Craniosacrale Körperarbeit – leicht erlernbar und hoch wirksam für Körper und Seele: Die Craniosacrale Körperarbeit hat sich ursprünglich aus der Osteopathie entwickelt und kann als ihre „sanfte Schwester“ bezeichnet werden. Der Begriff „craniosacral“ leitet sich von „Cranium“ (Schädel) und „Sacrum“ (Kreuzbein) ab und bezeichnet die anatomischen Endpunkte des craniosacralen Systems, das aus Schädel, Wirbelsäule, Hirn-/Rückenmarkshäuten sowie dem zentralen Nervensystem besteht.
Wie wirkt Craniosacrale Körperarbeit?
Die Craniosacraltherapie, im Folgenden kurz Cranio genannt, hat ihre besondere Stärke im Ausgleich des vegetativen Nervensystems. Das heißt seelische und körperliche Folgen von langanhaltendem Stress, Überforderung, emotionaler Belastung, Unfällen, Operationen und Traumen sprechen besonders gut auf Cranio an. Der stressaktive Teil unseres vegetativen Nervensystems, der sogenannte Sympathikus, beruhigt sich durch Cranio, während der für Heilung, Erholung und Regeneration zuständige Parasympathikus angeregt wird:
- Die Muskulatur entspannt sich dadurch,
- Verdauung und Drüsenfunktion verbessern sich
- und Heilungsreaktionen kommen in Gang.
Was ist das Besondere an Cranio?
Zwei grundlegende Prinzipien machen das Besondere der craniosacralen Arbeit aus:
1. Der craniosacrale Rhythmus als Grundlage der Selbstregulation
In unserem Körper gibt es neben dem Atem- und dem Herz-Kreislauf-Rhythmus einen weiteren physiologischen Rhythmus, nämlich den craniosacralen Rhythmus. Er ist etwas langsamer als die Atmung und entsteht durch den wellenartigen Wechsel von Neubildung und Rückresorption der Hirn-/Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) innerhalb des craniosacralen Systems. Durch den leichten Druckanstieg in Schädel und Wirbelkanal während der Liquorbildungsphasen dehnt sich der Schädel an den Nähten minimal aus und auch die Wirbelsäule streckt sich ein wenig in die Länge. Während der Rückresorption verschmälert sich der Schädel wieder und die Wirbelsäule verkürzt sich durch den sinkenden Liquordruck. Diese feinen Wellen von Ausdehnung und Zusammenziehen sind aber nicht nur an Kopf und Wirbelsäule zu fühlen, sondern sie pflanzen sich entlang des Bindegewebes über den gesamten Körper hinweg fort, so dass sie fast überall am Körper zu tasten sind.
Indem der Therapeut den Cranio-Rhythmus an verschiedenen Körperstellen spürt und ihn in seinem Bewegungsmuster sanft verstärkt, kommt es nach und nach zu einer tiefen Regeneration des Nervensystems:
- das Vegetativum kommt in Balance,
- Stresssymptome beruhigen sich
- und Traumen können verarbeitet werden.
2. Die indirekte, achtsame Berührung und dialogische Gewebearbeit
Etliche manuelle Methoden setzen direkte Impulse, um dysfunktionales oder verspanntes Gewebe zu lockern. Aber nicht immer antwortet das Gewebe auf diese Impulse mit der gewünschten Entspannung und Funktionsverbesserung, manchmal sogar mit Widerstand und Reaktionsstarre. In solchen Fällen ist der indirekte Weg von Cranio die oft erfolgversprechendere Alternative:
- Der Behandler berührt das verspannte Gewebe mit minimalem Druck,
- lauscht in das Gewebe hinein („Listening“)
- und verbindet sich mit ihm intuitiv, achtsam und ohne Absicht.
Das Gewebe verrät ihm dabei nach einer Weile den optimalen Weg, wie es seine Spannung überwinden und den ursprünglichen Zustand wiedererlangen kann. Dieser Weg ist eine Art nonverbale Kommunikation zwischen den Händen des Behandlers und dem Körper-Unterbewusstsein des Patienten.
Wie können chronische Verspannungen das Gewebe verändern?
Wenn Muskulatur chronisch verspannt, verkürzen sich nicht nur die Muskelfasern, sondern auch die Faszien, die sie umgeben. Dabei verändert sich mit der Zeit deren mikroskopische Feinstruktur, bildhaft ausgedrückt „verkleben“ und „verknoten“ die Bindegewebsfasern miteinander. Aber diese Verwringungen lösen sich nicht einfach, indem man sie mit manueller Kraft aufdehnt. So, wie man an einem kompliziert verknoteten Wollknäuel nicht einfach ziehen kann, um es zu lösen, sondern mit Ruhe und Geduld nacheinander die richtigen Entwirrungsschritte vornehmen muss, um den Wollfaden wieder freizulegen, muss ein verspanntes und verklebtes Gewebe ebenfalls in der korrekten Weise „entknotet“ und „entwirrt“ werden.
Warum ist Craniosacrale Körperarbeit zum Lösen solcher komplexen Spannungsmuster so gut geeignet?
Nicht der Behandler, aber das Gewebe kennt die richtigen Schritte, um sich aus seinen strukturellen und funktionellen Einschränkungen zu befreien. Dr. Upledger, ein großer Pionier der Craniosacralen Therapie, nannte diese Kompetenz des Gewebes den „inneren Arzt“, mit dem der Cranio-Behandler Kontakt aufnimmt und kommuniziert. Der Therapeut erspürt mit seinen „sehenden Händen“ die richtigen Behandlungsschritte, das heißt nach einer kleinen Verweilphase an einer Körperstelle verrät ihm das Gewebe durch feine Bewegungstendenzen, in welchen Richtungen, in welcher Reihenfolge und in welcher Geschwindigkeit sich die tiefsitzenden Verspannungsmuster freiwinden wollen. Der Therapeut greift diese aus dem Gewebe kommenden Impulse auf, geht mit ihnen mit, verstärkt sie sanft und hält sie im Fluss, bis sie spontan zur Ruhe kommen. Diese meist mehrminütigen Prozesse werden in der Fachsprache „Release“ (Entspannung) oder „Unwinding“ (Freiwinden) genannt.
Welche Vorteile hat diese indirekte Art des Behandelns?
Das Körper-Unterbewusstsein des Patienten empfindet diese Art des Behandelns als sehr angenehm, weil sie sanft, einfühlsam und indirekt ist. Dabei wird der Behandler als ein Unterstützer und Partner empfunden, der nicht nach eigenen Vorstellungen manipuliert, sondern nur die Wege einschlägt, die der Körper des Behandelten ihm eröffnet. Weil der Therapeut nur aktiv wird, wenn er dazu eingeladen wird, und weil er die Signale des Körpers und seine Grenzen respektiert, kann tiefes Vertrauen und ein Gefühl von Sicherheit entstehen, das nicht selten schon nach wenigen Sitzungen zur tiefgreifenden Lösung körperlicher und emotionaler Traumata führt. Daher ist Cranio nicht nur unter Körper-, sondern auch unter Traumatherapeuten eine geschätzte Methode.
Für wen ist Craniosacrale Körperarbeit geeignet?
Seit mehr als 20 Jahren unterrichte ich Cranio, davon seit zehn Jahren auch in Selbsthilfe-Workshops für „Laien“. Weil Cranio kein medizinisches Fachwissen oder therapeutische Erfahrungen voraussetzt, sondern auf sehr intuitive Weise angewandt wird, ist es für jeden geeignet, der sich davon angesprochen fühlt. Schon an zwei Tagen kann man eine repräsentative Auswahl an Griffen und „Techniken“ erlernen, die als Selbsthilfe-Tools unter Familienangehörigen und Freunden eingesetzt werden können, um z. B.:
- Schlafstörungen zu verbessern,
- Verspannungen abzubauen,
- Stressresistenz zu stärken
- oder Schmerzen zu lindern.
In der therapeutischen Praxis angewandt, kann Cranio nach einem zweitägigen Einführungskurs bereits als ein weiteres Modul das Methodenspektrum erweitern. Denn auch als Ergänzung zu TCM, Homöopathie oder Dorn-Breuss können bereits wenige Minuten Craniobehandlung pro Sitzung eine signifikante synergetische Wirkung zu den anderen Methoden zeigen.
Als Schwerpunkt in der therapeutischen Praxis erweist sich Cranio als kraftvolles Instrument, um bei einer Vielzahl an körperlichen, psychischen und psychosomatischen Beschwerden zu helfen.
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Dieser Beitrag wurde von Joachim Wenk verfasst. Er ist Heilpraktiker mit dem Schwerpunkt Craniosacraltherapie für Kinder und Jugendliche und Dozent für Craniosacrale Körperarbeit.
