Lebensfreude – ein vergessener Jungbrunnen

Lebensfreude – ein vergessener Jungbrunnen

Lebensfreude – ein vergessener Jungbrunnen: Laut einer Meta-Analyse mit über 300.000 Teilnehmern im The Lancet Public Health (2024) können Lebensfreude, Glück und Erfüllung das Leben 7,5 Jahre verlängern. In Verbindung mit Dankbarkeit laut Harvard T.H. Chan School of Public Health kann sogar das Sterblichkeitsrisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen um neun Prozent gesenkt werden und laut weiterer Studien zu einem stärkeren Immunsystem, weniger (auch chronischer) Krankheiten (30 Prozent) und einer schnelleren Heilung von Infektionen führen. Ich ergründe in diesem Beitrag, wie wir von diesem Wissen profitieren und mehr Gesundheit durch Lebensfreude (zurück-) gewinnen können.

Die ewige Suche nach dem Glück

Glück wird nicht nur in alten Schriften als Zustand des Geistes erwähnt. Sondern seit der US-amerikanische Psychiater William F. Fry als Pionier im Fachgebiet des therapeutischen Humors 1964 in Palo Alto sein Institut für Humorforschung gründete und den Begriff der Gelotologie prägte, auch wissenschaftlich gut erforscht. Aber blicken wir in die Augen vieler gehetzter, unter Stress und Anspannung stehender, sorgenvoller und gesundheitlich angeschlagener Gesichter, stellt sich folgende Frage. Warum würden unzählige Menschen auf einer Skala von eins bis zehn keine zehn ankreuzen (Prof. Mirsakarim Norbekov: Eselsweisheit. Arkana-Verlag 2006), obwohl wir doch so vieles „besitzen“, was uns täglich mit Glück und Dankbarkeit erfüllen könnte?

Wo sind unser Glück und Lächeln im Alltag geblieben?

  • Warum lachen wir als durchschnittliche Erwachsene nur noch etwa 15-mal pro Tag, während Kinder noch 400- bis 500-mal pro Tag lachen?
  • Warum ist die Thymusdrüse, die Hormone der Verjüngung ausschüttet, bei Kleinkindern noch so groß wie eine Birne, bei Erwachsenen ‒ kurz vor dem Tod – aber zur Größe einer Erbse geschrumpft? Während Prof. Dr. David A. Sinclair unter Einbeziehung revolutionärer Erkenntnisse parallel bereits vom bevorstehenden Ende des Alterns spricht (Prof. Dr. David A. Sinclair: Das Ende des Alterns. Dumont-Verlag) und Prof. Dr. Elisabeth Blackburn sogar den Nobelpreis für die Entschlüsselung des Alterns und dessen Umkehrmöglichkeit im „Telomer-Effekt“ erhielt? (Prof. Dr. Elisabeth Blackburn: Die Entschlüsselung des Alterns. mosaik-Verlag)
  • Wo ist unser lebensverlängerndes Glück und der viel gelobte „gesunde Geist im gesunden Körper“ geblieben und unser Leben „toxisch“ geworden, obwohl wir sogar durch die längste Glücksstudie der Welt seit 1937, der Harvard Study of Adult Development, über Jahrzehnte Erkenntnisse verfügen?

Glücksbringer und Glücksräuber

Dass Wohlstand nicht immer glücklich macht, ist inzwischen auch wissenschaftlich erforscht. So weiß eine Harvard Studie von 2025 zu berichten, dass Optimismus, Sinnhaftigkeit und innerer Frieden zwar international als Hauptindikatoren für Glück gelten, doch Gesundheit, Sinn, Charakter, Beziehungen, intakte Familien und finanzielle Sicherheit nur individuelle Glücksfaktoren darstellen und finanzieller Wohlstand nicht automatisch mehr Glück bedeutet. Was zur Erkenntnis führt:

„Auch ein wohlhabender Mensch, der innerlich leidet, wird äußerlich nur selten glücklich sein.“

Lebensfreude und Glücksfaktoren ermitteln und wiederherstellen

1. Selbstgewahrsein

Um wahre Lebensfreude und echtes Glück zu finden, ist es daher wichtig, sich zu fragen: Was macht mich glücklich? Was gibt mir Sinn? Was erfüllt mich und wo brennt meine echte Leidenschaft, selbst wenn ich kein Geld dafür bekäme?

2. Gaben- und Talente-Checking

Vorlieben, Gaben, Talente, aber auch brennende Sehnsüchte, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sofort unsere Stimmung aufhellen und die Seele jubeln lassen, sind ein guter Indikator für Lebensfreude.

3. Selbstkritik, Sehnsucht und Sucht

Dabei ist es wichtig zu prüfen, ob manche Dinge, die wir für Lebensfreude halten, in Wahrheit nicht Süchte sind. Sucht ist alles, was uns schadet, womit wir nicht aufhören können. Nichts spricht dagegen, mit Freunden Spiele an der Spielkonsole zu spielen, einen inspirierenden Film zu schauen, online zu chatten und ein Glas Wein oder Sekt zu trinken. Doch wenn wir Tag und Nacht nur noch vor der Glotze sitzen, Essen in uns stopfen ohne Hunger zu haben, Alkohol (oder Kaffee und Zucker) als Beruhigungsmittel brauchen und wissentlich damit unserem Körper um erholsamen Schlaf bringen, schaden wir uns mehr, statt uns Freude und Langlebigkeit zu bringen.

4. Die eigenen Widerstände und Schattenseiten ermitteln

Beim Erstellen der Lebensfreude-Liste ist ebenso wichtig, den inneren Schweinehund zu kennen und zu überlisten. Also all das aufzuschreiben, was uns an innerem und äußerem Widerstand, genetischen und epigenetischen Einflüssen abhält, zu folgen, was uns Lebensfreude und Glück bringt. Wozu auch geistige Süchte und Opferhaltungen zählen:

„Es ist einfach zu sagen, anderes ist schuld, wenn wir nicht erkennen, dass der Schlüssel zum Glück auf unserer Türseite steckt.“

5. Konsequenz, Beharrlichkeit und Ausdauer

Haben wir echtes Lebensglück und Freude gefunden, gilt es, dieses konsequent zu verteidigen, was Arbeit an sich/mit sich selbst bedeutet. Wir sind beharrlich am Festhalten von Süchten und Mängeln und können dieselbe Beharrlichkeit nutzen, um an Lebensfreude festzuhalten. Das bedeutet, den inneren Schalter in mehr Bewusstheit umzulegen, bis sich im Gehirn neue synaptische Verbindungen gebildet haben, die neue Gewohnheiten bilden. Eine wirkungsvolle Technik ist, sich beharrlich zu zwingen, nicht alten Gewohnheiten, sondern der inneren Freude zu folgen, womit wir dem inneren Schweinehund die Nahrung entziehen.

6. Gleichgesinnte und Unterstützer

Freunde, Literatur oder Seminare, die uns nicht unterstützen und in unseren Süchten festhalten, sind keine Freunde, sondern Energievampire. Ebenso Umstände, die uns nicht gefallen. Die wir ändern sollten oder womit wir, wenn wir sie nicht ändern wollen, Frieden schließen sollten. Gleichgesinnte, mit denen man auf einer Wellenlänge schwingt, können durch die Gruppendynamik sehr hilfreich sein.

7. Am Ball bleiben, Resultate feiern und als Motivation nutzen

Letztlich gilt es dann, am Ball zu bleiben, sich selbst im Punkt „Ja zur Lebensfreude“ ständig zu bestärken, Erfolge zu feiern und als Motivation für noch mehr Lebensfreude zu nutzen. Wir wären erstaunt, wie sich unsere Zellen und unsere Gesundheit bereits nach kurzer Zeit verjüngen und verbessern.

Quellen

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Heilpraktikerausbildungen:

Dieser Beitrag wurde von Maik Lindner verfasst. Er lebt am Starnberger See, arbeitet im sozialen und gesundheitlichen Bereich und ist Sachbuch-, Blogautor und KIT-Medienpreisträger.