Ernährung bei verschiedenen Krankheitsbildern – Teil 4: Autoimmunerkrankungen: Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als fremd einstuft und angreift. Dieser chronische Entzündungsprozess kann nahezu jedes Organ oder Gewebe im Körper betreffen – von der Schilddrüse über die Gelenke bis hin zum zentralen Nervensystem und der Haut. Es sind über 80 verschiedene Autoimmunerkrankungen bekannt, darunter häufige Formen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis und Psoriasis (Schuppenflechte).
Die genauen Ursachen für Autoimmunerkrankungen sind bislang nicht vollständig geklärt. Es wird ausgegangen von einem Zusammenspiel:
- genetischer Veranlagung,
- Umweltfaktoren,
- hormoneller Einflüsse,
- Infektionen
- und einer gestörten Darmbarriere („Leaky Gut“).
Auch chronischer Stress kann eine Rolle spielen.
Eine gezielte Ernährung kann zwar keine Heilung bewirken, aber wesentlich dazu beitragen:
- das Immunsystem zu regulieren,
- Entzündungsprozesse zu hemmen
- und die Lebensqualität zu verbessern.
Die Ernährung wirkt wie ein stiller Regisseur im Hintergrund: Sie kann das Immunsystem beruhigen oder – im ungünstigen Fall – zusätzlich reizen.
Immer mehr Studien belegen: Was wir essen, beeinflusst nicht nur unseren Stoffwechsel und unsere Darmflora, sondern auch immunologische Prozesse. Daher gewinnt die Ernährung, insbesondere die antientzündliche Ernährung, als ergänzender Therapiebaustein bei Autoimmunerkrankungen zunehmend an Bedeutung – individuell abgestimmt und idealerweise begleitet durch Fachpersonal.
Autoimmunerkrankungen und Ernährung
Hashimoto-Thyreoiditis
Bei dieser chronischen Entzündung der Schilddrüse kommt es häufig zu einer Unterfunktion der Schilddrüse. Viele Betroffene berichten, dass bestimmte Lebensmittel Symptome wie Müdigkeit oder Gewichtszunahme verstärken.
- Gut: selenreiche Lebensmittel (z. B. Paranüsse, Eier, Lachs), Zink (Kürbiskerne, Haferflocken), Omega-3-Fettsäuren (z. B. fettreicher Fisch, Leinöl), jodarme, antientzündliche und eiweißreiche Kost.
- Meiden: Gluten (bei Unverträglichkeit), Alkohol, stark verarbeitete Lebensmittel, industrieller Zucker.
- Hinweis: Eine glutenfreie Ernährung kann bei manchen Betroffenen den Antikörperspiegel senken. Auch Intervallfasten und eine kohlenhydratarme Ernährung können beim Abnehmen bzw. Gewichthalten helfen. Wichtig: Lassen Sie regelmäßig die Schilddrüsenwerte kontrollieren und begeben Sie sich in ärztliche Behandlung.
Multiple Sklerose (MS)
MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Auch hier kann die Ernährung die Erkrankung nicht heilen, aber einen wertvollen Beitrag zur Lebensqualität leisten.
- Gut: Omega-3-Fettsäuren (fettreicher Fisch, Leinöl), viel Gemüse, Antioxidantien (Beeren, grünes Blattgemüse), Ballaststoffe (Hülsenfrüchte, fermentierte Lebensmittel, Vollkornprodukte), Vitamin D (ggf. ergänzen).
- Meiden: Gesättigte Fettsäuren, stark verarbeitete Lebensmittel, rotes Fleisch und Wurstwaren, Alkohol, Zucker.
- Hinweis: Es gibt Hinweise, dass bei vielen MS-Betroffenen auch eine Zöliakie auftritt. In diesem Fall oder bei einer Glutenunverträglichkeit ist ein Glutenverzicht sinnvoll. Ebenso sollten Sie bei Milchprodukten die individuelle Verträglichkeit prüfen. Die Unterstützung des Darmmikrobioms über die Ernährung ist empfehlenswert.
Rheumatoide Arthritis (RA)
RA betrifft vor allem die Gelenke und geht mit schmerzhaften Entzündungen einher. Eine entzündungshemmende Ernährung kann helfen, Schübe zu mildern. Bei dieser Erkrankung wird ebenfalls die Störung des Darmmikrobioms als Mitursache diskutiert.
- Gut: Mediterrane Kost, viel Gemüse, pflanzliches Eiweiß (z. B. Hülsenfrüchte), Antioxidantien (Beeren), hochwertige Fette (Nüsse), Vollkornprodukte, Omega-3-Fettsäuren (z. B. fettreicher Fisch, Algenöle, Leinöl), Gewürze wie Kurkuma und Ingwer.
- Meiden: Zucker, Weißmehl, rotes Fleisch, industriell verarbeitete Produkte.
- Hinweis: Eine pflanzenbetonte Ernährung kann helfen, die Entzündungswerte im Körper zu senken. Eine entzündungsfördernde Ernährung kann evtl. einen Rheuma-Schub verursachen. Verzehren Sie Gluten- und Milchprodukte nur nach Verträglichkeit. Außerdem sollten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Magnesium, Kupfer, Selen, Vitamin B1, B6 und E achten. Außerdem können Sie Heilfasten nach Buchinger unter Aufsicht durchführen, um das Entzündungsgeschehen zu minimieren.
Psoriasis (Schuppenflechte)
Psoriasis ist eine Autoimmunerkrankung der Haut, die sich aber auch auf Gelenke (Psoriasis-Arthritis) auswirken kann. Eine darmfreundliche, entzündungshemmende Ernährung kann unterstützend wirken.
- Gut: Ballaststoffreiche Kost, Gemüse, pflanzliches Eiweiß, fermentierte Lebensmittel, hochwertige Fette (Nüsse, Leinöl, Weizenkeimöl), Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren (z. B. fettreicher Fisch, Algenöle).
- Meiden: Alkohol, zuckerreiche und stark verarbeitete Lebensmittel, Weizenprodukte, rotes Fleisch, fettreiche Milchprodukte.
- Hinweis: Achten Sie auf eine gesunde Darmflora – Probiotika und Präbiotika können hilfreich sein. Zudem können Sie Intervallfasten unter ärztlicher Aufsicht ausprobieren. Auch auf eine gute Vitamin-E-Versorgung (z. B. Weizenkeimöl) sollten Sie achten, da das Vitamin antioxidativ wirkt und gleichzeitig eine Hautpflege von innen ist.
Allgemeine Ernährungstipps bei Autoimmunerkrankungen
- Entzündungshemmend essen. Dazu gehören viel frisches Gemüse, Obst, gesunde Fette, Kräuter und Gewürze.
- Zucker und Weißmehl reduzieren.
- Ausreichend Omega-3-Fettsäuren integrieren.
- Eine gesunde Darmflora fördern (z. B. mit Probiotika und Präbiotika).
- Ausreichend trinken, insbesondere Wasser und ungesüßte Kräutertees.
- Auf Unverträglichkeiten achten – ein Ernährungstagebuch kann dabei hilfreich sein.
- Auf hochwertige, möglichst unverarbeitete Lebensmittel setzen.
- Essenspausen und Intervallfasten (nach individueller Verträglichkeit) können das Immunsystem entlasten.
- Vitamin-D-, Zink-, Selen-, Eisen- und Magnesiumversorgung im Blick behalten und regelmäßig überprüfen.
- Stress reduzieren – denn chronischer Stress kann Entzündungsprozesse verschärfen.
- Bewegung und ausreichend Schlaf sind wichtige Ergänzungen zur Ernährung.
Fazit
Bei Autoimmunerkrankungen ist die Ernährung ein bedeutender Baustein im ganzheitlichen Umgang mit der Krankheit. Sie ersetzt keine Therapie, kann aber Symptome lindern, das Immunsystem entlasten und die Lebensqualität verbessern. Eine ausgewogene, entzündungshemmende und darmfreundliche Ernährung – kombiniert mit einem achtsamen Lebensstil – kann dabei helfen, das eigene Wohlbefinden spürbar zu steigern. Entscheidend ist ein individueller Ansatz – idealerweise begleitet durch erfahrene Ernährungsberater, Ärzte und/oder Heilpraktiker.
Quellen:
- https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-Hashimoto-Thyreoiditis-entzuendungshemmend-essen,hashimoto110.html
- https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Entzuendungshemmende-Ernaehrung-bei-Multipler-Sklerose,multiplesklerose180.html
- https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-Rheuma,rheuma176.html
- https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrung-bei-Schuppenflechte-passende-Lebensmittel-und-Rezepte,schuppenflechte108.html
- Hans-Helmut Martin und Paula Völkner (2023): Entzündungshemmende Ernährung bei Autoimmunerkrankungen, VFEdaktuell PLus 196 | 2023
- Kasper, Heinrich (2021): Ernährungsmedizin und Diätetik, 13. Auflage, Elsevier-Verlag
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Dieser Beitrag wurde von Anne Stoye, Dozentin der Fernakademie im Praxisseminar Klarheit im Dschungel der Ernährungsformen, verfasst.