Phytotherapie in der Erkältungszeit ‒ mit Heilpflanzen fit durch den Winter: Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und wir mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, beginnt für unser Immunsystem eine besondere Herausforderung. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Heiserkeit gehören für viele Menschen im Winter dazu. Doch müssen wir uns jeder Erkältung hilflos ausgeliefert fühlen?
Die Phytotherapie bietet hier vielfältige Möglichkeiten, den Körper während der Erkältungszeit zu unterstützen. Entscheidend ist dabei, die richtige Pflanze für die jeweilige Beschwerde auszuwählen, sie sachgerecht anzuwenden und die Grenzen der Selbstbehandlung zu kennen. Das Gute an Pflanzen ist, dass sie häufig mehrere Symptome gleichzeitig lindern bzw. auch sinnvoll kombiniert werden könne.
Warum werden wir im Winter häufiger krank?
Die Vorstellung, dass wir allein durch Kälte öfter krank sind, ist natürlich nicht haltbar. Erkältungskrankheiten werden durch Krankheitserreger ausgelöst. Allerdings verändern sich im Winter einige Bedingungen, die ihre Übertragung und Vermehrung begünstigen:
- mehr Kontakte in geschlossenen Räumen
- trockene Luft und beanspruchte Schleimhäute
- individuelle Immunabwehr.
Auch Schlafmangel, anhaltender Stress, unausgewogene Ernährung und bestimmte Vorerkrankungen können die Immunfunktion beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein einzelner Nährstoffmangel für jede Erkältung verantwortlich ist oder dass sich Infekte durch eine bestimmte Maßnahme vollständig verhindern lassen. Unser Ziel sollte deshalb nicht sein, das Immunsystem pauschal möglichst stark zu stimulieren. Vielmehr geht es darum, seine normale Funktion zu unterstützen und die natürlichen Schutzbarrieren des Körpers zu erhalten.
Wer steckt hinter Husten, Schnupfen und Halsschmerzen?
Erkältung ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für Infektionen der oberen Atemwege, die durch verschiedene Erreger ausgelöst werden können. 90 Prozent aller Erkältungen werden durch Viren verursacht. Zu den häufigsten Erregern gehören:
- Rhinoviren,
- saisonale Coronaviren,
- Influenzaviren,
- RS-Virus
- und Adenoviren.
Bakterien wie Streptokokken sind zu 10 Prozent für obere Atemwegsinfekte verantwortlich. Eine bakterielle Infektion kann außerdem gelegentlich zusätzlich zu einem viralen Infekt auftreten.
Warum hat die Schulmedizin bei viralen Infekten Grenzen?
Bei der Behandlung von Erkältungen wird häufig von einer symptomatischen Therapie gesprochen. Das bedeutet, dass vor allem Beschwerden wie Fieber, Schmerzen, Husten oder eine verstopfte Nase gelindert werden, während das Immunsystem die Infektion selbst kontrolliert.
Das ist keineswegs wirkungslos: Ausreichend Flüssigkeit, Ruhe und geeignete Arzneimittel können die Krankheitsphase erheblich erleichtern. Dennoch gibt es Grenzen.
Antibiotika helfen nicht gegen Viren. Sie wirken ausschließlich gegen bestimmte Bakterien. Bei einer begründeten bakteriellen Infektion können sie dagegen wichtig sein. Spezifische antivirale Medikamente gibt es nur für bestimmte Erreger und Situationen. Bei Influenza oder COVID-19 können antivirale Arzneimittel für bestimmte Risikogruppen und innerhalb eines geeigneten Zeitfensters sinnvoll sein. Bei der gewöhnlichen Erkältung steht dagegen meist die Linderung der Beschwerden im Vordergrund.
Nicht jedes Symptom lässt sich gezielt und nebenwirkungsfrei behandeln. Abschwellende Nasensprays, Hustenmittel und Schmerzmittel haben jeweils eigene Einsatzgebiete, Risiken und Anwendungsgrenzen. Hier kann die Phytotherapie eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie nutzt Pflanzen, deren Inhaltsstoffe unterschiedliche Wirkungen entfalten können.
Phytotherapie in der Erkältungszeit – welche Heilpflanzen können uns im Winter unterstützen?
Es gibt keine Heilpflanze, die einen sicheren Schutz vor sämtlichen Erkältungsviren bietet. Einige Pflanzen werden jedoch traditionell oder auf Grundlage klinischer Untersuchungen zur Unterstützung der körpereigenen Abwehr beziehungsweise zur Vorbeugung oder Behandlung früher Erkältungsbeschwerden eingesetzt.
1) Sonnenhut – Echinacea
Sonnenhut gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen im Bereich der Immunabwehr. Sie stärkt sowohl das unspezifische als auch das spezifische Immunsystem und kann somit helfen, Krankheitserreger frühzeitig zu eliminieren, um einen Infekt zu verhindern, abzumildern oder die Ausheilung zu beschleunigen.
Anwendung: Bei ausgewählten Fertigarzneimitteln kommen beispielsweise Presssäfte oder standardisierte Extrakte aus bestimmten Echinacea-Arten zum Einsatz. Die Dosierung ist abhängig vom konkreten Präparat und muss dessen Packungsbeilage beziehungsweise Fachinformation entsprechen.
Wichtig: Echinacea ist nicht für jeden geeignet. Bei Allergien gegen Korbblütler sowie bei bestimmten Autoimmunerkrankungen oder Immunsuppression ist besondere Vorsicht geboten. Die Anwendung bei Kindern und während Schwangerschaft oder Stillzeit sollte ebenfalls vermieden werden.
2) Ingwer – Zingiber officinale
Ingwer wird traditionell bei Frösteln, Übelkeit und verschiedenen Erkältungsbeschwerden eingesetzt. Seine Scharfstoffe, darunter Gingerole, besitzen entzündungsmodulierende Eigenschaften. Der durchwärmende Effekt verbessert die Arbeit des Immunsystems und macht den Erregern die Vermehrung schwerer.
Anwendung: Für einen einfachen Ingweraufguss kann frischer Ingwer in dünnen Scheiben mit heißem Wasser übergossen werden. Je nach Verträglichkeit ein daumengroßes Stück oder weniger frischen Ingwer pro Tasse.
Wichtig: Ingwer kann Sodbrennen und Magenbeschwerden verursachen. Bei der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente oder vor Operationen sollte die Verwendung höher dosierter Ingwerpräparate ärztlich oder pharmazeutisch abgeklärt werden.
3) Thymian – Thymus vulgaris
Thymian enthält ätherisches Öl mit unter anderem Thymol und Carvacrol sowie weitere Inhaltsstoffe. Er wird traditionell als schleimlösendes und auswurfförderndes Mittel bei produktivem Husten eingesetzt. Allerdings wirkt er auch hervorragend gegen Krankheitserreger und stark gegen Entzündungen. Damit hat er das Potential sämtliche Erkältungssymtome zu lindern und den Heilungsprozess zu beschleunigen.
Mehrmals täglich Thymiantee oder ein geeignetes Fertigarzneimittel auch in Kombination mit Efeu sind hier schnelle Hilfen vor allem bei hartnäckigem Husten. Für Kinder ab zwei Jahren eignen sich auch ätherische Öle, die mittels eines Diffusers oder auf ein Stück Stoff in Bettnähe aufgebracht, die Erkältungsnächte leichter machen. Zum Inhalieren mit heißem Wasser ist es nicht geeignet.
Teezubereitung: Etwa ein bis zwei Gramm getrocknetes Thymiankraut mit rund 150 Milliliter kochendem Wasser übergießen, fünf bis zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen und abseihen. Auch im Handel befindliche Teemischungen mit Thymian können hier alternativ verwendet werden. Achten Sie hier auf eine gute Qualität. Sehr günstige Tees laufen eher Gefahr, unzureichende Inhaltsstoffe zu haben.
Wichtig: Die Anwendung bei Kindern, insbesondere bei kleinen Kindern, muss altersgerecht erfolgen. Ätherisches Thymianöl ist nicht mit Thymiantee gleichzusetzen und darf nicht unverdünnt eingenommen werden.
4) Salbei – Salvia officinalis
Salbei enthält Gerbstoffe und ätherisches Öl. Er wird traditionell bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei gereizten Schleimhäuten eingesetzt. Vor allem bei Halsschmerzen als Tee oder zum Gurgeln können diese Inhaltsstoffe hilfreiche Begleiter sein.
Zubereitung: Etwa ein bis zwei Gramm getrocknete Salbeiblätter mit 150 Milliliter heißem Wasser übergießen, etwa fünf bis zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen und anschließend abseihen. Die fertige, abgekühlte Zubereitung zum Gurgeln verwenden und ausspucken. Oder den etwas abgekühlten Tee mit Honig versetzen und trinken.
Wichtig: Salbeiöl kann Thujon enthalten. Konzentriertes Salbeiöl sollte nicht eigenständig eingenommen werden.
5) Meerrettich – Armoracia rusticana und Kapuzinerkresse – Tropaeolum majus
Meerrettich und Kapuzinerkresse enthalten Senfölglykoside, aus denen bei entsprechender Verarbeitung scharf schmeckende Isothiocyanate entstehen. Im Allgemeinen werden sie als pflanzliche Antibiotika bezeichnet. Grundsätzlich ist das nicht komplett falsch, aber sie helfen mindestens genauso gut gegen Viren. Bei diesen beiden Vertretern steht die Ursachenbekämpfung im Vordergrund. Nicht nur bei Infekten der oberen Atemwege ‒ auch bei Harnwegsinfekten zeigt es zuverlässige Wirkungen. Als Kombination bietet der Markt hier fertige Produkte, was in dem Fall durchaus sinnvoll ist. Denn hier heißt es: Viel hilft viel.
Wichtig: Bei empfindlichem Magen, Magen-Darm-Geschwüren oder Nierenproblemen ist Vorsicht geboten. Die Schärfe kann Schleimhäute reizen. Also grundsätzlich immer nach dem Essen einnehmen.
6) Spitzwegerich – Plantago lanceolata
Spitzwegerich wird traditionell bei Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie bei trockenem Husten eingesetzt. Die enthaltenen Schleimstoffe wirken reizlindernd, die Flavonoide entzündungshemmend. Er bietet ebenso eine leichte Unterstützung fürs Immunsystem und hilft die Krankheitserreger zu beseitigen. Spitzwegerich kann als Tee angewendet werden oder in Form eines Saftes.
Zutaten:
- zwei Handvoll Spitzwegerichblätter
- 250 Gramm Zucker
- Saft einer kleinen Zitrone
- zwei Schraubgläser, je ca. 350 Milliliter, desinfiziert oder ausgekocht
Zubereitung:
- Die Blätter quer zur Längsfaser in etwa einen Zentimeter große Stücke schneiden.
- Eine etwa ein Zentimeter dicke Lage Spitzwegerichblätter in das Glas geben und dann mit Zucker bedecken.
- Abwechselnd Blätter und Zucker in das Glas geben und zwischendurch immer wieder mit Hilfe eines Löffels festdrücken.
- Die letzte Lage sollte Zucker sein und den Spitzwegerich gut bedecken.
- Alles nochmal gut mit dem Löffel festdrücken und das Glas schließen.
- Zum Durchziehen und Reifen das Glas für zwei Monate an einen möglichst gleichmäßig temperierten und dunklen Ort stellen.
- Nach zwei Monaten den Sirup in ein Wasserbad stellen und langsam erwärmen.
- Den Zitronensaft und etwa 20 Milliliter abgekochtes, warmes Wasser dazu rühren und nochmal zwei Stunden ziehen lassen.
- Durch ein Sieb in das zweite Schraubglas abgießen.
7) Zistrose – Cistus incanus
Die Zistrose ist eine mediterrane Pflanze, die aufgrund ihres hohen Gehalts an Polyphenolen in der Phytotherapie und Naturheilkunde zunehmend Beachtung findet. Sie besitzt antioxidative Eigenschaften. In Laboruntersuchungen wurden für bestimmte Zistrosenextrakte außerdem antivirale und antibakterielle Effekte beschrieben. Ein möglicher Mechanismus ist, dass bestimmte Polyphenole mit Strukturen von Erregern wechselwirken und dadurch deren Anheftung oder Aktivität beeinflussen könnten. Sowohl auf den Schleimhäuten als auch im Inneren hilft es damit sehr effektiv, die Anzahl der Erreger zu minimieren.
Zudem ist sie eine tolle Alternative zu Meerrettich und Kapuzinerkresse, wenn man Scharfes nicht gut verträgt oder davon Abstand halten sollte. Auch für Kinder ist diese Pflanze gut geeignet. Die Firma Dr. Pandalis hat ein ganzes Sortiment um diese Pflanze aufgebaut. Somit stehen uns Tees, Lutschpastillen, Säfte und noch vieles mehr zur Verfügung.
8) Griechischer Bergtee – Sideritis
Griechischer Bergtee wird aus verschiedenen Arten der Gattung Sideritis gewonnen. Die Pflanze wächst in den Gebirgsregionen Südosteuropas und wird dort seit Langem als aromatischer Kräutertee verwendet.
Der Bergtee enthält unter anderem Flavonoide und weitere Polyphenole. Laboruntersuchungen weisen auf antioxidative und entzündungsmodulierende Eigenschaften bestimmter Inhaltsstoffe hin. Er ist noch recht neu in der Forschung, aber zeigt schon sehr interessante Daten in Bezug auf seine antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Auch in der Demenzforschung ist er in den letzten Jahren etwas mehr in den Fokus gerückt.
Der Tee kann insbesondere als warmes Getränk bei Erkältungsbeschwerden wohltuend sein. Er hat einen angenehmen zitronigen Geschmack und wird deswegen auch von Kindern gern akzeptiert.
9) Zwiebel – Allium cepa: der Klassiker bei Husten
Die Zwiebel ist nicht nur ein vielseitiges Lebensmittel, sondern wird seit Generationen auch als Hausmittel bei Erkältungsbeschwerden eingesetzt. Besonders bekannt ist der selbst hergestellte Zwiebelsaft mit Honig oder Zucker, der traditionell bei Husten und einem gereizten Hals verwendet wird.
Die Zwiebel enthält schwefelhaltige Verbindungen sowie Flavonoide, darunter Quercetin. In Laboruntersuchungen wurden für verschiedene Zwiebelextrakte antioxidative, entzündungsmodulierende und antimikrobielle Eigenschaften beschrieben.
Traditionell wird Zwiebelsaft vor allem bei trockenem Reizhusten und bei Husten im Rahmen einer Erkältung verwendet. Die süße, sirupartige Konsistenz kann den gereizten Hals angenehm benetzen und die enthaltenen ätherische Öle und Schwefelstoffe senken die Erregerlast im Körper.
Zutaten:
- eine mittelgroße Küchenzwiebel
- ein bis zwei Esslöffel Honig oder Zucker
Zubereitung:
- Die Zwiebel schälen und fein würfeln.
- Die Stücke in ein sauberes Glas geben.
- Mit Honig oder Zucker vermischen.
- Abgedeckt mehrere Stunden ziehen lassen, bis sich Flüssigkeit bildet.
- Den entstandenen Sirup mehrmals täglich einnehmen ‒ kleine Kinder einen Teelöffel pro Dosis, ab Schulalter einen Esslöffel.
Phytotherapie in der Erkältungszeit: Welche Rolle spielen Zubereitung und Dosierung?
Bei Heilpflanzen entscheidet nicht allein die Pflanze über die Wirkung. Auch Pflanzenteil, Qualität, Extraktionsverfahren und Dosierung spielen eine wichtige Rolle.
Tee ist nicht gleich Extrakt. Ein Tee enthält nur diejenigen Inhaltsstoffe, die unter den gewählten Bedingungen in das Wasser übergehen. Ein standardisierter Extrakt kann dagegen einen definierten Wirkstoffgehalt besitzen.
Ätherisches Öl ist nicht gleich Heilpflanzentee. Ätherische Öle enthalten konzentrierte flüchtige Inhaltsstoffe und können deutlich stärkere Eigenschaften besitzen. Bei Unsicherheiten fragen Sie immer Fachpersonal in der Apotheke oder Heilpraktiker Ihres Vertrauens.
Wann reicht die Selbstbehandlung nicht mehr aus?
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere notwendig bei:
- ausgeprägten Brustschmerzen,
- starken Schluckbeschwerden oder Schwellungen im Halsbereich,
- hohem oder anhaltendem Fieber,
- deutlicher Verschlechterung nach zunächst erfolgter Besserung,
- ausgeprägtem Krankheitsgefühl oder Zeichen einer Austrocknung,
- Beschwerden bei Säuglingen, immungeschwächten Menschen oder anderen besonders gefährdeten Personen.
Fazit: Wie uns die Phytotherapie in der Erkältungszeit unterstützen kann
Die Phytotherapie bietet in der Erkältungszeit vielfältige Möglichkeiten, den Körper zu unterstützen. Ein gut abgestimmtes Winterkonzept verbindet deshalb die richtige Kombination der Pflanzen mit ausreichend Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung, Bewegung und guter Raumluft.
Fit durch den Winter bedeutet nicht, niemals krank zu werden. Es bedeutet, den eigenen Körper sinnvoll zu unterstützen, Beschwerden gezielt zu lindern und rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie erforderlich ist.
