Panikattacke erkennen und verstehen – Ursachen, Symptome und Hilfe

Panikattacke erkennen und verstehen – Ursachen, Symptome und Hilfe

Panikattacke erkennen und verstehen – Ursachen, Symptome und Hilfe: Ein ganz normaler Tag. Sie leben in Ihrem gewohnten Trott, bis Ihnen plötzlich – wie aus dem Nichts – die Luft wegbleibt. Ihr Herz rast, Ihnen bricht der kalte Schweiß aus, Sie zittern und können sich kaum noch auf den Beinen halten. Sie ringen verzweifelt nach Atem, spüren ein Engegefühl in Ihrer Brust, befürchten einen Herzinfarkt. Verzweiflung, Ohnmacht und Todesangst ergreifen Besitz von Ihnen … Sie müssen sofort zum Arzt, am besten ins Krankenhaus … Ruf doch endlich jemand den Rettungsdienst!

So oder ähnlich berichten Menschen von ihrer ersten Panikattacke. Neben Atemnot, Herzrasen und Schweißausbrüchen wird häufig von panischer Angst, verrückt zu werden und die Kontrolle zu verlieren, sich wie in einem schlechten Film zu befinden (Derealisation), Magen-Darm-Beschwerden und anderen Symptomen berichtet.

Der oft lange Weg zur Diagnose

Eine Panikattacke dauert meist nur wenige Minuten, nur sehr selten kann sie jedoch auch mehrere Stunden anhalten. Bis endlich der Rettungsdienst eintrifft oder das Krankenhaus erreicht wird, ist der Höhepunkt einer Panikattacke meistens schon überschritten.

Die Ärzte stellen Sie auf den Kopf, entnehmen Blut, machen ein EKG und ggf. noch andere Untersuchungen – und finden keinen Hinweis auf eine organische Erkrankung. Ihre Blutwerte sind normal, die Schilddrüse ist in Ordnung und es gibt keinerlei Anzeichen für Asthma oder andere Erkrankungen der Lunge. Nur Ihr Blutdruck ist noch immer erhöht und Ihr Herz schlägt schnell, jedoch nicht mehr in einer Intensität, die die Ärzte beunruhigt. Klar, Sie sind erleichtert, aber es muss doch einen Grund für das alles geben. Irgendeine Ursache müssen die Ärzte doch finden …

Danach folgt oft eine Odyssee zu verschiedenen Spezialisten: Kardiologe, Pneumologe, Endokrinologe … ‒ alles ohne Befund. Was aber bleibt, ist die Angst, so etwas noch einmal zu erleben, vielleicht sogar an einer unentdeckten schweren Krankheit zu leiden und bald sterben zu müssen.

Oft ist es schließlich der Hausarzt, der zum ersten Mal die Verdachtsdiagnose Panikattacke stellt und zu einem Facharzt für Psychiatrie für eine sorgfältige Diagnostik überweist.

Was im Körper während einer Panikattacke passiert

Aus meist unerklärlichen Gründen interpretiert Ihr Körper eine neutrale Situation als Bedrohung und aktiviert daraufhin den Sympathikus – den Teil des vegetativen Nervensystems, der für die Abwehr von Gefahren zuständig ist. Dieser sendet Signale an das Nebennierenmark, das Stresshormon Adrenalin in Ihr Blut auszuschütten.

Daraufhin gerät Ihr Körper in den sogenannten Fight-or-Flight-Modus, bereit, potenziellen Feinden durch Kampf oder Flucht zu begegnen. Ihr Herz schlägt schneller, die Blutgefäße ziehen sich zusammen, wodurch Ihr Blutdruck steigt. Die Bronchien erweitern sich und steigern die Atemfrequenz. Kurz gesagt: Ihr Körper ist zu Höchstleistungen bereit. Aber da ist kein konkreter Feind, keine reale Bedrohung. Der Körper sendet quasi einen „Fehlalarm“, wobei die körperlichen Symptome fälschlicherweise als lebensbedrohlich interpretiert werden.

Mögliche Folgen einer Panikattacke

20 Prozent der Menschen erleben mindestens einmal im Leben eine Panikattacke. Eine einzelne Attacke ist nicht zwingend krankhaft. Bei zwei bis drei Prozent der Bevölkerung entwickelt sich jedoch eine Panikstörung, die durch wiederkehrende, unvorhersehbare Attacken und eine anhaltende Angst vor weiteren Anfällen gekennzeichnet ist. In der Folge können sich Angststörungen oder auch Depressionen entwickeln.

Was kann man tun bei Panikattacken?

Psychoedukation

Vielen Menschen gibt schon das Wissen, dass es sich „nur“ um Panikattacken handelt, eine gewisse Erleichterung. Von daher ist es wichtig, dass Ärzte und Therapeuten ihren Patienten genau erklären, was da im Körper passiert und wie gegengesteuert werden kann (Psychoedukation).

Atemübungen

Bei einer beginnenden Panikattacke sollte der Fokus besonders auf eine tiefe Bauchatmung gelegt werden. Das Ausatmen sollte bewusst länger sein als das Einatmen, dadurch wird der Parasympathikus – der Gegenspieler des Sympathikus, der für Erholung und Verdauung (Rest-and-Digest) zuständig ist – aktiviert und das Stresslevel heruntergefahren.

Es kann hilfreich sein, die Atmung durch Zählen zu begleiten. Beispielsweise:

  • beim Einatmen von 1 bis 4
  • und beim Ausatmen von 1 bis 6 zu zählen.

Dadurch wird der Herzschlag verlangsamt und die Atemnot sowie das beklemmende Gefühl in der Brust werden gelindert.

Es gibt auch spezielle Atemtechniken, die jedoch vorher geübt werden sollten, zum Beispiel die sogenannte Box-Atmung. Dabei wird:

  • beim Einatmen von 1 bis 4 gezählt,
  • dann die Luft (von 1 bis 4) angehalten,
  • danach von 1 bis 4 ausgeatmet
  • und wiederum von 1 bis 4 die Luft angehalten.

Andere Menschen empfinden die 4-7-8-Atmung als hilfreicher. Auch dabei wird jeweils gezählt:

  • von 1 bis 4 einatmen,
  • von 1 bis 7 die Luft anhalten,
  • von 1 bis 8 bewusst tief ausatmen.

Entspannungstechniken

Bei wiederkehrenden Panikattacken hat es sich bewährt, Entspannungsverfahren zu erlernen. Ob progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga oder ähnliches gewählt wird, ist letztendlich eine Frage der persönlichen Vorliebe. Ziel all dieser Verfahren ist es, bereits im Anfangsstadium Stressreaktion des Körpers bewusst wahrzunehmen, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Medikamentöse Behandlung

Sollten Panikattacken so weit einschränken, dass Situationen des Alltags vermieden und soziale Kontakte eingeschränkt werden, können angstlösende Medikamente (Anxiolytika) oder Antidepressiva erforderlich sein. Ziel hierbei ist es, eine Verschlimmerung zu vermeiden und der Entstehung einer generalisierten Angststörung vorzubeugen.

Psychotherapie

Die Ursachen für eine Panikstörung können vielfältig sein, beispielsweise:

  • chronischer Stress
  • psychosoziale Belastungen durch den Verlust eines geliebten Menschen, Krankheit, Pflege von Angehörigen oder existentielle Ängste (z. B. Geldsorgen, drohender Verlust des Arbeitsplatzes)
  • Lernprozesse, oft aus der Kindheit, in denen körperliche Symptome (z. B. Herzklopfen) als lebensbedrohlich interpretiert werden
  • traumatische Ereignisse, die vielleicht nicht mehr bewusst sind.

Je nach Ursache können verschiedene Therapieverfahren hilfreich sein, zum Beispiel Verhaltenstherapie, tiefenpsychologische Therapie, Traumatherapie oder systemische Therapie.

Gute Prognose bei rechtzeitiger Behandlung

Bei einer rechtzeitigen Behandlung stehen die Aussichten auf eine Heilung oder zumindest deutliche Linderung sehr gut. Ca. 80 bis 90 Prozent der Betroffenen gelten nach ein bis zwei Jahren oft kombinierter Behandlung (Entspannungsverfahren, Medikamente und Psychotherapie) als geheilt.

Hier finden Sie alle Informationen zu unseren Ausbildungen zum Heilpraktiker für Psychotherapie:

Dieser Beitrag wurde von Angelika Kämper verfasst. Sie ist Inhaberin der Deutschen Heilpraktikerschule Lüdinghausen.