Bossing – wenn Führung krank macht

Bossing – wenn Führung krank macht

Bossing – wenn Führung krank macht: „Ach, Sie sind einfach zu empfindlich.“ „Damit müssen Sie eben umgehen können.“ „Ihre Kollegen kommen doch auch mit mir klar.“ Solche oder ähnliche Sätze hören Menschen, die von Bossing betroffen sind, leider gar nicht so selten. Mit der Zeit beginnen viele sogar, an sich selbst zu zweifeln. Sie fragen sich, ob sie tatsächlich überempfindlich sind oder ob sie sich die Situation vielleicht nur einbilden.

Kennen Sie das Gefühl, morgens aufzuwachen und der erste Gedanke ist nicht der Kaffee, sondern die Arbeit?

Nicht, weil Ihnen Ihre Aufgaben keinen Spaß machen oder das Team schwierig ist. Sondern weil eine bestimmte Person dafür sorgt, dass jeder Arbeitstag zu einer neuen Belastung wird.

Vielleicht werden Sie ständig kritisiert. Ihre Leistungen klein geredet oder wichtige Informationen bewusst nicht weitergegeben. Entscheidungen über Ihren Kopf hinweg getroffen oder Sie haben das Gefühl, nie etwas richtig machen zu können.

Bossing beginnt häufig schleichend. Aus einzelnen Bemerkungen werden regelmäßige Abwertungen. Aus Kritik wird Kontrolle. Unsicherheit entwickelt sich zu Angst vor jedem neuen Arbeitstag.

Genau deshalb bleibt Bossing oft lange unerkannt, sowohl von den Betroffenen selbst als auch vom Umfeld. Dabei handelt es sich nicht um einen normalen Konflikt oder eine strenge Führung, sondern um eine Form psychischer Belastung, die ernst genommen werden sollte. Umso wichtiger ist es, die Warnzeichen frühzeitig zu erkennen. Denn niemand sollte dauerhaft in einem Arbeitsumfeld arbeiten müssen, das krank macht.

Was bedeutet Bossing?

Bossing ist eine besondere Form des Mobbings. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die Schikanen von einer vorgesetzten Person ausgehen.

Dabei handelt es sich nicht um einen einmaligen Streit oder eine kritische Rückmeldung. Vielmehr sind die Angriffe systematisch und wiederkehrend. Ziel oder Folge kann sein, eine Person:

  • einzuschüchtern,
  • zu demütigen
  • oder sogar aus dem Unternehmen zu drängen.

Durch das bestehende Abhängigkeitsverhältnis erleben viele Betroffene Bossing als besonders belastend. Die Angst vor Konsequenzen oder dem Verlust des Arbeitsplatzes führt häufig dazu, dass zunächst geschwiegen wird.

Woran erkennt man Bossing?

Bossing kann sehr unterschiedlich aussehen. Nicht jede schwierige Situation mit einer Führungskraft ist automatisch Bossing. Konflikte gehören zum Arbeitsalltag dazu und lassen sich oft durch ein offenes Gespräch lösen.

Anders sieht es aus, wenn bestimmte Verhaltensweisen regelmäßig auftreten und sich über einen längeren Zeitraum wiederholen. Häufig zeigen sich dabei ähnliche Muster. Typische Anzeichen können sein:

  • ständige ungerechtfertigte Kritik
  • öffentliche Bloßstellungen oder Demütigungen
  • wichtige Informationen werden bewusst vorenthalten
  • unrealistische Arbeitsaufträge oder absichtlich widersprüchliche Anweisungen
  • soziale Ausgrenzung innerhalb des Teams
  • Entzug von Aufgaben oder Verantwortungsbereichen
  • ständige Kontrolle und fehlendes Vertrauen
  • ungerechtfertigte Abmahnungen oder Drohungen.

Je mehr dieser Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum auftreten, desto genauer sollte die Situation betrachtet werden.

Welche Auswirkungen kann Bossing haben?

Dauerhafter psychischer Druck bleibt selten ohne Folgen. Viele Betroffene berichten über:

  • Schlafstörungen,
  • innere Unruhe,
  • Konzentrationsprobleme
  • oder das Gefühl, ständig angespannt zu sein.

Andere entwickeln:

  • Ängste,
  • depressive Symptome
  • oder körperliche Beschwerden wie Kopf-, Rücken- oder Magenschmerzen.

Besonders belastend ist, dass das Selbstwertgefühl häufig immer weiter sinkt. Menschen, die zuvor motiviert und engagiert gearbeitet haben, beginnen plötzlich, an ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Sie ziehen sich zurück, verlieren ihre Freude an der Arbeit und nehmen die Belastung oft auch mit nach Hause. Bossing betrifft deshalb nicht nur den Arbeitsplatz, sondern wirkt sich häufig auf das gesamte Privatleben und die Gesundheit aus.

Was können Betroffene tun?

Auch wenn sich Betroffene häufig hilflos fühlen, gibt es Möglichkeiten, aktiv zu werden. Hilfreich kann es sein:

  • Vorfälle mit Datum, Uhrzeit und möglichen Zeugen zu dokumentieren,
  • E-Mails oder andere schriftliche Nachweise aufzubewahren,
  • das Gespräch mit einer Vertrauensperson zu suchen,
  • den Betriebsrat oder die Personalvertretung einzubeziehen,
  • sich rechtlich beraten zu lassen
  • und bei starker psychischer Belastung professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Das Wichtigste ist jedoch: Bleiben Sie mit der Situation nicht allein. Unterstützung zu suchen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern oft der erste Schritt, um wieder handlungsfähig zu werden.

Wann wird Bossing rechtlich relevant?

Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitenden. Sie sind verpflichtet, ihre Beschäftigten vor Benachteiligungen und gesundheitlichen Gefährdungen zu schützen. Wer dauerhaft schikaniert oder herabgewürdigt wird, sollte sich deshalb frühzeitig Unterstützung suchen. Eine sorgfältige Dokumentation der Vorfälle kann dabei helfen, die Situation nachvollziehbar darzustellen und weitere Schritte einzuleiten.

Fazit

Ein respektvoller Umgang sollte an jedem Arbeitsplatz selbstverständlich sein. Führung bedeutet, Menschen zu begleiten, zu fördern und Verantwortung zu übernehmen – nicht, Macht auszunutzen oder Druck auszuüben.

Sollten Sie sich in einigen der beschriebenen Situationen wiedererkennen, nimm deine Gefühle ernst. Niemand muss dauerhaft in einem Arbeitsumfeld bleiben, das krank macht.

Je früher Bossing erkannt wird, desto größer ist die Chance, geeignete Unterstützung zu erhalten und gemeinsam Lösungen zu finden. Denn jeder Mensch verdient einen Arbeitsplatz, an dem Wertschätzung, Respekt und ein gesundes Miteinander selbstverständlich sind.

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Heilpraktikerausbildungen:

Saskia Ewers

Dieser Beitrag wurde von Saskia Ewers verfasst. Sie ist Inhaberin und Dozentin der Deutschen Heilpraktikerschule Bochum, zertifizierte Psychologische Beraterin, Kinder-, Jugend- und Familienberaterin, Schematherapeutin und Entspannungspädagogin sowie Pädagogische Fachkraft in der Inklusion.