1+1=3? – Kinderwunsch in der Naturheilpraxis

Kinderwunsch in der Naturheilpraxis: In der Mathematik völlig unlogisch, stellt es in der Biologie doch ein gewünschtes Ergebnis dar. Aber auch hier geht die sehr eigene Rechenlogik nicht immer auf.

Die schönste Nebensache der Welt …

… führt nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Die Problematik des unerfüllten Kinderwunsches kommt immer häufiger vor und belastet die betroffenen Paare sehr. Viele meiner Patienten wünschen sich erstmal unterstützende Maßnahmen und nicht gleich die letzte Konsequenz – die künstliche Befruchtung. Eine Beratung bzgl. solcher Alternativen oder einfacher Optimierungsvorschläge z.B. zur Verbesserung der Spermienqualität beim Mann oder Einflussfaktoren auf den Hormonhaushalt der Frauen werden selbst in den Kinderwunschzentren häufig nicht mit auf den Weg gegeben. Aus diesem Grund landen viele Paare bei uns in der Naturheilpraxis und suchen Rat.

Wer ist schuld?

Eine Frage, die ich gleich von Anfang an anspreche und klarstelle, ist, dass niemand eine Schuld trägt. Zum Nachwuchs-in-die-Welt-Setzen gehören immer noch zwei und genau so sollte die Thematik auch angegangen werden. Auch wenn es in der Regel die Frauen sind, die auf uns zukommen, so ist es wichtig, dass beide in die Behandlung einbezogen werden.

Warum ist es heute schwieriger geworden, schwanger zu werden?

Die Zeiten haben sich in den letzten 20 bis 30 Jahren stark geändert. Ob es die Nahrung ist, das Stresslevel, die hohen Ansprüche der Gesellschaft oder die Umweltgifte, die tagtäglich, ohne dass wir es merken, auf uns einfließen – unser Körper muss einer Vielzahl von Einflüssen widerstehen können.

All diese Umstände haben einen enormen Einfluss auf den Hormonhaushalt. Und ohne einen ausgeglichenen Hormonspiegel ist auch die Fruchtbarkeit erheblich eingeschränkt. All diese Einflüsse bedeuten für den Körper Stress – und was das betrifft, ist unser Körper in der Steinzeit hängen geblieben. Unser Hormonsystem rennt im übertragenen Sinne vor dem Säbelzahntiger weg. Dieser Instinkt und der Kampf ums Überleben sorgt für ein Chaos im Hormonhaushalt und führt am Ende dazu, dass der Körper sich selbst verhütet. Denn evolutionär gesehen, ist in Zeiten des Überlebenskampfes Kinderkriegen eher eine schlechte Idee.

Hinzu kommen vor allem Risiken bei den Männern, wie die modernen Boxershorts, die komfortable Sitzheizung im Auto und das Tragen des Handys in der Hosentasche. All das können Ursachen sein, die die Spermienqualität um mehr als 50 Prozent beeinträchtigen können.

Was können Mann und Frau bei einem Kinderwunsch also tun?

Nährstoffe

Die Grundlage bietet eine gute Versorgung mit Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien. Das fängt schon beim Essen an.

So sollten eingeschweißte und verpackte Lebensmittel möglichst gemieden werden. Sie sind häufig industriell verarbeitet und enthalten Konservierungsstoffe sowie andere Inhaltsstoffe, die den Körper belasten können. Auch für das Verpackungsmaterial aus Plastik und Folien konnte festgestellt werden, dass sie hormonähnliche Substanzen enthalten und damit unseren eigenen Haushalt durcheinanderbringen können.

Die Paare sollten es sich und dem Kind wert sein, sich selbst in die Küche zu stellen. Und das ist nicht immer so zeitaufwändig wie es klingt. Es gibt ausreichend Onlineportale, die einen in der Suche zu schnellen und gesunden Gerichten unterstützen.

Diese sollten ausreichend Gemüse und Obst enthalten, um Mineralien und Vitamine abzudecken. Dafür sind auch Nüsse und Sämereien ideal, da sie neben wirklichen Kraftbomben auch super für unsere Darmflora sind. Diese spielt für den Hormonhaushalt und die Resilienz eine entscheidende Rolle. Ein gesunder Darm kann also auch dafür sorgen, dass unser Körper besser mit Stress umgehen kann und nicht gleich den ganzen Hormonhaushalt auf den Kopf stellt.

Fisch und Fleisch sollte aus guter Haltung zwei- bis dreimal pro Woche für eine optimale Versorgung mit Eiweißen gegessen werden. Auch Hülsenfrüchte bieten für Veganer und Vegetarier eine gute Versorgung mit Proteinen.

Folgende Nährstoffe sind zur zusätzlichen Einnahme zu empfehlen:

  • Folsäure
  • Eisen, am besten aus natürlicher Quelle
  • Vitamin B12
  • Vitamin D
  • Jod
  • Zink
  • Omega-3-Fettsäuren

Pflanzen

In der Naturheilkunde wird bei einem Kinderwunsch in erster Instanz der Körper „entgiftet“. Wir versuchen, mit verschiedenen Tees, Tropfen und Co. unsere Ausleitungsmechanismen anzuregen und so Schadstoffe aus dem Körper zu transportieren. Dazu gehören das Lymphsystem, die Leber und die Nieren. In dieser Phase, die zwei bis drei Monate dauert, sollte das Paar es auch nicht unbedingt auf eine Schwangerschaft anlegen. Es heißt also auch bei uns Geduld.

Nach der Entgiftungsphase werden bei beiden Maßnahmen ergriffen, um den Hormonhaushalt zu optimieren. Bei den Männern ist für eine gute Spermienqualität schwarzer Maca zu empfehlen. Er erhöht die Spermienanzahl, -motilität und den Testosteronspiegel. Ginseng reguliert die so genannte Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinde-Achse. Ihr Funktionieren ist für eine gute Stressresistenz und einen balancierten Hormonhaushalt unverzichtbar.

Bei den Frauen ist das erste Mittel der Wahl Mönchspfeffer. Es reguliert den Hormonhaushalt und bringt stressbedingte Dysbalancen wieder ins Gleichgewicht. In einigen Fällen kann es die Libido senken, was für einen Kinderwunsch natürlich nicht so optimal ist. Sollte diese Nebenwirkung auftreten, dann einfach auf andere Pflanzen zurückgreifen. Für stressgeplagte Frauen ist auch Rosenwurz eine gute Alternative. Es reguliert den Cortisolspiegel und gleicht aus. Holunderblüten erhöhen minimal die Körpertemperatur und sorgen so für eine gute Blutversorgung im Unterleib. Zusätzlich unterstützt es die Ausschüttung der Hormone LH und FSH, die für einen funktionierenden Zyklus und den Eisprung gebraucht werden.

Der stinkende Storchschnabel wurde früher auch als Kindermacher bezeichnet. Sogar in der Viehzucht wurde er früher dem Futter untergemischt, um die Fruchtbarkeit zu steigern.

Teemischungen für den Kinderwunsch

Fruchtbarkeitstee für Frauen

  • 30 g Frauenmantelkraut
  • 20 g Storchschnabelkraut
  • 10 g Taubnesselblüten
  • 10 g Mönchspfeffer
  • 20 g Holunderblüten

Fruchtbarkeitstee für Männer (Rezeptur Margret Madejsky)

  • 20 g Bohnenkraut
  • 20 g Brennnesselblätter
  • 50 g Damianablätter
  • 30 g Eberwurz
  • 20 g Eichenblätter
  • 30 g Eisenkraut
  • 30 g Mannstreukraut

Dosierung: 2–3 Tassen täglich, je 1 TL auf 250 ml kochendes Wasser

Verhaltensregeln bei Kinderwunsch

Das klingt erstmal so radikal, ist aber recht einfach:

Männer sollten spätestens zu Hause in die bequeme Buchse schlüpfen. Denn wie sagte Tom Hanks in Castaway, als er verzweifelt ein Feuer machen wollte: „Da muss Luft ran“. Auch wenn wir in unserem Fall die Hitze eher drosseln wollen. Damit die Spermien ideale Bildungsbedingungen haben, brauchen Sie eine Temperatur unterhalb der körpereigenen. Damit fällt auch die Sitzheizung weg. Das Tragen des Handys in der Hosentasche sollte komplett vermieden werden. Die ausgehende Strahlung kann in kurzer Zeit die Qualität der Spermien und ihre Anzahl erheblich reduzieren.

Frauen sollten immer auf warme Füße achten. Denn warme Füße heißt, ein warmer Unterleib. Und das ist wichtig, damit die Eierstöcke gut durchblutet sind und die Eizellen gut reifen können. Der Unterleib selbst ist selbstverständlich auch immer schön mit Kleidung bedeckt.

Beiden ist zu empfehlen, auf einen halbwegs geordneten Tagesablauf zu achten, um unnötigen Stress zu vermeiden. Sex sollte nicht nur nach Plan erfolgen, sondern noch Spaß machen und Platz für Spontanität haben. Auch außerhalb des Bettes sind gemeinsame Aktivitäten wichtig. Gehen Sie spazieren, treiben Sie zusammen Sport oder besuchen Sie Freunde. Gerade Sport steigert den Testosteronhaushalt des Mannes und baut bei beiden Geschlechtern Stress ab, was die Hormone wieder in Ausgleich bringt.

Fazit

Sie sehen, dass auch das kein Hexenwerk ist. Neben den schon erwähnten stehen noch so viele Möglichkeiten im Raum, die den Wunsch nach einem Kind nicht unerfüllt lassen. Auch ich konnte im Laufe meiner Praxiszeit schon viele Paare zum Elternwerden begleiten. Und das ist ein unbezahlbarer Lohn.

Hier finden Sie alle Informationen zu unserer Online-Ausbildung Phytotherapie.

 

Dieser Beitrag wurde von Kristin Metz, Tutorin der Online-Ausbildung Phytotherapie, verfasst.

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