6 Hormonmythen, denen Sie nicht mehr glauben sollten: Hormone sind komplexer, als viele gängige Aussagen vermuten lassen – und genau darin liegen zahlreiche Missverständnisse begründet. Rund um Testosteron, Schilddrüse, Menopause oder einzelne Symptome halten sich hartnäckige Hormonmythen, die unser Verständnis vom Hormonsystem verzerren und eine ganzheitliche Betrachtung erschweren. In diesem Beitrag räumen wir mit sechs weit verbreiteten Hormonirrtümern auf und zeigen, warum es sich lohnt, genauer hinzuschauen und das Hormonsystem als fein abgestimmtes Zusammenspiel zu begreifen.
Hormonmythen aufgeklärt
1. Viel Testosteron macht Männer doch aggressiv.
Tatsächlich wurde vielfach in Studien bewiesen, dass genau das Gegenteil korrekt ist. Ein niedriger Spiegel macht Männer aggressiv, lässt sie unfair werden und macht aus ihnen schlechtere Verhandlungspartner.
2. Männer haben keine Hormone.
Und wenn überhaupt, dann Testosteron! Aber das stimmt nicht. Auch Männer haben Hormone ‒ und zwar exakt die gleichen, wie auch die Frauen sie haben. Gewiss, die Konzentrationen differieren zwischen den biologischen Geschlechtern – die Hormone Testosteron, Progesteron und Östradiol sind schließlich geschlechtsprägend. Doch das Wunderwerk Hormon macht vor den Männern nicht Halt, sondern steuert dort in den für den männlichen Körper zugehörigen Rhythmen fast jeden Vorgang des Körpers mit.
3. Aber Frauen haben postmenopausal keine Hormone mehr.
Ähm, nein ‒ das wäre mit dem Leben nicht vereinbar. Die Hormonkonzentrationen verändern sich, insbesondere die weiblich geschlechtsprägenden Hormone Progesteron und Östradiol sowie Östriol fallen ab. Sie gehen jedoch niemals auf null. Denn sie sind für den Körper auch viel zu wichtig, um auf sie zu verzichten – es wird nur keinen fruchtbaren Zyklus mit deutlich höheren Hormonwerten mehr geben.
4. Eine Drüse zu kennen, reicht aus.
Wer sich auf eine Drüse spezialisiert, kennt sich mit ihr besonders gut aus. Das ist auch großartig – solange man nicht vergisst, dass eine Hormondrüse, und zwar gleichgültig welche, immer Teil eines großen Ganzen ist. Eines komplexen Systems, das immer in Wechselwirkung, Beziehung und Interaktion zu „meiner“ Lieblingsdrüse steht. Wer die Symptome von hormonellen Dysbalancen der anderen Drüsen nicht kennt, kennt nur einen Teil der Wahrheit.
5. TSH ist der Schilddrüsenwert.
Ein immer noch weit verbreiteter Irrglaube, bei dem es mich sehr wundert, dass das nicht mittlerweile obsolet ist: TSH, ausgesprochen thyreoidea stimulierendes Hormon, ist, wie der Name vermuten lässt, ein Steuerhormon. Es ist ein Hormon aus der „Vorarbeiterin“ Hypophyse, und nicht aus der „Fabrik“ Schilddrüse. Das, was im Körper schlussendlich wirkt, ist das Ausgangsprodukt der Fabrik, nämlich T4 und T3. Ich persönlich finde es völlig in Ordnung, wenn man die Vorgesetzten bewertet. Aber aus der Bewertung der Vorgesetzten auf den Fleiß der Mitarbeiter schließen? Aus meiner Sicht völlig unzureichend. Zur Schilddrüsenbewertung gehören also mindestens T4 und T3 neben dem TSH.
6. Es genügt, sich auf ein Symptom zu spezialisieren …
… den Rest will ich nicht wissen. Hier sieht man leider auch nur einen (kleinen) Teil der Wahrheit. Die Komplexität des Hormonsystems ist nicht zu begreifen, wenn ich mir ein einziges Symptom herausgreife, und das isoliert zu behandeln versuche. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Zyklusbeschwerden, unerfüllten Kinderwunsch, die Menopause oder andere Hormonthemen geht. Wer die Ursache therapieren möchte, muss die Interaktionen der verschiedenen Drüsen mit- und untereinander verstehen. Oder wussten Sie, dass ein Progesteronmangel eine Hypothyreose begünstigt?
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Dieser Beitrag wurde von Juliane Herzberg, Tutorin der Online-Ausbildung zum Hormoncoach, verfasst.
