein wenig vielleicht auch müde im Tun. Der Diplompsychologe erhält das Image: „Da geht man halt hin, weil es den Patienten nichts kostet, was nichts kostet, kann ja nicht schaden“.

Stellen Sie sich mal vor, Sie haben eine jahrelange intensive Ausbildung genossen, sind motiviert und möchten anderen helfen und dann sitzt ein Patient vor Ihnen, der sagt: „Naja mein Hausarzt meinte ich soll mal zum Psychologen gehen, eigentlich halte ich von den Psychotanten ja nicht so viel, aber solange es nichts kostet.“! Verständlich, dass die Motivation des Diplompsychologen sich rasch auf dem Motivationsniveau seines Patienten einpendelt. Wie soll da eine Vorwärtsenergie entstehen und das Feuer lodern, dem Leben neue Türen zu öffnen?

Und wann geht man zum Heilpraktiker für Psychotherapie?

Der Heilpraktiker für Psychotherapie wird häufig in Anspruch genommen, wenn der Betroffene sich auf eine Reise der Neuentdeckung begibt. Es entfällt interessanterweise ein wenig der Aspekt der Pathologie und die kreative Sinnsuche nach Lösungen in Eigenverantwortung wird in den Vordergrund gestellt. Ergebnisse werden schnell und direkt eingefordert, denn der Klient zahlt meist einen Großteil aus eigener Tasche: „Dann muss das ja was bringen, wenn ich das schon selber zahle!“ Nicht selten waren einige der Patienten auch schon länger davor in klinischer Therapie, haben einiges an Techniken gelernt, haben vieles verstanden, können es auch kommunizieren und trotzdem gelingt es nicht jedem, das Erlernte und Verstandene in die Tat umzusetzen. Doch jetzt sind sie dafür bereit, selbst dafür sowohl finanziell als auch eigenverantwortlich aufzukommen.

Als Heilpraktiker für Psychotherapie haben Sie wesentlich größere Therapiefreiheit und können sich Ihrem eigenen Fachwissen und den Bedürfnissen Ihrer Klientel entsprechend betätigen. Der Klient braucht körperliche Berührung? Dann darf das der Heilpraktiker für Psychotherapie mit der Körperpsychotherapie, Massagen u. v. m. Dies war den Diplompsychologen beispielweise lange Zeit komplett verboten, Berührung war ein Tabu!

Aber was ist es denn nun, was ein (werdender) Heilpraktiker für Psychotherapie nun wirklich braucht, um erfolgreich als Therapeut zu arbeiten?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort, denn das richtet sich nach Ihrer Begabung, Begeisterung und Zielgruppe!

Ein Klient kommt zu Ihnen mit einem Auftrag, den möchte er von Ihnen erfüllt wissen. Also ist eine Aufgabe des Therapeuten, genau hinzuhorchen, was der Klient wirklich von ihm möchte. Können Sie das abdecken, wunderbar, dann steht einer gemeinsamen Veränderungsarbeit nichts mehr im Wege! Denn das ist es nämlich, um es auf einen Punkt zu bringen: Psychotherapie ist Veränderungsarbeit.  Es ist nicht die Erkenntnis selbst, die eine Veränderung einläutet, sondern das Gefühl, welches im Herzen ankommen muss! Nur weil ich weiß, dass Chips ungesund sind, heißt es ja nicht, dass ich mein Handlungsmuster und gelebte Gefühl von heimeliger Gemütlichkeit aufgeben möchte! Ein Klient möchte ein Umstrukturieren von bisherigen Mustern, die in der Form wohl nicht mehr angebracht sind, damit er sich weiterhin wohlfühlt; ein neues erlernen, indem er versteht, was bisher war und was in Zukunft anders sein soll, ein wirkliches Wahrgenommen werden und sich verstanden fühlen. Keine weiteren Standpauken und Verbote, sondern eine gemeinsames neugieriges hinblicken, mögliche Handlungsoptionen entwickeln, ausprobieren. Eine gute Psychotherapie hinterlässt positive Spuren, Klienten fühlen sich gut dabei und wertgeschätzt und kommen gerne wieder. Dazu gibt es eine große Zahl an Möglichkeiten beginnend von Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Gestalttherapie bis hin zur Hypnose usw. Manche Therapien sind vermehrt auf den kognitiven bewussten Bereich ausgelegt, andere arbeiten mehr mit dem intuitiven Unterbewusstsein, das sollte jeder für sich ausprobieren, was ihm am ehesten liegt.

Therapeut zu werden ist nicht schwer, Therapeut zu sein dagegen sehr?

Wenn Sie mit Freude und Neugierde in einer der spannendsten Wissenschaften, der Psychologie tätig sein möchten, dann ist Therapeut zu sein nicht schwer!

 

Dieser Beitrag wurde von Nicole Steckenleiter verfasst. Ausbildung in München: Heilpraktiker für Psychotherapie

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